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Auch in Zukunft gibt es kaum Sirenen

Schutz Fünf von 22 Kommunen haben bislang Fördergelder für neue Anlagen erhalten. Die Feuerwehren im Landkreis sind hingegen gut gewappnet. Von Thomas Krytzner

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal stellten nicht nur Bund und Länder, sondern auch die Städte und Gemeinden im Landkreis Esslingen fest, dass vielerorts die Warninfrastruktur nicht mehr intakt ist. Viele Sirenen sind stillgelegt oder schlicht nicht mehr vorhanden. Die Nachfrage nach neuen Sirenenanlagen stieg deshalb, und der Bund stellte 90 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung. Für Baden-Württemberg gab es rund 11,2 Millionen Euro. 22 Städte und Kommunen aus dem Landkreis Esslingen haben knapp über 1,7 Millionen Fördergelder für neue Sirenen beantragt. Bisher wurden vom Regierungspräsidium Stuttgart rund 100 000 Euro an fünf Gemeinden im Landkreis Esslingen bewilligt. In einem ersten Schwung nämlich erhielten die Gemeinden Altbach, Filderstadt und Kohlberg den Förderbescheid; im zweiten berücksichtigte das Regierungspräsidium die Gemeinden Wernau und Bissingen.

Wie Carolin Muckenfuß, Kämmerin in Bissingen, auf Anfrage mitteilte, werden im Juni in Bissingen zwei neue Sirenenanlagen installiert und die bestehende Sirene auf dem Dach des Feuerwehrmagazins in Ochsenwang ersetzt. Dagegen plant die Stadt Kirchheim keine Installation von Sirenen, wie von Pressesprecher Robert Berndt zu erfahren war. Die Stadtverwaltung empfiehlt stattdessen die Nutzung von Warn-Apps wie „Nina“ oder „Kat-Warn“. Ein entsprechender Katastrophen- und Einsatzplan sei zur Hälfte bearbeitet.

Robert Berndt präzisiert: „Nun muss noch speziell für Hochwasser oder Starkregen in Workshops die konkrete Umsetzung für Kirchheim festgelegt werden.“ Weiter setze die Stadtverwaltung präventiv Hochwasser- und Starkregengefahrenkarten ein, so Robert Berndt. Bei Letzteren sei die Stadt sogar Vorreiter, da die Karten in der Bauleitplanung für die Gebiete Berg-Ost und Güterbahnhofareal Ötlingen berücksichtigt werden.

 

„ Der Bestand an Feuerwehr-angehörigen im Landkreis steigt seit Jahren kontinuierlich.
Bernhard Dittrich
Der scheidende Kreisbrandmeister über die positive Entwicklung vor Ort

 

Vom auf- und abschwellenden Alarmsignal der Sirenen könnten auch die 44 Gemeindefeuerwehren mit 83 Standorten im Kreis im Notfall profitieren. Der scheidende Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich ist trotzdem mit der Entwicklung des Feuerlöschwesens zufrieden. „Wir konnten viele Fahrzeuge neu beschaffen und die Schutzausrüstungen optimieren.“ Außerdem gelinge die Vernetzung der Feuerwehren mittlerweile sehr gut und die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen funktioniere. „Der Bestand an Feuerwehrangehörigen im Landkreis steigt seit Jahren kontinuierlich“, betont Bernhard Dittrich. 3909 ehrenamtliche und 54 hauptamtliche Feuerwehrleute, davon 295 Frauen, stehen Tag und Nacht bereit, im Notfall auszurücken. Die Werksfeuerwehren freuen sich ebenfalls über steten Zuwachs. „44 Jugendabteilungen mit 953 Jungen und 196 Mädchen sichern den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehren“, beschreibt Bernhard Dittrich die Nachwuchsförderung. Nicht minder wichtig seien aber auch die 1028 Mitglieder der Altersabteilungen. Zu insgesamt 9582 Einsätzen wurden die Feuerwehrangehörigen im Jahr 2021 gerufen, über 1500 Fälle mehr als im vorangegangenen Jahr. „Die Unwetter im Juni 2021 bescherten uns allein knapp 900 Einsätze“, präzisiert Bernhard Dittrich. 765 Brände mussten im vergangenen Jahr gelöscht werden. Guido Kenner, der ab August das Referat Katastrophenschutz/Feuerlöschwesen von Bernhard Dittrich übernehmen wird, erinnert sich an den Großbrand bei Bosch in Wernau: „Als es im Produktions- und Entwicklungskomplex brannte, eilten rund 200 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst mit 64 Fahrzeugen zu Hilfe.“ Elf Freiwillige Feuerwehren, die Berufsfeuerwehr aus Stuttgart sowie insgesamt acht Werksfeuerwehren bekämpften damals gemeinsam das Feuer in Wernau.

Guter technischer Stand

Sehr zufrieden ist Bernhard Dittrich mit dem technischen Stand bei den Wehren. „Die Einführung des Digitalfunks haben wir weitestgehend abgeschlossen, ebenso die Erneuerung unseres Alarmierungssystems ,POCSAG‘ (Post Office Code Standard Advisory Group).“ Guido Kenner ergänzt: „Mit der Erneuerung sparen wir wertvolle Zeit. Beim Standardalarm ist es eine Minute und bei der Alarmstufe drei sind wir bis zu zwei Minuten schneller.“ Wegen Stuttgart 21 prägen Eisenbahntunnel die Aufgaben des folgenden Kreisbrandmeisters. Im Oktober 2022 geht’s richtig los: Da ist eine Rettungsübung im Albvorlandtunnel der DB-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm geplant.