Kirchheim

Zwei Stadträte verabschieden sich „markengerecht“

Kommunalpolitik Albert Kahle und Franz Ochs scheiden auf eigenen Wusch aus dem Kirchheimer Gemeinderat aus

GR Kirchheim, Verabschiedung Albert Kahle 2 von re) und Franz Ochs (2 von links)neue Gemeinderäte links: Christof Schweiss und g
GR Kirchheim, Verabschiedung Albert Kahle 2 von re) und Franz Ochs (2 von links)neue Gemeinderäte links: Christof Schweiss und ganz rechts Ulrich Kreyscher

Kirchheim. Aus dem Kirchheimer Gemeinderat haben sich zwei Mitglieder verabschiedet, die laut Angelika Matt-Heidecker „in ihrer Arbeitsweise konträrer nicht sein könnten“: Albert Kahle (FDP/KiBü) und Franz Ochs (Freie Wähler). Der eine habe das polternde Wortgefecht bevorzugt, der andere das persönliche Gespräch im Hintergrund. Dass beides seine Berechtigung hat, stellte die Oberbürgermeisterin unumwunden fest: „Solche unterschiedlichen Charaktere tun einem Gremium gut und bringen es weiter.“

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Albert Kahle habe 2004 nach seinem ersten Einzug in den Gemeinderat die „Ein-Mann-Fraktion“ der FDP grundlegend verändert. Zur FDP sei nicht nur die KiBü hinzugekommen, sondern auch eine „andere Form der Diskussion“. Albert Kahle habe seine Meinung und seinen Standpunkt beharrlich vertreten – und zwar „immer im Angriffsmodus“. Positiv bescheinigte ihm die Oberbürgermeisterin deshalb: „Sie sind zu einer Marke im Gemeinderat geworden.“

Signifikant zeigt sich der Unterschied zwischen Albert Kahle und Franz Ochs, wenn es um die erste Wortmeldung geht: Gleich in seiner ersten Sitzung im September 2004 hatte Albert Kahle gefordert, Straßenbaumaßnahmen zeitlich besser zu koordinieren. Franz Ochs dagegen war schon zehn Monate lang Ratsmitglied, als er im Mai 1995 erstmals das Wort ergriff und anregte, die Wahlperiode des Jugendgemeinderats von zwei auf drei Jahre zu verlängern.

2009 war Franz Ochs nicht mehr gewählt worden und hat das „gelassen zur Kenntnis genommen“, wie Angelika Matt-Heidecker betonte: „Für Sie ist das eine Selbstverständlichkeit in der Demokratie.“ Nach seiner Wiederwahl vor zwei Jahren scheidet er nun erneut – und dieses Mal, wie Albert Kahle übrigens auch – auf eigenen Wunsch aus. Eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Nachfolger sind keine „Frischlinge“ mehr, weder Christof Schweiß (Freie Wähler) noch Ulrich Kreyscher (FDP/KiBü).

Einen großen Unterschied gab es zum Abschied aber doch: Während Franz Ochs eher leise „Servus“ sagte, gab Albert Kahle noch einmal eine Kostprobe seiner „Marke“ ab: Der Gemeinderat sei eine „eigene Welt“, meinte er und fügte hinzu: „Da gibt es manchmal Frust wegen lang anhaltender Beratungen, bei denen um Kaisers Bart diskutiert wird.“ Der Einbahnverkehr auf Teilen des Alleenrings habe zumindest bei der Musiknacht hervorragend funktioniert, stellte er mit Genugtuung fest. Wohl auch deshalb forderte er, umgehend den Verkehrsberater der Stadt auszutauschen – „gegen einen, der sein Handwerk versteht“. Zu Tempo 30 in Ötlingen sagte er: „Von 22 bis 6 Uhr wäre das in Ordnung. Aber wenn jetzt noch Schritttempo eingeführt wird, dann gibt es bald noch mehr Leerstände in der Innenstadt.“

Ulrich Kübler (Freie Wähler) konstatierte anschließend: „Jetzt können wir ruhig schlafen. Man hatte ja schon gemunkelt, Albert Kahle sei altersmilde geworden.“