Kirchheimer Umland

Becks basteln sich was Neues

Einzelhandel Papier, Stifte und Kreiden gibt es im einstigen Origami schon lange nicht mehr. Beggs heißt das Geschäft seit 2017. Nun starten die Inhaber mit einem neuen Konzept durch: Blumen & Café. Von Antje Dörr

Blumen und Kaffee, im neuen Beggs bekommen Kunden beides. Foto: Jean-Luc Jacques
Blumen und Kaffee, im neuen Beggs bekommen Kunden beides. Foto: Jean-Luc Jacques

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Seit über einem Jahr ist der Bastelladen Origami Geschichte. Und noch immer gibt es Tage, an denen Kunden ins Geschäft kommen und einen Bogen Tonpapier verlangen. „Haben wir nicht mehr“, sagt Ulrike Beck-Kley, die mit ihrem Mann Wolfgang das Beggs betreibt. So heißt der Laden in der Kirchheimer Schuhstraße seit Anfang 2017. Beggs deshalb, weil die meisten Schwaben den Namen der Inhaber so aussprechen.

Wer ein außergewöhnliches Geschenk sucht oder die eigene Wohnung aufhübschen will, ist im Beggs hingegen genau richtig. Handgeschöpfte Salz-Karamell-Bonbons, Bierseife, alkoholfreier Prisecco aus schwäbischem Wiesenobst, Limonaden-Essenz, Bio-Bitterschokolade mit Ingwer, luftgetrocknete Dinkelnudeln und Muckefuck aus Getreidesorten der Schwäbischen Alb liegen in alten Regalen und Vitrinen, dazu Postkarten, Porzellan, Papierstrohhalme und vieles mehr. Aus der Origami-Zeit geblieben ist Wolle: aus Japan, England und Patagonien, von Schaf und Alpaka, pur oder mit Seide gemischt.

Kaffeetrinken im Ladengeschäft liegt im Trend. In Kirchheim gibt es dafür viele Beispiele. Seit August 2017 ist das Beggs auch ein Café, mit Kuchen, Brezeln und allem, was dazugehört. Zum Kaffeeduft mischt sich ab sofort noch ein weiterer: Blumenduft. Silke Hasenfuß, früher Inhaberin des Blumenladens Vergissmeinnicht, ist bei Becks eingestiegen und verkauft unter dem Künstlernamen floralie Schnittblumen, besondere Pflanzen und Wohnaccessoires. Auch vorgebundene Sträuße wird es geben, allerdings in kleiner Auswahl. „Die Zeit der Sträuße ist vorbei“, sagt Hasenfuß. Im Alltag gönne man sich Schnittblumen oder, je nach Saison, ein paar schöne Zweige. Neueröffnung ist am heutigen Samstag.

„Solche Ladenkonzepte gibt es in Amsterdam oder Kopenhagen schon lange“, sagt Hasenfuß. Shop in Shop, nennt man das Prinzip, den Kunden verschiedene Dinge unter einem Dach anzubieten. Blumen in einem Café zu verkaufen, sei schon immer ihr Traum gewesen. Praktisch ist diese spezielle Form der Untermiete für die Mutter zweier Kinder außerdem. Einen eigenen Blumenladen zu führen, bringe unter anderem mit sich, dass sie um vier Uhr morgens auf den Großmarkt fahren müsse, sagt Hasenfuß. Das Vergissmeinnicht hatte sie verkauft, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben.

Origami ist Geschichte

Origami 25 Jahre lang war Origami ein klassisches Bastelgeschäft mit großem Papiersortiment, Filz, Perlen, Bändern, Farben und vielem mehr.

Kurzlebige Trends Ulrike Beck-Kley und Wolfgang Beck haben beobachtet, dass die Trends mit der Zeit immer kurzlebiger geworden sind - eine Herausforderung für den Einzelhandel. „Früher hat man 20 Jahre lang Seidenmalerei gemacht“, sagt Wolfgang Beck. So etwas gebe es heute nicht mehr. MyBoshi-Mützen häkeln, Win­dowcolor, solche Trends seien nach kurzer Zeit wieder vorbei gewesen - und damit auch das Interesse der Kunden an den Materialien. Und das Tempo werde immer schneller. Als Beispiel nennt Wolfgang Beck die Fidget Spinner - ein Hype, der schon nach wenigen Wochen beendet war.

Einkaufsverhalten Wie jede Branche verlieren auch Bastelläden mehr und mehr Kunden an das Internet. Kindergärten und Schulen, früher zuverlässige Kunden, würden mit Katalogen überschwemmt. Auch die Größe des Geschäfts spiele eine Rolle. „Laut einem unserer Lieferanten braucht man 300 Quadratmeter Ladenfläche, um einen Bastelladen wirtschaftlich zu betreiben“, so Beck. adö

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