Kirchheimer Umland

Anwohner brauchen weiter Geduld

Protest Der Grünschnittsammelplatz im „Paradiesle“ bleibt ein Ärgernis. Die Stadt hat ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das Bewegung in die Erschließung neuer Zufahrtswege bringen könnte. Von Bernd Köble

Während der Pflanzzeit herrscht hier Stau. In der Saarstraße sind Anwohner vom Grünschnitt-Tourismus genervt.Foto: Markus Brändl
Während der Pflanzzeit herrscht hier Stau. In der Saarstraße sind Anwohner vom Grünschnitt-Tourismus genervt.Foto: Markus Brändli

Die einen lassen nicht locker, die andere Seite setzt auf Kommunikation und Aufklärung. Anwohner in der Kirchheimer Saarstraße sind nach wie vor ge­nervt vom Durchgangsverkehr zur Grünschnittsammelstelle am Rande des Wohngebiets. Bewohner, die zu Stoßzeiten nicht zu ihren Grundstücken kommen, Familien, die sich um die Sicherheit ihrer Kinder sorgen. Als Reaktion auf den seit vielen Jahren schwelenden Streit, der durch Corona im Frühjahr neu hochgekocht ist, hat der Landkreis im Mai das Kompostwerk für Hobbygärtner und Grundstücksbesitzer auch an Samstagen geöffnet. Das sollte Druck von der Saarstraße nehmen. Die Klagen dort jedoch blieben.

Die Stadt hat Bewohnern im „Paradiesle“ jetzt einen Informationsabend angeboten. Nach dem Motto: Wer mehr weiß, zeigt auch mehr Verständnis. Denn für das Problem gibt es keine einfache Lösung - eine schnelle erst recht nicht. Entlastung verspräche alleine die Zufahrt von Westen, wo die Stadt „In der Au“ seit Jahren ein neues Gewerbegebiet plant. Doch die Erschließung stockt. Weshalb, das erklärt Gernot Pohl, Leiter im städtischen Planungsamt, mit der „Komplexität des Themas“. Die Situation scheint zerfahren. Dass momentan Stillstand herrsche, dem widerspricht Kirchheims oberster Stadtplaner allerdings vehement: „Wir arbeiten daran.“

Die Krux: Es gibt nicht ein Problem, sondern gleich mehrere. Da ist zunächst das Landratsamt, das die Latte beim Hochwasserschutz hoch legt. Der Stadt ist das zu teuer. Es geht um den Bau von Regenrückhaltebecken, um getrennte Entwässerungs-Systeme für Grundstücke und Straßen, und es geht um den Zulauf des Kegelesbachs in die Lauter, der ebenfalls nicht aktuellen Anforderungen an den Hochwasserschutz entspricht. „Das sind dramatische Investitionen“, versichert Gernot Pohl, ohne Zahlen zu nennen. Hinzu kommt: Die Grundstücksverhältnisse, die auf einem Umlegungsverfahren aus den 80er-Jahren beruhen, gestalten sich schwierig. Es gibt Eigentümer, die nicht verkaufen wollen. Andere fürchten horrende Erschließungsbeiträge. Und über allem schwebt ein Thema, das die Stadt Ende des vergangenen Jahrtausends in zwei Lager teilte und sie bis heute spaltet: die Nordwest-Tangente. Die umstrittene Umfahrung durch die Ötlinger Halde, die die Innenstadt von den Fesseln des Durchgangsverkehrs befreien soll, ist nach wie vor Teil des Regionalverkehrsplanes, auch wenn die Planungen im Detail nicht weiter verfolgt wurden.

Die Stadt hat ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das der Erschließung „In der Au“ einen juristischen Rahmen setzen soll. Ende August soll das Ergebnis vorliegen. „Dann können wir konkretere Aussagen machen“, sagt Gernot Pohl, der im Anschluss den Bewohnern im „Paradiesle“ Rede und Antwort stehen will. Rechtlich geprüft werde zurzeit auch ein Weg „mit ganz anderem Ansatz“, wie der Amtsleiter durchblicken lässt, ohne jedoch mehr zu verraten. Am Grundsatz ändert sich nichts: „Die schnellste Lösung wäre 2023.“

Vergebliche Suche nach anderem Standort

Die Schließung des Grünschnitt-Sammelplatzes in der Kirchheimer Saarstraße kommt nicht infrage, solange die Stadt keinen alternativen Standort anbieten kann. Das hat Manfred Kopp, der Geschäftsführer im Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises zuletzt immer wieder betont.

Eine Verlagerung des Standortes war vor acht Jahren erstmals Thema in Gesprächen beider Seiten. Die Verhandlungen blieben jedoch ohne Ergebnis.

Weil es sich bei der Annahmestelle in der Saarstraße um einen Recyclinghof handelt, wo auch Wertstoffe abgegeben werden können, gelten hohe Auflagen beim Wasser- und Bodenschutz. Mit der Ausweisung neuer Standorte sind aufwendige Genehmigungsverfahren verbunden. Mit ein Grund, weshalb der Landkreis vehement an seinem bestehenden Netz an Entsorgungseinrichtungen festhält.

Den Recyclinghof in der Saarstraße gibt es bereits seit 1987. Heute reicht die Wohnbebauung fast bis zum Eingang der Anlage. Während der Hochsaison im Frühjahr und Herbst werden hier etwa 8000 Anlieferungen pro Monat verzeichnet, verteilt auf vier Tage in der Woche.

Die einzige Zufahrt zum Recyclinghof führt mitten durchs Wohngebiet, wo sich auch soziale Einrichtungen wie die Lebenshilfe, eine Kindertagesstätte und das Jugenddorf im Doschler befinden.bk

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