Kirchheimer Umland

„Ältere gehen nicht wegen eines Salats in zwei Geschäfte“

Notzinger und Wellinger diskutieren im Bürgerhaus über die Folgen eines CAP-Markts für das Dorf

Notzingen. Wieso soll ein CAP-Markt 50 000 Euro Anschubfinanzierung von der Gemeinde erhalten, während andere Gewerbetreibende alles aus eigener Kraft stemmen

müssen? Das war nur ein Thema in einer lebhaften Diskussion, die bei der Infoveranstaltung im Wellinger Bürgerhaus geführt wurde. Sie sei grundsätzlich für einen CAP-Markt, und Angst vor der Konkurrenz habe sie auch nicht, sagte Petra Grosch von „Kraut und Rüben“. „Aber ich finde es nicht gut, dass eine Gemeinde so viel Geld zahlen muss.“ Sie empfinde das als ungerecht.

Dieses Argument wies Eberhard Kühnle zurück. „Herrn Korschineks Aufgabe ist die Integration behinderter Menschen. Diese Aufgabe haben wir als normale Gewerbetreibende nicht“, sagte er. Den Gewinn stecke sich der Werkstättenleiter nicht in die eigene Tasche. „Der Gewinn aus den CAP-Märkten geht zu 70 Prozent in die Behindertenarbeit. Und die anderen 30 Prozent werden verwendet, um Kredite zu tilgen und laufende Kosten zu bezahlen.“

In einigen Fragen kam die Sorge zum Ausdruck, der CAP-Markt könne bestehende Geschäfte verdrängen. „Wir werden weder Fleisch und Wurst noch Backwaren verkaufen. Das gibt es in Notzingen ja schon“, entgegnete Werner Block. Auch einen Wäschereiservice, wie es ihn in anderen CAP-Märkten gibt, werde aus Rücksicht auf „Anjas Wäscheservice“ nicht angeboten. Den Vorschlag einer Bürgerin, auf Obst- und Gemüse zu verzichten, weil Notzingen durch „Kraut und Rüben“ schon damit versorgt sei, wies Korschinek allerdings zurück. „Da würden die Kunden schnell fragen, warum es das bei uns nicht gibt.“ Überschneidungen zu anderen Geschäften ließen sich nicht ganz vermeiden.

Auch aus dem Publikum kam Kritik an diesem Vorschlag. „Ältere Leute gehen nicht nur wegen eines Salats in zwei Geschäfte“, sagte eine Zuhörerin. Eine weitere gab zu bedenken: „Wenn ein Supermarkt ins Gewerbegebiet kommt, haben wir erst recht eine Konkurrenzsituation. Die fragen bestimmt nicht danach, wo es hier schon Wurst oder Gemüse gibt“.

Um die bestehenden Geschäfte sorgt sich ein weiterer Bürger. „Ich fände es gut, wenn feststehen würde, was angeboten wird und was nicht“, sagte er. Der Gemeinderat müsse demnächst eine Entscheidung treffen, und zwar unter dem Gebot der Wettbewerbsneutralität. Im Detail über das Sortiment zu sprechen, sei verfrüht, sagte Werner Block. „Fest steht: Wir werden ein Vollsortimenter sein.“

Der Vorstandsvorsitzende der Arche, Wolfgang Kalmbach, warb für das CAP-Markt-Konzept. „Im Jahr 2030 werden in Notzingen fast 1 000 Bürger leben, die über 65 Jahre alt sind“, sagte er. „Wenn es hier eine Einkaufsbegleitung gibt, was wollen wir denn mehr?“ Die Anschubfinanzierung betrachtet er als Investition in die soziale Infrastruktur.

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