Kirchheimer Umland

Angebot Bürgerbus nicht in den Köpfen

Nahverkehr Den Notzinger Bürgerbus gibt es seit letzten Sommer. Noch gibt es zu wenige Fahrgäste. Mehr Haltestellen und Zusatzangebote sollen das Angebot attraktiver machen. Von Katja Eisenhardt

Der Notzinger Bürgerbus hält am CAP-Markt im Ort. Nun sind zu den bestehenden zehn Haltestellen vier neue dazugekommen.Foto: Car
Der Notzinger Bürgerbus hält am CAP-Markt im Ort. Nun sind zu den bestehenden zehn Haltestellen vier neue dazugekommen.Foto: Carsten Riedl

Seit dem 1. August 2016 dreht der Bürgerbus Notzingen-Wellingen montags und donnerstags seine Runden durch den Ort. Die Stopps, die die Organisatoren der Seniorengruppe und des Krankenpflegefördervereins ausgetüftelt haben, reichen dabei vom Wellinger Kirchle bis zum Hofackerweg in Notzingen. Dazwischen steuert der Bus unter anderem zentrale Punkte wie den Friedhof, die Sporthalle, das Rathaus oder die Geschäfte „Kraut und Rüben“ sowie den CAP-Markt im Ortszentrum an.

Zu den anfangs zehn Haltestellen, sind ab dem 1. März vier weitere dazugekommen: Jetzt hält der Bürgerbus auf seinen Touren zudem in der Roßwälder Straße, dem Sonnenweg, dem Falkenweg sowie an der Zehntscheuer. Entsprechend musste der bisherige Fahrplan angepasst, die jeweiligen Zeiten pro Haltestelle neu ausgetüftelt werden, wie Helmut Strauß und Pfarrer Edgar Tuschy, die beiden Ansprechpartner in Sachen Bürgerbus, berichten. Für die Änderung so kurz nach dem Start des Bürgerbusses gibt es einen triftigen Grund: Die Fahrgastzahlen lassen derzeit noch sehr zu wünschen übrig.

Platz gibt es im Bus für sechs Fahrgäste plus Fahrer: „Ab und zu waren es gleichzeitig mal fünf Mitfahrer, leider ist das aber momentan eher die Ausnahme als die Regel“, berichtet Helmut Strauß. Zu oft habe der Bus bisher seine Runde mit nur ein, zwei Fahrgästen oder sogar ganz leer gedreht. Und das, obwohl der Wunsch nach einem Bürgerbus in der Bevölkerung vor dessen Start groß gewesen sei. Gerade unter den Senioren, wie Helmut Strauß als Vorsitzender der örtlichen Seniorengruppe erzählt. „Bei der Weihnachtsfeier habe ich dann eine Brandrede gehalten, wo denn jetzt die Fahrgäste seien? Wir brauchen sie ja dringend, damit das Projekt Bestand hat“, so der klare Appell.

Auf Nachfrage, weshalb der Bus denn jetzt nicht richtig genutzt werde, habe man unter anderem immer wieder die Auskunft erhalten, dass es teils schwerfalle, die Einkäufe längere Strecken von der Haltestelle bis zur Haustür zu tragen, erklärt Pfarrer Edgar Tuschy. Aus diesem Grund habe man die vier zusätzlichen Haltestellen eingerichtet. „Der jeweilige Abstand zwischen den Haltestellen beträgt jetzt maximal noch 400 Meter, der Ort ist jetzt gut abgedeckt“, so Helmut Strauß. Nicht möglich sei es, die Fahrgäste jeweils bis zur Haustür zu bringen und dann die Einkäufe ins Haus zu tragen: „In Dettingen wird das einmal pro Woche mit zwei Helfern so gemacht, das ist dann aber auch allein dieses spezielle Angebot, einen Bür­gerbus an anderen Tagen der Woche gibt es nicht“, erläutert Strauß.

Im Notzinger Modell funktioniere das so nicht: „Das würde zum einen zu viel Zeit kosten, zum anderen wollen wir mit dem Bürgerbus ja keine Konkurrenz zu einem Taxi sein.“

Doch zu den vier neuen Stopps hat sich das Bürgerbusteam weitere Angebote ausgedacht: „Es gibt seit Januar mittwochs einen sehr gut angenommenen Fahrdienst zum Seniorenmittagstisch im evangelischen Gemeindehaus. Bei Bedarf bieten wir ab jetzt auch bei Veranstaltungen örtlicher Vereine einen Fahrdienst an“, berichtet Strauß. Das seien allerdings zusätzliche Angebote zum regulären Bürgerbus, die auf Spendenbasis laufen. Für die regulären Bürgerbustouren muss man ein Ticket kaufen. Steige die Nutzung des Bürgerbusses, sei es durchaus auch denkbar, die Fahrten an drei Tagen in der Woche anzubieten, etwa Montag, Mittwoch und Freitag.

Das zehnköpfige Fahrerteam sei mittlerweile sehr gut eingespielt: „Das ist wirklich eine tolle Truppe. Allein schon deshalb wäre es so wichtig, dass der Bürgerbus besser angenommen wird“, appelliert Tuschy. Denn bei den Fahrern komme natürlich schon auch ab und an Frust auf, wenn sich nur so wenige dafür interessieren. Natürlich seien die Fahrgäste auch aus finanziellen Gründen sehr wichtig.

„Ich glaube, das Angebot eines Bürgerbusses muss nach wie vor erst noch richtig in den Köpfen der Bevölkerung ankommen. So berichten es uns auch die Bürgerbusteams aus der Umgebung, mit denen wir in Kontakt stehen“, so Edgar Tuschy. „Man sagte uns, das brauche teils eine Anlaufzeit von bis zu drei Jahren. Die Zeit müssen wir uns auf jeden Fall geben. Es wäre aber natürlich schon sehr wünschenswert, wenn der Notzinger Bürgerbus schon deutlich früher gut angenommen würde“, hofft Strauß.

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