Kirchheimer Umland

Als Autos den Wohlstand brachten

Wirtschaft Der Jesinger Norbert Kugel beschäftigt sich in seinem neuesten Buch mit der Entstehung von Fahrzeugtransporten. Ein Kapitel Automobilgeschichte, das auch in Kirchheim für Wohlstand sorgte. Von Daniela Haußmann

Norbert Kugel mit seinem neuesten Werk.Foto: Daniela Haußmann
Norbert Kugel mit seinem neuesten Werk. Foto: Daniela Haußmann

Im Mai 1949 wurde die Bundesrepublik gegründet. Industriestädte lagen in Trümmern, Rohstoffe waren knapp, Treibstoffe rationiert und Autos für Privatleute kaum verfügbar, geschweige denn erschwinglich. Trotzdem wuchs die Automobilindustrie in rasantem Tempo. Das Auto brachte in Deutschland alles in Fahrt. „Den Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder, den Tourismus in der Freizeitgesellschaft und die Umweltbewegung“, weiß Norbert Kugel, der jetzt ein Buch über „Autotransporte zu Land, zu Wasser und in der Luft“ veröffentlicht hat.

In den ersten Jahren nach dem Krieg entstanden dem Jesinger zufolge Autos fast komplett in Handarbeit. Käufer die sich eines der wenigen Fahrzeuge leisten konnten, mussten es selbst im Werk abholen oder ein Fahrer lieferte es aus. So oder so - nach vielen Kilometern Überführungsfahrt konnte von einem Neuwagen nicht mehr die Rede sein. „Wer in Kirchheim einen Borgward bestellte, musste ins rund 700 Kilometer entfernte Bremen reisen“, erzählt der Autor. „Auf der Rückfahrt musste der Käufer dann nach 400 Kilometern eine Inspektion machen lassen, um die Garantie zu behalten.“

Es gab auch Zwischenhändler, die Teams aus Fahrern und Mechanikern mit der Überführung beauftragten. Letztere führten unterwegs Reparaturen und den Kundendienst durch. Ein zeit- und kostenintensives System, das nach einer Alternative verlangte. An der tüftelte der Kirchheimer Spediteur Karl Bez. Mit den Firmen Kässbohrer und Borgward entwickelte er einen Autotransporter mit Hänger. „So ließen sich acht Autos aufladen“, erzählt Norbert Kugel. Ein Beispiel, dem viele folgten. Denn in Westdeutschland boomte die Wirtschaft und mit ihr das Transportaufkommen.

Neben dem VW-Käfer waren kleine Modelle etwa von DKW, BMW oder Glas gefragt. Neue Autotransporteure drängten auf den Markt. So etwa Horst Mosolf, der 1955 bei Bez als Disponent anfing, oder die Weilheimer Spedition Raff, die ihren Fuhrpark in den Sechzigerjahren um Autotransporter erweiterte. Andere, wie zum Beispiel Karl Gross, entdeckten neue Geschäftszweige. Der Mechanikermeister, der 1945 in Köngen aus Flugzeugteilen Kochtöpfe und Spätzlespressen herstellte, eröffnete in den Fünfzigerjahren eine Tankstelle. „Es folgten Autowerkstatt und Abschleppdienst, denn mit wachsendem Verkehrsaufkommen stiegen auch Pannen- und Unfallzahlen“, so Norbert Kugel. „Gross schloss Werkstätten- und Händlerverträge mit Ford, wurde 1957 ADAC-Partner im Abschleppdienst und 1976 Generalunternehmer für den ASS-Abschleppdienst im Landkreis Esslingen.“ Heute ist Gross laut Kugel an vielen Standorten in Deutschland und Spanien vertreten.

„All diese Firmen zeigen, wie die Automobilindustrie Arbeitsplätze und Wohlstand schaffte - auch in Kirchheim und Umgebung“, bilanziert der Autor. Allerdings war auch die Schiene ein wichtiger Verkehrsträger, wie das Beispiel Mosolf zeigt: „Die Firma baute im ganzen Bundesgebiet Technik- und Logistikzentren, teils mit Gleisanschluss auf. So gelangten mit Mosolf bis 1973 15 Millionen VW mit 1,5 Millionen Doppelstockwaggons per Bahn von Wolfsburg nach Illingen.“

Automobilgeschichte schrieb auch ein Opel Olympia, der 1936 mit dem Luftschiff von Friedrichshafen bis nach Rio de Janeiro flog. Norbert Kugel ist ein Autoenthusiast. Das kommt auch in seinem Buch zum Ausdruck, das zeigt, wie auch die Teckregion von der Fahrzeugindustrie profitierte und lokale Firmen mit zu deren Erfolg beitrugen.

 

Info: „Autotransporte zu Land, zu Wasser und in der Luft von 1900 bis heute“ lautet der Titel von Nobert Kugels aktuellem Buch. Auf 138 Seiten gibt der Autor neue Einblicke in die Fahrzeuggeschichte. Das Buch ist im Handel und Online unter ISBN 9783750480315 oder direkt vom Autor unter nkugel@web.de ohne Versandkosten erhältlich.

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