Kirchheimer Umland

3. August 1690: Kirchheim brennt

Der große Stadtbrand jährt sich zum 325. Mal – Wiederaufbau bedeutete Neuanfang

Am Montag, 3. August, jährt sich eines der größten und wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Stadt Kirchheim: der Stadtbrand. Zum 325. Mal wird die Erinnerung an das große Feuer mitten im heißen Sommer des Jahres 1690 wieder lebendig.

Der rote Hahnüber KirchheimVom großen Kirchheimer Brand 1690
Der rote Hahnüber KirchheimVom großen Kirchheimer Brand 1690

Kirchheim. Aus einer kleinen Nachlässigkeit ergab sich damals ein Großbrand, der einen kompletten Neuanfang der Gestaltung der Stadt und des Stadtbilds bewirkte. Trotz enormer Sachschäden der etwa 250 abgebrannten Gebäude war keiner der knapp 3 000 Menschen zu Schaden gekommen. Durch den starken Einfluss des Brandes wurden Regeln für Häuser und Straßen erlassen, die zum Erscheinungsbild der Stadt bis heute beitragen und die Besucher sehr schätzen, wie die Breite der Gassen oder der Verlauf der Gebäudefronten. Der Wiederaufbau begann recht schnell, aber das Leben normalisierte sich erst langsam, nachdem die meisten Gebäude wieder standen.

Der große Brand ermöglichte sozusagen die regelmäßige Struktur und Aufteilung der Innenstadt, und Dank einer Bürgerinitiative blieb der Fachwerkkern bis heute weitgehend erhalten. Im 17. Jahrhundert waren üblicherweise im Erdgeschoss der Gebäude die offenen Feuerstellen für die Küche untergebracht und die Häuser vorwiegend aus Fachwerk mit lehmverputztem Flechtwerk gebaut. Die hölzernen Decken waren meist über dem ersten Stockwerk mit einem Holzschindel- oder Strohdach gedeckt.

Durch die Eingrenzung mit der seit 1283 errichteten Stadtmauer waren die Häuser recht dicht aneinandergebaut und die Gassen und Straßen eng geworden und für die größer werdenden Fuhrwerke schwer passierbar. Natürlich gab es auch keine richtige Planung, sodass viele Winkel und enge Gassen das Bild prägten. Manche Ecken in der Esslinger Altstadt geben heute noch einen Eindruck von dieser Zeit.

Aus einer Unachtsamkeit in der Küche einer Metzgerei in der Brand­straße, an der Stelle des heutigen Kunsthöfles hinter der Volksbank, und der Verquickung mit weiteren ungünstigen Zufällen, entwickelte sich in kurzer Zeit ein Großbrand, der Kirchheim für immer veränderte. Es war seit Wochen heiß und trocken. Der Stadtbach, damals entlang der heutigen Marktstraße, führte kaum Wasser, auch Lauter und Lindach waren recht trocken. Das schöne Wetter und den Sonntag nutzten alle, um auf den Feldern die Kornernte einzubringen oder Heu für die Tiere zu wenden. Wenige Bessergestellte genossen den kühlen Wald.

In der Stadt war kaum jemand geblieben, sodass das Feuer lange unentdeckt blieb. Erst als das Haus brannte, kam der erste Aufruf. Die wenigen Herbeigeströmten suchten in aller Eile den ledernen Feuereimer, um mit dem Löschen zu beginnen. Es dauerte einige Zeit, bis sich die Helfer koordiniert hatten, der Spritzenwagen vor Ort war und der kleine Trupp zielgerichtet gegen das Feuer arbeitete. Eine organisierte Feuerwehr gab es vor über 300 Jahren nicht und die meisten waren ja gar nicht in der Stadt. Erst als der Rauch über der Stadt am Himmel vom Unheil kündete, kamen die Kirchheimer zurück. – Leider zu spät, um das Feuer aufzuhalten.

Etwas mehr als sechs Stunden nach dem Ausbruch des Feuers stand die ganze Stadt in Flammen. Sie brannte zwei Tage lang, bis alles in Schutt und Asche lag – nur am Ötlinger Tor blieben drei Gebäude erhalten: die Lateinschule, das heutige Max-Eyth-Haus, fast ohne Schäden, der Kirchturm und der Chor der Martinskirche. Das Kirchenschiff brannte aus und stürzte ein. Das Kornhaus wurde stark zerstört. Das Schloss trug durch den Graben keinerlei Schaden davon.

Der Brand wurde intensiv untersucht, es konnte aber kein schuldhaftes Verhalten festgestellt werden. Allerdings erkannten die Verantwortlichen Risikofaktoren und schufen neue Regeln für den Wiederaufbau der Gebäude und Straßen, um Ähnliches zu verhindern.

Ein weiterer Umstand trug zur guten Entwicklung der Märkte in der Stadt bei. Die Rathäuser gehörten im Mittelalter dem Landesherren – also dem Grafen oder Herzog. Nachdem der amtierende Herzog Carl Eugen von Württemberg gerade am Schloss Ludwigsburg baute, waren auch dessen Kassen leer und der Platz des Rathauses wurde mit hölzernen Markthütten genutzt, blieb aber unbebaut. Nachdem sich Bürger und Stadt erholt hatten und das Bürgerhaus 1722 bauten, das heutige Rathaus, waren alle von diesem großen Marktplatz begeistert. Auch der Herzog hatte kein Interesse, den Platz zu überbauen, sodass die Stadt später den Platz kaufte, der bis heute als Marktplatz erhalten blieb.

Der Neuaufbau führte zur „Ordnung“ der Handwerkerkonzentration in bestimmten Straßen innerhalb der Stadtmauern. Straßennamen zeugen noch heute davon, etwa die Metzgerstraße in der südlichen Altstadt.

Ganz klar: Die große Aufgabe des Wiederaufbaus haben die Vorfahren als Chance erkannt. Trotz vieler Schwierigkeiten und Entbehrungen und die Grundlage für eine florierende und wachsende Stadt gelegt. - Grund genug, den Jahrestag in Erinnerung zu behalten.

Der rote Hahnüber KirchheimVom großen Kirchheimer Brand 1690
Der rote Hahnüber KirchheimVom großen Kirchheimer Brand 1690
Der rote Hahnüber KirchheimVom großen Kirchheimer Brand 1690
Der rote Hahnüber KirchheimVom großen Kirchheimer Brand 1690
Joachim Burzik das dramatische Geschehen vom Stadtbrand illustriert, das Manfred Wetzel in der Broschüre „Der rote Hahn über Kir
Joachim Burzik das dramatische Geschehen vom Stadtbrand illustriert, das Manfred Wetzel in der Broschüre „Der rote Hahn über Kirchheim“ beschrieben hat.
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