Kirchheimer Umland

Aus Stoff und Wolle entsteht ein Unikat

Handarbeit Puppen, Kleidung und Wärmekissen: Mit „herzhafter“ und biologischer Handarbeit begeistert Jessica Deetz aus Ötlingen Mütter und Kinder. Von Melissa Seitz

Perfektion braucht Zeit: Jessica Deetz kontrolliert alle Nähte, bevor der Pullover zum Kunden geschickt wird.Fotos: Jean-Luc Jac
Perfektion braucht Zeit: Jessica Deetz kontrolliert alle Nähte, bevor der Pullover zum Kunden geschickt wird.Fotos: Jean-Luc Jacques

In dem kleinen Nähstudio von Jessica Deetz reihen sich die Stoffrollen aneinander, auf dem Tisch neben dem Fenster stehen verschiedene Nähmaschinen und darüber, auf einem kleinen Regal, sitzen die Endprodukte liebevoller Handarbeit: bunte Stoffpuppen. In ihrer Kindheit hatte die 19-jährige Jessica Deetz eigentlich nicht wirklich viel mit Nähen am Hut. „Ich wollte nie etwas von Handarbeit wissen“, sagt sie, „doch dann vor vier Jahren hat mir unsere Nachbarin vom Ötlinger Weihnachtsmarkt erzählt.“ Da war für sie klar: Hier will ich auch teilnehmen. „Doch damals wusste ich noch gar nicht genau, was ich verkaufen sollte.“ Angefangen hat die begeisterte Näherin dann mit Kirschkernkissen und dem Innenfutter für Brotkörbe.

„Durch meine Mutter kam ich dann erst auf die Idee Puppen zu nähen“, sagt sie und hält die Puppe hoch, die ihre Mutter vor langer Zeit für sie genäht hat. Mit der Mutter und der Nachbarin nahm Jessica Deetz dann an einem Puppen-Nähkurs teil. Und damit nahm die Liebe für die Handarbeit ihren Lauf: „Ich war begeistert, wie aus ein bisschen Schafswolle und ein paar Fetzen Stoff eine Puppe entsteht“, sagt die 19-Jährige.

Aber nicht nur Puppen entstehen durch die flinken Finger der Ötlingerin. Auch Wärmekissen in Eulen- oder Dinoform, Babytaschen und allerlei Kinderkleidung bietet sie in ihrem Online-Shop an. Hauptkriterium von Jessica Deetz: „Die Stoffe müssen biologisch sein und nicht mit irgendwelchen Chemikalien behandelt werden.“ Ein Kind solle nicht gleich nach der Geburt mit Chemie in Kontakt kommen – dafür aber mit bunten, angenehmen Stoffen und witzigen Motiven.

Eine CE-Zertifizierung haben alle ihre Produkte und sind somit gesetzlich geprüft. „Mir war es wichtig, dass die Puppen sicher sind, wenn die Kinder mit ihnen spielen“, klärt die junge Näherin auf, „Sie sollen nichts verschlucken. Und die Nähte müssen gut halten, damit das Kind die Schafswolle im Inneren nicht isst.“

Für Inspirationen und das nötige Know-How war es Jessica Deetz wichtig, auch in anderen Sparten der Handarbeit Erfahrung zu sammeln: „Ich machte einige Praktika, wie zum Beispiel in einer Handspinnerei und in einer Weberei.“ Auch von Nähprofis erhielt die 19-Jährige Zuspruch: „Viele sagten mir, dass es beeindruckend ist, wie jemand, der gerade erst mit dem Nähen angefangen hat, schon so gut darin sein kann.“

Das war für Jessica Deetz ein Zeichen, und so meldete sie im Februar vor einem Jahr ihr kleines Gewerbe mit dem Namen „herzhaft“ an. „Normalerweise ist herzhaft ja eine Beschreibung für Essen“, sagt die Studentin, „Bei mir bedeutet es aber, dass meine Arbeit von Herzen kommt.“

In der Anfangszeit war die 19-Jährige eher auf Märkten. „Es war schön zu sehen, wie ich den Kindern, aber auch den Eltern ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.“ Besonders gerne erinnert sie sich an einen kleinen Jungen, der von ihrer Puppe so begeistert war, dass er sie den ganzen Tag lang in der Hand hielt und nicht mehr losließ.

Inzwischen ist Jessica Deetz mit ihren bunten und biologischen Produkten eher im Internet vertreten. Mit dem Online-Marktplatz „Dawanda“ hat die 19-Jährige ihren perfekten Verkaufsplatz gefunden.

„Auf ‚Dawanda‘ können Interessierte meine Produkte bestellen, dürfen aber auch eigene Wünsche äußern“, sagt die leidenschaftliche Näherin. Verschiedene Stoffmuster sind auf dem Online-Marktplatz zu sehen. Soll das Dino-Wärmekissen anstatt grün blau sein? Kein Problem für Jessica Deetz. „Ich nehme gerne Wünsche entgegen oder verziere die Stoffe dann auch mal mit Stickereien.“

Auch für die Zukunft ist Jessica Deetz bestens ausgerüstet. Seit diesem Semester studiert sie „Nachhaltiges Produktmanagement“ in Geislingen, ein Studiengang, der ihr auf jeden Fall bei ihrer Arbeit helfen wird. „Ich verstehe nun manche Abläufe in meinem Unternehmen viel besser.“

Jessica Deetz in Ötlingen, Fliederweg 3. Sie näht Kinderkleidung und Puppen aus biologischen Stoff.
Jessica Deetz in Ötlingen, Fliederweg 3. Sie näht Kinderkleidung und Puppen aus biologischen Stoff.
Jessica Deetz in Ötlingen, Fliederweg 3. Sie näht Kinderkleidung und Puppen aus biologischen Stoff.
Jessica Deetz in Ötlingen, Fliederweg 3. Sie näht Kinderkleidung und Puppen aus biologischen Stoff.
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