Kirchheimer Umland

Auf diese Retter ist stets Verlass

„Goldene Oktobertage“ beginnen mit einer Leistungsschau von THW und Feuerwehr

Wenn das kein „Heavy Metal“ war: Von überall her im Land hatte das Technische Hilfswerk (THW) am Sonntag schweres Gerät in die Kirchheimer Innenstadt gebracht. Zum Auftakt der „Goldenen Oktobertage“ zeigte das THW beim „Tag der Technik“ sein Können, auch die Feuerwehr präsentierte Altes und Neues.

Beim „Tag der Technik“ zum Auftakt der Goldenen Oktobertage war die frisch  restaurierte Kurtz-Handdruckspritze einer der Stars.
Beim „Tag der Technik“ zum Auftakt der Goldenen Oktobertage war die frisch restaurierte Kurtz-Handdruckspritze einer der Stars. Beim THW konnten sich auch kleine Helfer an großem Gerät betätigen.Fotos: Peter Dietrich

PETER DIETRICH

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Kirchheim. Vor genau 50 Jahren wurde der THW-Ortsverband gegründet, doch das war nicht der einzige Anlass für den „Tag der Technik“: Vor 325 Jahren war in Kirchheim der große Brand, dem über 250 Häuser zum Opfer fielen. Auch deshalb, weil damals der Alarm erst eine halbe Stunde verspätet ausgelöst wurde, der Stadtbach ausgetrocknet war und es zu wenige Brandhelfer gab. Doch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker erinnerte nicht nur an das Versagen von damals, sondern verwies auch auf die Feuerwehr von heute mit mehr als 400 bestens ausgebildeten Mitgliedern: „Das ist mein ganzer Stolz.“ Die Bürgerschaft könne sich zu jeder Stunde auf die Zuverlässigkeit der Feuerwehr verlassen. Matt-Heidecker lobte auch das gute Miteinander von Feuerwehr, Rotem Kreuz und THW.

Das allerneueste Fahrzeug der Kirchheimer Feuerwehr, das auf dem Marktplatz zu sehen war, geht erst an diesem Freitag in Betrieb. Es ist ein sehr vielseitiges Hilfeleistungslöschfahrzeug, kurz HLF 20/16, mit 2 000 Litern Wasservorrat. Doch der Schwerpunkt der Ausstellung lag auf historischem Gerät. Einer der Stars war die frisch restaurierte Kurtz-Handdruckspritze aus dem Jahr 1882. Der Verein der Freunde und Förderer der historischen Feuerwehrtechnik (VFH) übergab sie an die Abteilung Nabern der Kirchheimer Feuerwehr. Mit 300 Arbeitsstunden kam der VFH bei seiner Restaurierung mit weniger Stunden aus als erwartet, auch den finanziellen Rahmen hat der Verein unterboten. Er ließ sich bei der Restaurierung von Spezialisten vom Feuerwehrmuseum Stuttgart beraten. Jugendliche staunten über die Technik, die vor gut 140 Jahren im Einsatz war. Die Spritze wurde fast in den Auslieferungszustand zurückversetzt, inklusive Kerzenbeleuchtung. Sie ist einsatzfähig und wurde am Nachmittag bei einer historischen Übung präsentiert.

Gerne erläuterte VFH-Ausschussmitglied Dietmar Hoyler Details der alten Fahrzeuge. Der Hansa-Lloyd -Express von 1937 mit 27 PS und vier Sitzplätzen ist das weltweit einzige erhaltene Exemplar. Es ist ein Benziner. „Diesel kamen erst nach dem 2. Weltkrieg.“ Bis in die 1960er-Jahre war die 1932 gebaute, hölzerne Leiter ohne Korb im Einsatz, die von Hand zum Einsatzort gezogen wurde und absolute Schwindelfreiheit verlangte. Beim Hochsteigen musste der Feuerwehrmann von Hand den Schlauch nachziehen. Erst gegen Ende der Einsatzdauer wurde diese Leiter für den Traktor umgerüstet. Was für ein Unterschied zur hydraulischen Drehleiter von 1961, erst recht zur modernen Drehleiter und computergesteuerten Pumpe von heute.

Heute sei bei der Feuerwehr nur noch ein Drittel Brandbekämpfung, zwei Drittel Hilfeleistung, sagte Stadtbrandmeister Roland Schultheiß. Mancher versuche es auch bei der Feuerwehr, wenn diese gar nicht zuständig sei, etwa bei einer verstopften Toilette. Wenn die Feuerwehr an ihre Grenzen kommt, ist sie froh über den Partner THW, einer Einrichtung des Bundes. „Ich brauche nicht alles, aber ich muss wissen, wo ich es holen kann“, sagte Schultheiß.

Die Vielfalt des THW ist erstaunlich. Es sprengt und es baut Brücken, bereitet auch im Ausland Trinkwasser nach deutschen Standards auf, hat Rettungshunde, Boote und Bergungstaucher. Es baut eine Elektroversorgung und mobile Kommunikationszentralen auf und sorgt für eine großflächige Ausleuchtung. Unter anderem aus Aalen, Ehingen, Geislingen, Tübingen und Villingen-Schwenningen waren THW-Teams gekommen, dadurch war fast das komplette Leistungsspektrum zu sehen. Ganz neu und bundesweit 22 Mal geplant ist die Messtechnik, mit der das THW prüfen kann, ob sich ein vielleicht einsturzgefährdetes Gebäude weiter neigt oder ob ein Hang weiter abrutscht.

Der mögliche Nachwuchs von THW und Feuerwehr konnte sich bei einer „Blaulichtolympiade“ messen. Im theoretischen Teil waren zehn Fragen zu THW und Feuerwehr zu beantworten. Dazu kamen praktische Aufgaben wie die Spritzenwand und der Leinenbeutelweitwurf.

"Tag der Technik" zum Auftakt der "Goldenen Oktobertage" - beim THW: kleiner Mann mit großer Technik
"Tag der Technik" zum Auftakt der "Goldenen Oktobertage" - beim THW: kleiner Mann mit großer Technik