Kirchheimer Umland

Beim Barte des Wikingers

Randnotiz von Peter Eidemüller zur Gesichtspflege in Corona-Zeiten.

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Endlich mal den mütterlichen Schweden-Genen freien Lauf lassen und wie ein waschechter Wikinger daherkommen - in Sachen Bartwuchs bietet Corona die lang ersehnte Gelegenheit, die Klingen des Rasierers stumpf werden und die Haare sprießen zu lassen - Berserker statt Babypopo heißt die Devise, die nach sieben Wochen Lock(en)down allerdings haarsträubende Folgen hat: Die Kinder verwechseln einen mit dem Räuber Hotzenplotz, die Frau verkneift sich aus Angst vor Kratzspuren das morgendliche Küsschen, und die Katze nimmt aus Neid vor der neuen Fellkonkurrenz auf zwei Beinen fauchend Reißaus.

Kein gutes Haar am neuen Look lassen auch die Kollegen im morgendlichen Videochat. Bis auf das Lob des Benjamins am virtuellen Redaktionstisch („legendärer Bart“) lautet das einmütige Urteil, ein Taliban sei nun für den Sportteil verantwortlich.

Doch was ein waschechter Möchtergern-Wikinger sein will, lässt sich von alldem ebenso wenig entmutigen, wie von haarspaltenden Horrormeldungen aus dem Internet: Ein französischer Arzt hatte bereits Ende März vor einer erhöhten Infektionsgefahr für Träger von Bärten gewarnt, weil sich dort mehr Krankheitserreger tummeln würden als in Hundefell - vielleicht spart man in Frankreich bei der Morgentoilette ja das Gesicht mit Seife aus. Wir Halbschweden lassen unserer Haarpracht an Wangen, Hals und Oberlippe jedenfalls täglich eine so gründliche Pflege zukommen, dass der Ikea-Spiegel strahlt und die Frage nur lauten kann: Lässt du noch wachsen, oder rasierst du schon? Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf hat diese Frage in seinem Podcast „Baywatch Berlin“ unlängst so beantwortet: Man soll nach der Krise in seinem Gesicht ablesen können, was Deutschland hinter sich hat. Bleibt nur zu hoffen, dass bis dahin kein Zopf möglich ist.

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