Kirchheimer Umland

Beruf und Leben waren eine Einheit

Seelsorge Alfred Kohnke tritt nach 26 Jahren als evangelischer Pfarrer in den Kirchengemeinden Roßwälden und Weiler in den Ruhestand. Sein Umfeld brachte ihm immer große Wertschätzung entgegen. Von Helga Single

Im Ruhestand wird sich Alfred Kohnke einen Traum erfüllen: einmal eine Torte backen.Foto: Helga Single
Im Ruhestand wird sich Alfred Kohnke einen Traum erfüllen: einmal eine Torte backen. Foto: Helga Single

Dankbar und zufrieden schaut Pfarrer Alfred Kohnke auf 26 Jahre, die er mit seiner Familie in Roßwälden erlebt hat. Aufgewachsen in einem gläubigen Elternhaus in der Nähe von Heilbronn, war der Zivildienst im Krankenhaus ausschlaggebend für seine Berufswahl. „Es waren die tiefen menschlichen Begegnungen, die mich überzeugten“, sagt der 65jährige, der jetzt in den Ruhestand verabschiedet wurde.

„Ich bereue nichts und würde alles wieder so tun“, sagt er rückblickend auf seine Zeit als evangelischer Pfarrer in den Gemeinden Roßwälden und Weiler. „Mir wurde immer große Wertschätzung entgegengebracht, ich konnte immer auf Organisationsteams zählen, die sich verantwortlich gefühlt haben, was mich mit Freude und Zufriedenheit ausfüllt.“

Als seine Familie mit den vier Kindern nach Roßwälden kam, hatte sie von Beginn an den Eindruck, angekommen zu sein. Im Vergleich zur Vorgängergemeinde Oberesslingen/Sirnau gab es in Roßwälden viele junge Familien mit Kindern, die im gleichen Alter waren wie seine eigenen. „Es gab keine Anlaufschwierigkeiten, die Roßwäldener waren offen und herzlich und haben es uns leicht gemacht.“ Außer Gottesdiensten, Konfirmations- und Religionsunterricht, Taufen, Trauungen und Beerdigungen stand für ihn besonders die Notfallseelsorge im Mittelpunkt. „Dies war mir ein ganz besonderes Anliegen. Die Tätigkeit ist verantwortungsvoll und nicht leicht, insbesondere, wenn man Angehörigen schreckliche Todesnachrichten überbringt.“ In Roßwälden sei er dafür immer auf Verständnis gestoßen.

Gute Seelsorge sei sehr wichtig und gehöre zu seinem Beruf, den er als Berufung empfinde. Gute Seelsorge sei wahrnehmen, dasein und zuhören. „Mein Gegenüber will ernst genommen werden“, sagt er. Im Laufe eines Gesprächs, was manchmal durchaus eine Art „Beichte“ gewesen sei, entwickle man gemeinsam neue Möglichkeiten. Es kam auch vor, dass jemand eine Vergebung wie in der katholischen Kirche erwartete.

Viel Neues eingeführt

In seine Amtszeit fielen einige Neuerungen, darunter das inzwischen legendäre Männervesper, das vor Corona die hundertste Ausgabe feierte. Zusätzlich gab es mehrere Projekte, wie ein Theologiekurs für Erwachsene, in dem Themen wie das Glaubensbekenntnis, die Zehn Gebote oder einfach Reisevorbereitungen im Mittelpunkt standen. Eine Reise führte dann ins Piemont zu Orten der Waldenser, einer frühen Reformationskirche vor Luther. Auf einer zweiten Reise wandelte man gleich selbst auf Luthers Spuren. Gern erinnere er sich an Familienfreizeiten bei Blaubeuren und in Rötenbach im Schwarzwald. Auch die Begegnung mit Muslimen lag ihm immer am Herzen. Über Austausch und Gespräche über den Glauben sei eine Vertrautheit und ein nachbarschaftlicher Kontakt entstanden, der in einem Besuch in der Moschee in Ebersbach gipfelte. Nicht zuletzt förderten die Interkulturellen Treffen, das Mittwochsfrühstück und der Frauenkreis unter Leitung von Ehefrau Elfriede das Zusammenwachsen und den nachbarschaftlichen Kontakt. „Spätestens bei einem Gegenbesuch von muslimischen Bürgern, die schilderten, wie sie die evangelische Kirchengemeinde wahrnahmen, wusste man, das ist der richtige Weg“, freut sich Pfarrer Kohnke.

Sorgen bereiten ihm Kürzungen von Pfarrstellen. „Wenn es weniger Pfarrer gibt, entsteht ein Gefühl, dass wir Pfarrer nicht mehr für die Leute da sind. Sie kehren uns den Rücken. Doch je weniger Gemeindemitglieder da sind, desto weniger Pfarrstellen werden besetzt.“ Dies sei ein Teufelskreis. In seinen beiden Gemeinden habe er eine hohe Verbundenheit zur Kirche festgestellt. Für ihn sei sein Beruf und sein Leben immer eine Einheit gewesen, dies schätze er als Privileg. „Wenn mein Tun den Menschen eine Hilfe ist, gibt mir das Kraft und Energie.“ Er habe sehr viele positive Erfahrungen im Kleinen machen dürfen, was ihn mit Dankbarkeit erfülle.

Für die Zukunft wünsche er sich, dass die Menschen sich mehr achten, wahrnehmen und weiterbringen. Einen ganz persönlichen Traum werde er sich bald erfüllen. Zum Gedenken an seinen Vater, der von Beruf Bäcker gewesen ist und im Januar hundert Jahre alt geworden wäre, wird er eine riesige Cremetorte zum ersten Mal ganz allein herstellen.

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