Kirchheimer Umland

Ansingen gegen den Einheitsgeschmack

Kindermusical in der Dettinger Schlossberghalle

Die Mäusebande, die Käsebande und die Milchbande verbünden sich, um fadem Einheitskäse Einhalt zu gebieten. Fotos: Sabine Ackerm
Die Mäusebande, die Käsebande und die Milchbande verbünden sich, um fadem Einheitskäse Einhalt zu gebieten. Fotos: Sabine Ackermann

Dettingen. Yogi Yoghurt und Rolly Harzer haben eine Palastrevolution angezettelt. Dementsprechend hatten Molly Appenzell und ihre Käser-Kollegen Seppi Blauschimmel, François Camembert, Jacky Chester,

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SABINE ACKERMANN

Antje Edamer und Luigi Parmigiano, allesamt Hersteller des schmackhaftem Milchprodukts, das Schlimmste zu befürchten: die Vereinheitlichung des Käseweltmarkts durch einen klebrig-klumpigen wie faden Einheitskäse ohne Geschmack.

„Iiiih! Igittigitt! Grauenhaft!“ rufen sie entrüstet, und bei den Mäusen und Käsern macht sich blankes Entsetzen über den Aufstand breit. Um den Einheitskäse zu verhindern hilft es nur, wenn Max und seine Käsebande sich verbünden. Nachdem sie Käsekönig Kurt sowie die schöne Prinzessin Mozzarella befreit und die bösen Fieslinge eingesperrt haben, werden sie dicke Freunde.

Ein großes Lob an alle Mitwirkenden, ganz besonders an Martina Sturm vom Gesangverein Eintracht. Mit sichtlich vollem Körpereinsatz hat die Chorleiterin der Eintracht-Spatzen das stimmige Kindermusical gemeinsam mit Tanja Nolls Jungen und Mädchen der Grund- und Werkrealschule kurzweilig auf die Beine gestellt.

Von wegen „alter Käse“! Schneller als dieser im Ofen schmilzt, erobern die jungen Sänger und Schauspieler in dem Criminal in zwei Akten „Max und die Käsebande“ die Herzen der Zuschauer. Christoph Mohr und Peter Schindler ist eine brisante, würzig-cremige Kriminalgeschichte gelungen, in der vor allem die gängigen Melodien und Texte überzeugen. Schwungvoll begleitet von Michael Holder am Klavier, machten Lieder wie „Knille Knalle Mausefalle“, „Mäuseplagenklage“ oder „Bella Mozzarella“ richtig Laune. Mal mit Leichtigkeit und vergnügt, mal frech mit Tempo oder dramatisch-jammernd, aber immer passend zu den Herkunftsländern. Ob Ländler, Musette-Walzer, Rumba-Style, Solid-Swing oder Tarantella, da wurde wirklich jeder Musikgeschmack bedient.

Die Mäusebande hat ein schwungvolles, ohrwurmverdächtiges Erkennungslied, die Milchbande rührt zu müden, monotonen Rhythmen, und Max, der Chef der Mäusebande, reibt sich während eines heißen Rock'n'Roll mit stinkendem Harzer Roller ein. Trotz heißer Temperaturen – auf der Bühne seien es locker drei Grad mehr, verrät Martina Sturm – und katastrophal-gruseliger Tontechnik, bewiesen die jungen Darsteller Engagement sowie Durchhaltevermögen. Respekt, denn für über ein Dutzend Sprechrollen gab es nur drei funktionierende Headsets und ein Mikrofon. Letzteres mussten sich die jungen Akteure bei jedem Satz weiterreichen, was natürlich die Handlung extrem störte und häufig den Redefluss der tapferen Mimen ins Stocken brachte. Dafür zollt ihnen Respekt.

Bleibt zu wünschen, dass ein Verantwortlicher im Publikum saß und diesbezüglich bald Abhilfe geschafft wird. Zu Recht wurde die Aufführung mit viel Beifall belohnt, auch deshalb, weil einige „unfreiwillige“ Show-Einlagen für Lacher sorgten. So büxte ein Dreikäsehoch seiner Mama aus und ging zielstrebig auf die Bühne, wollte unbedingt mitsingen. Oder der müde Eintracht-Spatz, der seinen lauten Gähner geschickt in einen langen Gesangston verschmelzen ließ.

Zahlreiche Helfer des Gesangvereins Eintracht sorgten für einen schönen Nachmittag, auf die kleinen Zuschauer wartete nach Aufführungsende unter anderem noch der Klassiker Kinderschminken.

Ansingen gegen den Einheitsgeschmack
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