Kirchheimer Umland

Auch am Gymnasium gibt es Probleme

Die professionelle Hilfe der Schulsozialarbeit am LUG wird rege in Anspruch genommen

Seit einem Jahr gibt es am Ludwig-Uhland-Gymnasium in Kirchheim Schulsozialarbeit. Die Anlaufstelle ist gut ­besucht. Bislang nahmen schon mehr als 200 Schüler die Hilfe in ­Anspruch.

Man trifft sich, spielt Schach oder Karten und unterhält sich: Thilo Ehrle während einer der großen Pausen inmitten der Schüler.
Man trifft sich, spielt Schach oder Karten und unterhält sich: Thilo Ehrle während einer der großen Pausen inmitten der Schüler.Foto: Tanja Gotthold-Knapp

Kirchheim. Die Tür steht weit offen und ragt einladend in den Flur hi­nein. Es klingelt zur Pause – und nach einigen Minuten ist der Raum voll mit Mädchen und Jungs. Man trifft sich, spielt Schach oder Karten und unterhält sich. Dies ist nur eines von vielen Tätigkeitsfeldern der Schulsozialarbeit am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG). Schulsozialpädagoge Thilo Ehrle bekleidet seit einem Jahr dieses Amt im Umfang einer halben Stelle.

Die Anlaufstelle der Schulsozialarbeit des LUG im Erdgeschoss des Gebäudes ist gut besucht. In den Pausen oder über die Mittagszeit kommen täglich etwa 40 Schüler vorbei, weil es ihnen hier gefällt. In ungezwungener Atmosphäre wird versucht, Vertrauen zu schaffen. Dieses ist nötig, damit die Schüler den Weg dorthin finden, wenn es in der Schule oder zu Hause gerade mal nicht so gut läuft.

„Freiwillig suchen die Kinder und Jugendlichen die Beratung oft erst dann auf, wenn der Konflikt bereits eskaliert“, weiß Thilo Ehrle. Durch das offene Angebot wird deshalb versucht, die Hemmschwelle bei der Hilfesuche zu verringern. Dadurch fällt es den Schülern oft leichter, über unangenehme Themen zu sprechen.

Und dass es Probleme auch am LUG mit seinen über 1 200 Schülern gibt, ist allen am Schulleben Beteiligten klar. Das zeigt der hohe Bedarf an professioneller Beratung: Im ersten Jahr Schulsozialarbeit nahmen bereits mehr als 200 Schüler die professionelle Hilfe der Sozialarbeit wahr.

„Die Erfahrung des ersten Jahres Schulsozialarbeit zeigt, dass auch am Gymnasium Konflikte an der Tagesordnung sind“, sagt der Schulsozialarbeiter und fügt hinzu: „Viele Kinder und Jugendliche leiden an Überforderung, sozialen Konflikten oder schwierigen Bedingungen zu Hause.“

Oft wird in diesem Zusammenhang der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung erwähnt. „Ich habe oft erlebt, dass viele Kinder spätestens in der 6. Klasse Schwierigkeiten haben, den Leistungsanforderungen gerecht zu werden“, erzählt Ehrle. Sichtbar sei dies an einer Fülle von Folgesymptomen. Das gehe vom Spielen des Klassenclowns über Streitereien zwischen einzelnen Schülern bis hin zu psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen.

Thilo Ehrle ist auch Anlaufstelle für ein weiteres Klientel: „Bei Klassengrößen bis zu 31 Schülern wird schnell deutlich, wie wenig Zeit einer Lehrkraft für Einzelfälle zur Verfügung steht“, sagt er und verweist auf seine Zusammenarbeit mit den 122 Lehrern des LUG. „Wir tauschen uns aus und entwickeln gemeinsam Strategien, um Lösungen zu finden.“ Dabei steht nicht nur Einzelfallhilfe auf dem Programm. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit ganzen Klassen im präventiven, also konfliktvermeidenden Bereich. „Ich möchte erreichen, dass die Klassen im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“ eigenständig im Lösen von Konflikten werden. Nur so entsteht im Reifeprozess der Kinder und Jugendlichen der größtmögliche Nutzen.“

Träger der Schulsozialarbeit ist, wie mittlerweile fast an allen anderen Schulen in Kirchheim, der Verein Brückenhaus. Dieser engagiert sich seit fast 40 Jahren für soziale Projekte in Kirchheim. Er bietet zudem allen Mitarbeitern einen professionellen fachlichen Austausch, der die Arbeit der jeweiligen Sozialpädagogen im Hintergrund stützt. Die Stelle am LUG wird zu je einem Drittel von Stadt, Bund und Land finanziert.

Thilo Ehrle ist im Übrigen der Überzeugung, dass jeder Konflikt negative Auswirkungen hat und die jungen Menschen in ihrer Entwicklung, ihrer Leistungsbereitschaft und Aufnahmefähigkeit beeinträchtigt. Deshalb wünscht er sich für die Zukunft, am LUG weiterhin eine gute Arbeitsatmosphäre unterstützen zu können. Denn: „Schule soll ein Ort sein, an dem sich Kinder und Jugendliche wohl und wahrgenommen fühlen.“

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