Kirchheimer Umland

Betriebe fordern Datenautobahn ein

Breitbandversorgung in Kirchheim ist privat überwiegend gut, gewerblich aber ausbaufähig

Kirchheim ist in Sachen Breitbandversorgung gut aufgestellt. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Büros Geo Data. Es gibt aber eine große Ausnahme: Während fast alle Privathaushalte gut versorgt seien, fehlt es ausgerechnet in den Gewerbegebieten an der notwendigen Infrastruktur. Die Stadt will deshalb ein Konzept erarbeiten, um die Lage zu verbessern.

Im neuen Kirchheimer Gewerbegebiet Hegelesberg entsteht derzeit nicht nur die Verkehrsinfrastruktur, es wird auch für die entspr
Im neuen Kirchheimer Gewerbegebiet Hegelesberg entsteht derzeit nicht nur die Verkehrsinfrastruktur, es wird auch für die entsprechenden Kabelverbindungen gesorgt. Schnelles Internet ist ein wichtiger Standortfaktor. Im Gegenteil zu Privathaushalten fehlt es hier noch in Kirchheimer Gewerbegebieten.Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Patrick Burger von Geo Data erklärte im Kirchheimer Gemeinderat, wie die Breitbandversorgung im Stadtgebiet aussieht: Fast überall seien Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde im Down­stream möglich. Lediglich in der Innenstadt sowie in Nabern und Lindorf sei die Versorgung nicht ganz so gut. Dort erreichen die Raten nur bis zu 50 Megabit pro Sekunde. Etwas weniger abstrakt und zahlenorientiert, fasste Patrick Burger das Ergebnis folgendermaßen zusammen: „Die Kategorien ,sehr langsam‘ und ,extrem langsam‘ gibt es im Stadtgebiet kaum bis gar nicht.“

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Die Telekom habe in Kirchheim zwei Hauptverteiler und 155 Kabelverzweiger, und auch die Kabel BW sei „relativ großflächig“ für Privathaushalte vertreten. Sowohl Glasfaserstrukturen als auch Leerrohre gebe es von den verschiedensten Anbietern – deutschlandweiten sowie regionalen oder auch lokalen. Sogar städtische Leerrohre seien vorhanden. Vor allem entlang der Autobahn seien sehr viele Kabel und Leerrohre zu verzeichnen. Und trotzdem bleibe ein Problem: „Gewerbliche Betriebe verlangen zum Teil nach einer besseren Versorgung.“

Um entlang der Autobahn auch die Datenautobahn auszubauen, bestehen aber gute Möglichkeiten, weil der Boden dafür eben schon vorbereitet ist. Und die meisten Gewerbegebiete liegen ohnehin in Autobahnnähe. Patrick Burgers Fazit: „In fast jedem Kirchheimer Gewerbegebiet bestehen Möglichkeiten zur Glasfaseranbindung.“ Auch die „Leerrohrinfrastruktur für eventuelle Ausbauvorhaben“ sei vorhanden.

Wie es weitergehen kann, sodass der Ausbau tatsächlich vorankommt, zeigte Patrick Burger ebenfalls auf. So könnten die Gewerbebetriebe eigene Glasfaseranbindungen einkaufen: „Das ist keine Frage des Ob. Es ist nur eine Frage der Kosten.“ Die Stadt könne dazu auch ihre eigenen Leerrohre zur Verfügung stellen und sie gegebenenfalls verpachten. Unabhängig davon könne die Stadt auch die Interessenbekundungen von Unternehmen bündeln und die Verhandlungen mit Netzbetreibern begleiten. Eines aber, was sonst durchaus üblich ist, könne die Stadt nicht machen: Landesfördermittel beantragen. Grundsätzlich kann sie das zwar schon. Aber Patrick Burger sieht kaum Chancen auf Erfolg. Dafür sei die vorhandene Versorgungslage zu gut.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Dr. Thilo Rose, freute sich zwar über die gute Versorgung der Kirchheimer Privathaushalte, warnte aber davor, sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen. Jetzt gelte es, auch an die Gewerbebetriebe zu denken und „einen Schwerpunkt auf die Breitbandversorgung im Sinne der Wirtschaftsförderung zu setzen“. Den Fokus will er dabei klar auf Glasfaserkabel richten und nicht etwa auf Funkverbindungen, wie das vor einiger Zeit noch angedacht war.

Bettina Schmauder von den Freien Wählern sieht ebenfalls großen Handlungsbedarf: „Infrastruktur heißt eben auch Dateninfrastruktur. Das ist ein wichtiger Standortfaktor.“ Die Frage sei nicht, ob sich die Stadt hier einbringt, sondern nur, wie das geschehen soll. Zumindest die Bündelung der Interessen von Unternehmen biete sich an.

Auch für Andreas Schwarz (Grüne) steht fest, dass die Stadt in Sachen Breitbandversorgung bei den Gewerbegebieten so nachziehen müsse wie bei den Wohngebieten. Er forderte eine Konzeption, in der auch bereits die Finanzierung durch die Stadt berücksichtigt ist.

Dass sich die Debatte um das schnelle Internet für Unternehmen nicht im luftleeren Raum abspielt, macht auch schon die Sitzungsvorlage deutlich, in der von „mehreren und anhaltenden Beschwerden von Gewerbetreibenden“ die Rede ist. Die Stadt Kirchheim geht das Problem deshalb gezielt an und will das Konzept bereits 2016 erarbeiten. Der Gemeinderat sieht die Dringlichkeit ebenso und hat diesem Vorschlag einmütig zugestimmt.