Kirchheimer Umland

Bankwitz gibt dem Wald Bäume zurück

Umweltschutz Architektur-Fachleute kämpfen gegen das Baumsterben und pflanzen im Kirchheimer Bergwald junge Traubeneichen und Winterlinden. Von Antje Dörr

Matthias Bankwitz (rechts), sein Team und Forstmitarbeiter pflanzen im Kirchheimer Bergwald junge Bäumchen ein.Foto: Markus Brän
Matthias Bankwitz (rechts), sein Team und Forstmitarbeiter pflanzen im Kirchheimer Bergwald junge Bäumchen ein.Foto: Markus Brändli

Auf der Lichtung im Kirchheimer Bergwald blühen Buschwindröschen, Wiesenschaumkraut und Schlüsselblumen. Kreuz und quer liegt das Reisig jener Bäume, die im letzten Herbst auf der Lichtung gestanden haben: Eschen. Vor einem halben Jahr mussten die Bäume gefällt werden. Schuld ist ein Pilz aus Ostasien, der diese Baumart erkranken lässt. Eschentriebsterben nennt sich das Phänomen, das sich seit 2002 in Deutschland beobachten lässt.

Bei Bankwitz Architekten ist heute Waldtag. 15 Bauleiter, Architekten, Bauzeichner, Assistentinnen und Azubis kämpfen sich seit 9 Uhr durch das Reisig, damit aus dieser Lichtung wieder ein Wald wird. Schwerstarbeit auf 0,4 Hektar. Matthias Bankwitz rammt einen Hohlspaten in den schweren Lehmboden und hebt ein Loch aus. Vorsichtig lässt er die junge Winterlinde hineingleiten. „Die Wurzeln müssen nach unten zeigen, sonst wächst der Baum nicht an“, sagt der Geschäftsführer. Anschließend füllt er die Erde wieder auf und tritt sie fest.

Rund 700 Mal wird sich dieser Vorgang an diesem Tag noch wiederholen. So viele Traubeneichen und Winterlinden liegen in großen Säcken bereit. Drei Forstarbeiter unterstützen die Schreibtischtäter bei ihrer ungewohnten Arbeit, überwachen, dass die Abstände eingehalten werden und pflanzen am Nachmittag die übrig gebliebenen Setzlinge ein. Außerdem erhalten die Bäumchen einen Schutz gegen hungriges Rehwild. Allerdings nur die Eichen. „Die Tiere mögen Eichen lieber als Linden“, erklärt Forstrevier-Leiterin Carla Hohberger, die die Aktion ebenfalls begleitet. Ein weiterer Schutz für die Bäume ist das Reisig der Eschen, das liegen gelassen wird, um dem Rehwild den Zugang zu erschweren.

Es ist das vierte Mal, dass das Architekturbüro Bankwitz Bäume pflanzt. Geht es dieses Mal um das Eschentriebsterben, hatten die vergangenen Aktionen einen anderen Hintergrund. „Wir wollten das Holz, das wir in unserem Firmensitz verwendet haben, wieder anbauen“, sagt Matthias Bankwitz und bezieht sich auf das „Eisbärhaus“, das aus dem Rohstoff gebaut ist. 60 Jahre brauche es, bis das Holz des Parkettbodens wieder nachgewachsen sei.

Winterlinden spenden Traubeneichen Schatten

Hierarchien gibt es auch im Wald. Die Winterlinden, die im Bergwald im Wechsel mit Traubeneichen gepflanzt werden, haben den Eichen gegenüber eine „dienende Funktion“, und zwar als sogenannte „Schaftpfleger“, erklärt Forstrevier-Leiterin Carla Hohberger. Das heißt: Die Linde beschattet die Eiche, sodass der Stamm keine Seitentriebe bildet. Der Eiche wäre das vermutlich egal, den Menschen, die im Forst arbeiten, ist es das aber nicht. „Wir wollen Wertholz produzieren“, sagt Carla Hohberger. Je weniger Seitentriebe, desto besser. adö

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