Kirchheimer Umland

An Heiligabend ist Feierabend

Michael Holz hört Ende des Jahres als Wirt der Kirchheimer Traditions-Gaststätte „Bären“ auf

In Kirchheim geht eine Ära zu Ende: An Heiligabend gibt Michael Holz seine „Abschiedsvorstellung“ als Bärenwirt, nach immerhin 20 Jahren. Er möchte zwar der Gastronomie weiterhin verbunden bleiben, aber im etwas kleineren Rahmen.

Der „Bären“ soll in Kirchheim erhalten bleiben. Michael Holz dagegen hört Ende des Jahres als Bärenwirt auf. Sein Pachtvertrag l
Der „Bären“ soll in Kirchheim erhalten bleiben. Michael Holz dagegen hört Ende des Jahres als Bärenwirt auf. Sein Pachtvertrag läuft nach 20 Jahren aus, und er möchte ihn nicht noch einmal um weitere zehn Jahre verlängern.Fotos: Deniz Calagan

Kirchheim. Der „Bären“ ist nicht irgendeine Wirtschaft in Kirchheim: Die Stadtgeschichte zählt ihn zu den ältesten Gaststätten Kirchheims. Es gab ihn demnach schon vor dem Stadtbrand im Jahr 1690. Danach wurde er, wie die gesamte heutige Altstadt, zügig wieder aufgebaut. Und schon lange vor dem Rathaus-„Neubau“ in den frühen 1720er-Jahren war der „Bären“ wieder in Betrieb.

Michael Holz erzählt so manche Geschichte und Anekdote, die sich um den „Bären“ rankt. So soll es einmal einen Wirt gegeben haben, der eine besondere Attraktion zu bieten hatte: Seine sieben Töchter dürften so manchen Gast angelockt haben, der nicht nur dem Gaumen Gutes tun wollte. Einst sei nebenan, wo heute die Eisdiele ist, noch eine Metzgerei gewesen. Im Keller des „Bären“ gebe es heute noch einen ehemaligen Stall, in dem Kleinvieh gehalten wurde.

Zur Eisdiele, die seit einigen Jahren mit zum „Bären“ gehört, gibt es noch eine andere Geschichte, aus den 60er-Jahren: „Da gab es über dem ,Bären‘ viele Einzelzimmer, für die italienischen Mädchen, die während der Saison in der Eisdiele gearbeitet haben.“ Und noch einen weiteren Ausflug in die Geschichte hat Michael Holz zu bieten. Es geht um eine Geschichte, bei der er selbst den Schlusspunkt setzte: „In mehreren Schritten ist der ,Bären‘ zum kompletten Nichtraucherlokal geworden. Das ist eine Riesenumstellung, wenn man bedenkt, dass hier ungefähr 400 Jahre lang geraucht worden ist.“

Er selbst hat den „Bären“ 1995 übernommen, wobei er sich von Anfang an auf 20 Jahre eingerichtet hatte. „Die beste Zeit“, erinnert er sich, „war die Fußball-Weltmeisterschaft 2006.“ Zum einen seien viele Australier und Engländer in Kirchheim gewesen, die gute Stimmung brachten. Zum anderen habe er bis 1 Uhr nachts außen bewirten können: „Das war ein toller Sommer und eine super Zeit.“

Inzwischen habe sich in der Gastronomie viel getan. Bei Tagesgerichten habe die Konkurrenz durch Metzger, Bäcker und Cafés stark zugenommen. „Das merke ich beim Kaffee an den Kilozahlen.“ Hingegen habe der Bierkonsum generell abgenommen: „In den 80er-Jahren gab es hier noch Hektoliterzahlen, das war unglaublich.“ Auch sonst ist viel passiert. Längst vorbei die Zeit, als es im „Bären“ noch Darts, Flipper und Spielautomaten gab. Geändert hat sich auch das Verhalten der Gäste: „Wenn vor 30 Jahren jemand im Freien saß, hat es geheißen: ,Ja wie, hat der nix zom Schaffa?‘“ Inzwischen sehe das ganz anders aus: „Man sitzt selbstverständlich draußen. Wenn du ein Lokal ohne Außenbewirtung aufmachst, hast du eigen­tlich schon verloren.“

Wenn Michael Holz über Wirtschaften spricht, dann erzählt er auch viel von sich selbst und von legendären Adressen in Kirchheim. Angefangen hatte alles 1984 mit der „Klamotte“ in Jesingen. Die hatte er noch nebenbei betrieben, gemeinsam mit Björn Schmidt. Beide arbeiteten damals auf dem Bau, Schmidt als Maurer und Holz als Gipser. Recht schnell kamen weitere Objekte dazu: 1985 die „Germania“, 1986 die „Wunderbar“. Das „Amadeus“ in Wendlingen gehörte ebenso zum „Imperium“  wie der Hauptbahnhof in Tübingen. 1990, nach dem Tod seines Vaters und dem Verkauf des Gipsergeschäfts, wurde Michael Holz hauptberuflich Gastronom und übernahm auch noch die „Villa“, gemeinsam mit Frank Heft.

Zwischendurch betrieb Michael Holz auch das Sportstudio „Pro Fitness“ in der Dettinger Straße, das „Café Tass“ in der Osianderstraße oder auch die „Hutteninsel“, den „Schinderhannes“, das „Krokodil“ und bis vor kurzem die „Bärenstube“ in Jesingen. Vieles habe er recht schnell wieder aufgegeben – auch weil es den Gästen irgendwann zu viel geworden sei: „Da haben manche schon gesagt, die Kirchheimer Gastronomie sei auf dem Holzweg.“

Demnächst geht der „Holzweg“ nun auch im „Bären“ zu Ende: Michael Holz, der bald 54 wird, will „aus gesundheitlichen Gründen“ aufhören. Außerdem müsste er den Pachtvertrag mit der Brauerei Dinkelacker-Schwaben Bräu jetzt um weitere zehn Jahre verlängern, was ihm perspektivisch zu lange erscheint. Nicht zuletzt stünden Umbauarbeiten an, aus Gründen des Brandschutzes. Hinzu kommen Auflagen unter dem Stichwort „Wirtschaftskontrolldienst“ – auch wenn es den WKD in diesem Sinne nicht mehr gibt. Auch Denkmalschutzauflagen spielen eine Rolle Das alles überlässt Michael Holz gerne einem Nachfolger – der noch gefunden werden muss.

Es tut ihm weh, den „Bären“ aufzugeben, der so lange sein „Herzstück“ war. Aber zum Abschluss will er ab Oktober noch einmal jeden Donnerstag Live-Musik anbieten. Der letzte Tag wird an Heiligabend sein. Auch den „Heiligmorgen“ nimmt Michael Holz noch mal mit als Bärenwirt. Was ihm dann noch bleibt, ist die Mitorganisation der Musiknacht und des Weindorfs. Auch das Stadtkino als Veranstaltungsort wird er weiter betreiben. Die freie Zeit will er unter anderem mit Laufen füllen: „Stöcke habe ich schon“, verrät er. Und informiert hat er sich auch schon über die Auswirkungen des Sports: „Das euphorisiert ja. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht vor lauter Euphorie doch noch was Neues anfange.“

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