Kirchheimer Umland

Auf den Spuren von Wildschwein, Fuchs und Dachs

Ferienbetreuung Grundschüler der Kirchheimer Konrad-Widerholt-Schule sind mit einer Jägerin im Wald unterwegs gewesen. Von Daniela Haußmann

Lernort Natur: Die Kinder erfahren, was im Wald passiert, wer ihn bewohnt und wie sie sich richtig verhalten.Foto: Daniela Haußm
Lernort Natur: Die Kinder erfahren, was im Wald passiert, wer ihn bewohnt und wie sie sich richtig verhalten.Foto: Daniela Haußmann

Bald werden Zino (9) und Iris (10) wieder die Schulbank drücken. Deshalb genießen sie die verbleibenden Ferientage in vollen Zügen - heute mal im Kirchheimer Wald. Organisiert worden ist der Ausflug von der Familien-Bildungsstätte Kirchheim. Die bietet im Auftrag der Stadtverwaltung die Ganztags-Ferienbetreuung an der Konrad-Widerholt-Schule an. Mit kleinen Schritten folgen die beiden Jungs der Jägerin Gabriele Eichler-Schwab durchs Unterholz. Im Gänsemarsch geht es vorbei an Buchen, Eichen und Tannen, tief ins Dickicht hinein.

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Es dauert nicht lange, bis die beiden Grundschüler zusammen mit 17 anderen Kindern auf ein Schlammloch stoßen. „Eine Suhle“, ruft Zino. „Wenn es heiß ist, legen sich da die Wildschweine rein.“ „So kühlen sie sich und werden Ungeziefer los“, ergänzt Iris eifrig. Gabriele Eichler-Schwab von der Jägervereinigung Kirchheim ist begeistert: „Ihr wisst ja richtig viel.“

Die Waidfrau gehört zu einem Team, das im Rahmen der Natur- und Umweltbildungsinitiative „Lernort Natur“ Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Ökosystem Wald nahebringt. Schautafeln, Tierpräparate und Fährten sollen erklären, was im Wald passiert und wer ihn bewohnt. Spiele zur Schulung von Beobachtungs-, Gehör- und Tastsinn sollen die Natur erlebbar machen und Bewusstsein für ihren Schutz schaffen.

Im Wald warten Fuchs und Dachs

Einen Steinwurf entfernt erspähen die Schüler einen Fuchs. Die Kinder fangen an zu rennen. Jeder will als Erster beim Präparat sein. „Ich hab noch nie einen Fuchs angefasst“, erzählt Lara. Sie strahlt übers ganze Gesicht, während sie mit dem Finger das Gebiss des Tieres berührt. Die Achtjährige staunt: „Die Zähne sind ja ganz spitz.“ Gabriele Eichler-Schwab nickt: „Obwohl der Fuchs auch pflanzliche Nahrung zu sich nimmt, hat er ein für Raubtiere typisches Gebiss. Es ist mit dem des Wolfes identisch.“ Mit dem einzigen Unterschied, dass das vom Fuchs etwas kleiner ist.

Als Zino das weiche Fell berührt, werden Erinnerungen wach. „Ich hab gesehen, wie ein Auto einen jungen Fuchs überfahren hat, und die Mutter stand am Straßenrand“, erzählt er. „Jeder, der am Wald vorbeifährt, sollte langsam fahren.“ Schließlich könnte jederzeit ein wildes Tier über die Fahrbahn rennen. „Am besten, wir bauen gar keine Straßen mehr“, meint Zino. „Durch den Bau von Straßen, Siedlungs- und Industriegebieten wird der Lebensraum von Wildtieren zerschnitten“, gibt Gabriele Eichler-Schwab zu bedenken. „Die Wohnstube von Reh und Co. wird dadurch kleiner, und bei der Nahrungssuche müssen die Tiere mehr wandern.“

Lara kommt ins Grübeln. Sie schaut auf den Fuchs, den Waldweg, die grünen Pflanzen und die Bäume. „Sehen wir heute auch noch echte Tiere? Hier gibt’s doch Eulen, Marder, Rehe, Igel, Eichhörnchen und Dachse. Wo sind die denn?“, fragt sie. „Da müsst ihr ganz leise sein, damit die Tiere nicht weglaufen“, erläutert Gabriele Eichler-Schwab. „Und viele von ihnen kommen erst in der Dämmerung raus, um Futter zu suchen.“ Eines ist aber allen klar: Keiner sollte den Waldweg verlassen. Wer gesperrte Forstflächen betritt, begibt sich unter Umständen in Gefahr, weil Holzfällarbeiten oder eine Jagd im Gange sind.

„Außerdem könnte man Tiere stören, die Junge haben. Wer das macht, sollte daran denken, dass die Alttiere normalerweise in der Nähe sind“, weiß Lara. Grundsätzlich sollte man von Beeren, Pilzen und anderen Früchten die Hände lassen. Sie können giftig sein oder beispielsweise den Fuchsbandwurm übertragen. Wer sich nicht mit Krankheiten infizieren will, sollte außerdem keine toten oder kranken Tiere anfassen. „Deshalb gilt: Finger weg oder sofort die Hände waschen“, rät Gabriele Eichler-Schwab. „Und damit Hunde nicht dem Wild nachstellen, es hetzen oder verletzen, gehören sie im Forst an die Leine.“

Lernen mit Spaß

Nach einer Stunde ist der Waldrundgang zu Ende. Iris hat es gefallen. „Das, was ich auf solchen Ausflügen lerne, kann ich mir besser merken. Einfach weil’s mehr Spaß macht“, findet der Schüler. Die Kinder laufen zum Waldrand zurück. Eine ganze Woche lang beschäftigen sie sich bei der Ferienbetreuung der Familien-Bildungsstätte mit der Natur vor ihrer Haustüre. Vieles davon werden sie mit ins neue Schuljahr nehmen.