Kirchheimer Umland

Bauen wird immer teurer

Experten fordern „bezahlbaren Wohnungsbau für alle“ – Weniger Vorschriften, Verdichtung und Umbauten im Bestand

Vertreter aus der Bau- und Wohnungswirtschaft trafen sich zu einer Gesprächsrunde mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Hennrich.

Dettingen. Seit Jahren übersteigt die Nachfrage nach günstigem Wohnraum in Kirchheim und Umgebung das Angebot. Durch die Zuwanderung wurde die Situation zusätzlich verschärft, erläuterten die Experten.

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Bauen allerdings werde immer teurer und komplizierter, so Hans-Peter Birkenmaier. Die Bau- und Baunebenkosten seien in den letzten Jahren dramatisch gestiegen, nämlich von etwa 1 500 im Jahr 2010 auf heute über 2 500 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Dafür seien unter anderem verschiedene Gesetze und Verordnungen sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene verantwortlich, wie die Änderung der Notar-Gebührenordnung, die Anhebung der Grunderwerbsteuer, die letzte Novelle der Energieeinsparverordnung (EnEV), die neue Landesbauordnung und viele teure Baunormen und Auflagen.

Diese Stichworte in Verbindung mit den geänderten Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt hätten die Entwicklung der Preise für Eigentum im Jahr 2015 noch weiter verschärft, führt Bernd Weiler aus, Vorstand der Kreisbaugenossenschaft Kirchheim-Plochingen. Für Vermieter komme noch hinzu, dass das Mietrecht zunehmend komplexer würde.

Einhellig kritisierten die Teilnehmer auch die lange Dauer von Baugenehmigungsverfahren, die sich teilweise über Jahre ziehen. Sie forderten eine Entbürokratisierung, denn vor allem jetzt müssen Kommunen schnell bauen.

Auch Michael Hennrich sieht die Notwendigkeit, schnellstmöglich bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.Die Flüchtlingssituation, die Zuwanderung aus EU-Ländern, der gegebene Zuzug in die Städte und die bisherigen Versäumnisse bedingen nun große gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten, um die gegenüber den aktuellen Baufertigstellungen zusätzlich erforderlichen Wohnungen pro Jahr zu realisieren. Dies sei nur mit staatlicher Förderung und großer gemeinsamer Anstrengung zu erreichen, so der Bundestagsabgeordnete.

Die jüngsten Beschlüsse der Bundesregierung zur Bereitstellung von Liegenschaften, zum Wohngeld, zur Verdoppelung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau und zur neuen Sonderabschreibung gingen auf Empfehlungen des von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen zurück, erläuterte Hennrich.

Ziel sei nun eine deutliche Steigerung des Wohnungsbaus von heute 270 000 auf künftig mindestens 350 000 Wohnungen jährlich. Vereinfachte Vorschriften, Baulückenschließungen, eine maßvolle Verdichtung und der Umbau von Bestandsgebäuden seien jetzt vordringlich. Es ginge um gemischte, lebendige Quartiere, nicht um abgeschottete, monofunktionale und monotone Neubausiedlungen.

Abschließend begrüßten die Beteiligten der Gesprächsrunde sowohl die soziale Wohnbauförderung als auch die steuerliche Förderung, welche zumindest dem privaten Wohnungsbau zugute kommen würde.pm