Kirchheimer Umland

100 Sänger lassen das Publikum jubeln

Konzert Michael Lieb vereint für „Carmina Burana“ in Notzingen viele Stimmen zu einem Klangkörper.

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Symbolbild

Notzingen. Gleich der Beginn des Konzerts in der ausverkauften Notzinger Gemeindehalle hinterließ Eindruck: Der Einmarsch der über 100 in Schwarz und Bronze gekleideten Sänger der Chöre Nowelli aus Notzingen und Collegium Vocale aus Gomaringen. Nach einem kurzen Klavierakkord erklang aus der Masse der Kehlen das bombastische „O Fortuna!“. Bei diesem ersten Akkord wurde klar: Hier steht ein von der Hand Michael Liebs geformter, aus mehr als 100 Stimmen bestehender, einheitlicher Klangkörper.

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Doch der Reihe nach: Zur Einstimmung auf diesen Konzertabend hatten der Entertainer Felix Heller und Michael Lieb eine Einführung in das oft aufgeführte, aber inhaltlich wenig bekannte Werk Carmina Burana gegeben. So wurde klar: Auch wenn die mittelalterlichen Texte in Latein und Mittelhochdeutsch gesungen werden, geht es um das Leben im Kreis der Jahreszeiten.

Felix Heller veranschaulichte immer wieder mit unterhaltsamen Zwischentexten die Inhalte der drei Teile: Der Frühling, der nach strengem Winter die ersten Blüten treibt, das Werben der Mädchen um einen „Gesellen“ und das höfische Leben, bei dem die Liebe ebenso im Mittelpunkt steht wie beim einfachen Volk.

Dass Männer in der „Taberne“ gerne einen über den Durst trinken, scheint sich im Lauf der Jahrhunderte auch nicht grundlegend geändert zu haben. Speziell in dieser Szene zeigte Bariton Johannes Mooser sein außerordentliches Können: Im Todesgesang des Schwanes, der für die hungrige Männermeute über dem Feuer grillt, sang er die schwierige Partie vom hohen Falsett bis zum tiefen Brustton und ließ das Publikum mitleiden. Den Atem hielt das Publikum bei der Partie an, in der die Sopranistin Johanna Pommranz im zarten Piano und höher als bei der Mozartschen Königin der Nacht auf das Liebeswerben des Baritons einging. Der Chor beeindruckte mit wuchtigen wie zarten Stücken. Die vier hervorragenden Perkussionisten Otto Huber, Jürgen Parison, Johannes Reischmann und Alexander Zweifel versetzten das Publikum in eine eigene Klangwelt, die einerseits mittelalterliche Bilder heraufbeschwor, andererseits auch die Entstehungszeit des Stückes erkennen ließ.

Eine besondere Rolle kam den Pianisten zu: Gregor Wohak und Peter Goller warfen den Sängern nicht nur Harmonien zu, sondern zeigten immer wieder ihre Virtuosität und ihr hervorragendes Zusammenspiel in ausgiebigen Instrumentalteilen. Das Publikum konnte bei den Schlussakkorden der einzelnen Stücke einen Zwischenapplaus nicht zurückhalten. Dieser Konzertabend wird dem Notzinger Publikum noch lange in Erinnerung bleiben. pm

Info Wer Lust hat, am nächsten Chor-Projekt teilzunehmen, kann sich im Internet unter www.nowelli.de informieren und zu einer Schnupperprobe kommen. Neue Sänger sind dem Chor immer willkommen.