Kirchheimer Umland

Bei jedem gibt es etwas zu holen

Die Polizei berät zum Thema Sicherheit – Lieber in die Fenster investieren als in Rollläden

Kaum stand das Infomobil der Polizei vor dem Kornhaus in Kirchheim, war es schon sehr gut besucht. Wie sieht ein einbruchshemmendes Fenster aus? Schützt ein Rollladen vor Dieben? Braucht man eine Alarmanlage? Manche Auskunft der drei Berater räumte mit weit verbreiteten Fehlurteilen auf.

Im Infomobil der Polizei - Komissar Hendrik Kaiser (Mitte) vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen (Kriminalpoli
Im Infomobil der Polizei - Komissar Hendrik Kaiser (Mitte) vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen (Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle) informierte unter anderem über einbruchhemmende Fenster, er und weitere zwei Berater waren in Kirchheim (vor dem Kornhaus) sehr gefragt

Kirchheim. „Ein Rollladen hält Sonne und Mond ab, aber keinen Einbrecher“, sagt Kommissar Hendrik Kaiser vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen. Ein Kunststoffladen lasse sich einfach durchneiden und dann he­rausziehen.

Anzeige

Ja, es gebe wirklich einbruchshemmende Rollläden, doch sie kosteten das Acht- bis Zehnfache der Standardausführung. Hendrik Kaiser rät deshalb dazu, im Privathaus zuerst in die Fenster zu investieren. Ein sicherer Rollladen sei eventuell dann sinnvoll, wenn jemand bei offenem Fenster schlafe und Angst vor einem nächtlichen Besucher habe – trotz seiner Anwesenheit. Doch normalerweise kämen die Täter, wenn niemand zu Hause sei, betont Hendrik Kaiser. „Sind die Rollläden tagsüber unten, sieht man, dass keiner da ist.“ Seien sie bei Dunkelheit noch offen, ebenfalls. Dagegen helfe eine elektronische Steuerung der Läden.

„In Einfamilienhäusern kommen 80 Prozent der Einbrecher über Fenster und Fenstertüren“, sagt Kaiser. In Mehrfamilienhäusern liege dieser Anteil bei gut der Hälfte; dort kämen 48 Prozent der Einbrecher durch die Wohnungstür. „Diese muss in Mehrfamilienhäusern genauso widerstandsfähig sein wie in Einfamilienhäusern.“ Denn im Haus sei ein Dieb schnell. Entweder er komme über die Tiefgarage – oft sei das Treppenhaus deren Fluchtweg und damit offen zugänglich – oder der Täter klingle an allen Klingeln. Irgendeiner drücke schon drauf; er gebe sich bei Bedarf einfach als Paketdienst aus. Eine Sprechanlage mit Kamera sei sinnvoll: „Dann sieht man, wer vor der Tür steht.“

Die Tür solle bei Abwesenheit abgeschlossen sein, zweimal herumgedreht, sagt Hendrik Kaiser. „Die Falle hält die Tür nur zu.“ Und beim Fenster? „Ein Fenster, das gekippt ist, ist wie offen“, erklärt der Fachmann. Das habe auch versicherungsrechtliche Bedeutung. Dem Täter reiche eine Dachrinne, um in den ersten Stock zu gelangen. Dort seien oft, im Gegensatz zum Erdgeschoss, Standardfenster verbaut. Die Täter wüssten das – auch, dass manche Hausbesitzer, im Gegensatz zu der Rückseite des Hauses, an der Straßenfront sparten, weil sie denken, da könne ja jeder den Einbrecher sehen und das halte ihn ab. Ein Irrtum. Bei einem Standardfenster sei das Öffnen mit einem Schraubenzieher unter einer Minute zu schaffen – und das lautlos. „Sicherheitslücken sind ärgerlich“ , betont Kaiser.

Eine Alarmanlage sei nur als Ergänzung zur mechanischen Sicherung sinnvoll. „Sie meldet den Einbruch, wenn er schon passiert ist.“ Es brauche einige Minuten, bis die Polizei vor Ort sei. Die Täter fliehen in dieser Zeit meistens nach hinten raus. Einbrüche gebe es überall – in der Villa genauso wie im Mehrfamilienhaus, betont Hendrik Kaiser. Die einwöchige Tour des Infomobils der Polizei durch den Landkreis Esslingen hing auch damit zusammen, dass die Einbrüche im Landkreis von 2013 auf 2014 stark zugenommen hatten.

„Bei mir gibt es nichts zu holen.“ Das ist ein Satz, den Kaiser immer wieder hört und dem er vehement widerspricht. „Bei jedem gibt es etwas zu holen und zwar das Sicherheitsgefühl.“ Jedes zehnte Opfer eines Einbruchs verkaufe danach seine Immobilie oder kündige den Mietvertrag und ziehe weg. Es reiche schon, wenn nur ein Familienmitglied nicht mehr zur Ruhe finde, wenn etwa ein Kind nachts Albträume habe. „Das Intimste wurde durchwühlt. Man kann das vorher nicht einschätzen.“

In Einfamilienhäusern kommen 80 Prozent der Einbrecher über Fenster und Fenstertüren. Kommissar Hendrik Kaiser (kleines Foto, Mi
Symbolbild: Jean-Luc Jacques