Kirchheimer Umland

Als Susi den Führerschein verteidigen wollte

Eine Episode aus der Serie: Hinterm Steuer – Anekdoten rund um die Pappe

„Susi, hör auf zu bellen“, versuchte meine Großmutter ihre kleine Spitzpromenadenmischung zu beruhigen. Es war mitten in der Nacht. Die 80-Jährige lebte nach einem kleinen Schlaganfall seit ein paar Wochen mit im Haus meiner Eltern und schlief zu dieser Zeit im Wohnzimmer. Ihr kleiner Hund wich ihr nicht von der Seite. Er lag neben dem Sofa auf dem Teppich. Im Schlafzimmer neben der Diele nächtigten meine Eltern. Gegen 6 Uhr klingelte der Wecker. Vater stand auf und machte Frühstück. Er wunderte sich über die offen stehende Tür zum Hausflur. Nach dem Frühstück wollte er seine Geldbörse einstecken, die er abends auf dem Schreibtisch in der Diele abzulegen pflegte. Doch diese war verschwunden. Meine Mutter half ihm suchen und entdeckte im Hausarbeitsraum ein offenstehendes Fenster. Es schien unversehrt, doch bei näherem Betrachten sah man, dass über dem Fenstergriff ein Loch gebohrt war und sich auf der Mülltonne unter dem Fenster Fußabdrücke befanden.

Als Großmutter noch von Susis nächtlichem Bellen erzählte, war allen klar; ein Einbrecher musste im Haus gewesen sein. Sie riefen die Polizei. Es stellte sich heraus, dass sie nicht die einzigem im Ort waren, in deren Haus eingestiegen worden war. Eine professionelle Bande trieb seit geraumer Zeit in der Region ihr Unwesen und brach in Einfamilienhäuser mit immer derselben Methode ein.

Vater ließ alle Bankkarten, die im Geldbeutel gewesen waren, sperren und beantragte einen Ersatzführerschein. Doch einige Wochen später fand sich die Geldbörse in einem Straßengraben in der Nähe von Welzheim wieder. Sie war bis auf den Führerschein komplett ausgeräumt. Seither bewahrt mein Vater das gute Stück als Andenken in seinem Schreibtisch auf. Marion Brucker

 

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