Kirchheimer Umland

„An ihr führte kein Weg vorbei“

Die Eheleute Walburga und Paul Kneile können heute in Kirchheim das Fest der eisernen Hochzeit feiern

Als Paul und Walburga Kneile sich kennenlernten, ahnte keiner von ihnen, dass sich daraus eine so lange und intensive Beziehung ergeben würde. Heute vor 65 Jahren haben sie sich in Holzmaden das Jawort gegeben und diesen Schritt nie bereut.

Walburga und Paul Kneile haben sich heute vor 65 Jahren in Holzmaden das Jawort gegeben.Foto: Jean-Luc Jacques
Walburga und Paul Kneile haben sich heute vor 65 Jahren in Holzmaden das Jawort gegeben.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Wie die beiden sich zum ersten Mal gegenüberstanden, daran kann Paul Kneile sich noch gut erinnern. „Ich war im Fernverkehr für eine Spedition in Kirchheim tätig“, erzählt der 90-Jährige. Ziele in der ganzen Republik musste er damals mit dem Lkw anfahren. So kam er 1948 nach der Währungsreform schließlich mit 23 Jahren ins bayrische Schrobenhausen zur Papierfabrik Leinfelder, wo seine Walburga an der Waage arbeitete. „Ich musste Papier abholen, und an ihr führte kein Weg vorbei“, sagt er mit einem Lächeln. Sie war ihm sofort aufgefallen, und er habe es bedauert, kein junger Mann aus ihrer Gegend gewesen zu sein. „Ich wollte sie auf jeden Fall wiedersehen.“

Nach den ersten Treffen wuchs die gegenseitige Sympathie, aus der später Liebe wurde. „Wir sahen uns unregelmäßig, immer dann, wenn er beruflich dort war“, erklärt seine Frau. Noch im selben Jahr lud er sie zum ersten gemeinsamen Weihnachtsfest in sein Elternhaus nach Holzmaden ein. Zwei Jahre später folgte die Hochzeit, die am 10. Juni 1950 mit Familie und Freunden im Lammsaal in Holzmaden gefeiert wurde. Weitere zwei Jahre später kam ihre Tochter Gerda zur Welt, Sohn Werner wurde 1956 geboren. Zu Anfang wohnte die Familie in einem Zimmer in seinem Elternhaus, dann in einer kleinen Wohnung in Holzmaden, ehe sie sich 1954 zum gemeinsamen Hausbau entschlossen. Bis 2013 wohnten die Eheleute dort. Mittlerweile sind sie nach Kirchheim in das Haus ihrer Tochter gezogen, das Haus in Holzmaden haben sie einer Enkeltochter überlassen. 1963 musste Paul Kneile gesundheitsbedingt seinen Kraftfahrberuf aufgeben und arbeitete bis zu seinem Ruhestand 1985 bei der Weilheimer Firma Landmaschinen Rau in der Fertigungsmontage. Als die Kinder selbstständig genug waren, arbeitete seine Frau Walburga 24  Jahre bei der Textilfirma Faber und Becker in Weilheim, ehe auch sie 1987 in den Ruhestand ging.

„Wir sind zufrieden mit unserem Leben“, sagt Walburga Kneile. Fünf Enkelkinder und sechs Urenkel umfasst die Familie mittlerweile, viele von ihnen kommen regelmäßig vorbei und besuchen sie. Es sei schön, die Urenkel aufwachsen zu sehen. Auch gemeinsame Urlaube lassen die beiden sich nicht nehmen, am liebsten nach Steinegg in Südtirol, wo die beiden schon seit vielen Jahren gerne hinfahren.

Auf das Geheimnis ihrer langen Ehe angesprochen, meint Paul Kneile mit einem schelmischen Grinsen: „Man muss sich bloß vertragen. Und ab und zu das Essen loben.“ Seine Frau lacht und nickt. „Er isst am liebsten Maultaschen in der Brühe.“ Ein großes Fest wird es zur eisernen Hochzeit nicht geben, „das gab es schon zum 90. Geburtstag von meinem Mann im Februar“, sagt Walburga Kneile. Am kommenden Wochenende besucht das Paar den Gottesdienst in Holzmaden und feiert anschließend im engen Familienkreis.