Kirchheimer Umland

Bauen auf der grünen Klosterwiese

Stadt Kirchheim informiert Anwohner über die geplante Anschlussunterbringung von Flüchtlingen

Jetzt also die Klosterwiese: Nach und nach macht sich die Stadtverwaltung daran, die Bürgerinformationen zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen über die Bühne zu bringen. Für den westlichen Teil der großen Grünfläche im Klosterviertel sind vier Wohngebäude geplant, in denen ab 2017 insgesamt 136 Menschen unterkommen sollen.

Nicht mehr lange wird sich dieser Blick auf den unbebauten Westteil der Kirchheimer Klosterwiese bieten. Die Stadt will auf dem
Nicht mehr lange wird sich dieser Blick auf den unbebauten Westteil der Kirchheimer Klosterwiese bieten. Die Stadt will auf dem Gelände vier Gebäude zur Anschlussunterbringung von insgesamt 136 Flüchtlingen erstellenFoto: Carsten Riedl

Kirchheim. Zunächst einmal ging es im großen Sitzungssaal des Rathauses für die Bewohner des Klosterviertels um die aktuellen Zahlen. In der Erstunterbringung sei das Land Baden-Württemberg derzeit für 185 000 Flüchtlinge zuständig. Nach dem entsprechenden Verteilerschlüssel entfallen davon 9 600 Menschen auf den Kreis Esslingen und 763 auf die Stadt Kirchheim. „Man geht davon aus, dass etwa 70  Prozent der geflüchteten Menschen eine Anerkennung oder zumindest eine Duldung erhalten“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heide­cker. Ob Anerkennung oder Duldung – in beiden Fällen gilt: „Rechtlich sind diese Menschen Obdachlosen gleichgestellt. Kommunen sind gesetzlich dazu verpflichtet, Obdachlose unterzubringen.“

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Auch für diese Anschlussunterbringung der obdachlosen Flüchtlinge mit Bleibeberechtigung gibt es Zahlen – oder eher Prognosen: Bis Ende 2016 muss die Stadt Kirchheim Wohnraum für 254 Menschen schaffen, bis Ende 2017 für 680. Die Oberbürgermeisterin machte gleich im Vorfeld deutlich: „Wir reißen uns nicht um diese Tätigkeit. Wir würden uns gerne mit anderen Dingen beschäftigen. Aber ob wir wollen oder nicht – jede Kommune muss ihren Pflichten zur Anschlussunterbringung nachkommen.“

Die Anschlussunterbringung erfolgt „soweit und solange erforderlich“. Außer dem Bereitstellen von Wohnraum gehören dazu auch eine soziale Betreuung sowie das „Hinwirken auf die Unabhängigkeit von Leistungen“. Das heißt, dass die Menschen nach Möglichkeit Arbeit finden sollen, um ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können.

Ob Menschen, die wegen Kriegen in ihrer Heimat geflüchtet sind, nach Kriegsende wieder zurückkehren, lasse sich noch nicht absehen. In jedem Fall aber wolle die Stadt dauerhaften Wohnraum schaffen, der auch in 25 oder 30 Jahren noch genutzt werden kann. Wie das bis Ende 2017 für fast 700 Menschen zu bewerkstelligen sei, erklärte Bürgermeister Günter Riemer anhand von Standorten und Zahlen. Angedacht sind neue Wohngebäude am Hafenkäs (für 68  Menschen), am Dreschplatz in Lindorf (88), am Sportplatz in Jesingen und an der Klosterwiese (je 136), an der Alten Kirchheimer Straße in Nabern (88) und am Bolzplatz der Kitteneshalde (102). Hinzu kommt Wohnraum für 70 Menschen in städtischen Wohnungen.

Der Kauf von Gebäuden und das Anmieten von Wohnungen sind die ersten Prioritäten der Stadt. Aber beides erweist sich in der Praxis als schwierig. Insofern ist der Neubau von Wohngebäuden – wofür Angelika Matt-Heidecker massive finanzielle Unterstützung durch Bund und Land einfordert – der beste und schnellste Weg. Weitere Alternativen deutete die Oberbürgermeisterin nur vorsichtig an: „Notfalls wären wir gezwungen, für viel Geld ein ganzes Hotel anzumieten. Und ganz am Schluss gibt es noch die Möglichkeit der Beschlagnahme von Wohnraum.“

Wie sehen nun die konkreten Planungen für die Klosterwiese aus? In Verlängerung der Roseggerstraße soll es zu einem zentralen Platz gehen, um den herum sich vier dreistöckige Gebäude gruppieren, die Raum für jeweils 34 Menschen bieten. Ganz im Westen sollen sich Stellplätze anschließen sowie ein kleines Grundstück als Garten, zum Anbauen von Lebensmitteln. Auch wenn auf großen Aufwand wie Balkone verzichtet wird, rechnet die Stadt mit einer bis 1,1 Millionen Euro, die jedes der Gebäude kosten wird.

Am Rand ging es auch darum, dass der Kfz-Betrieb Auto Stark in die Bohnau umziehen wird, weil am jetzigen Standort neben der Klosterwiese ein Privatinvestor ebenfalls ein großes Wohnhaus erstellen möchte. Die Oberbürgermeisterin sagte dazu: „Ich bin froh über jedes Gebäude in der Stadt, in dem Wohnraum entsteht.“ Zu groß sei der Druck, eine wachsende Anzahl von Menschen in der Stadt unterzubringen.

Für die Klosterwiese heißt das, dass Anfang Januar die vier städtischen Gebäude erstellt werden, die bereits Ende 2017 bezugsfertig sein sollen. Erledigt hat sich für die Stadt aber gar nichts dadurch: Auf Jahre hinaus wird sie auf der Suche nach weiteren Standorten sein.