Kirchheimer Umland

Brot backen im Blumentopf

Jetzt muss der Brotteig bloß noch in die gut gewässerten Blumentöpfe gefüllt werden. Foto: Sabine Ackermann
Jetzt muss der Brotteig bloß noch in die gut gewässerten Blumentöpfe gefüllt werden. Foto: Sabine Ackermann

Dettingen. Die Uhr tickt, und der Turm steht… fast! Die Herausforderung von „Make‘n‘Break“ ist es, anders geformte Bausteine zu

Sabine Ackermann

unterschiedlichen Bauwerken zusammenzusetzen. Langweilig? Keineswegs, denn das Ganze geschieht nämlich unter Zeitdruck. „Du musst würfeln. Dann weißt du, auf wie viel Zeit der Timer gestellt wird, je mehr, desto besser“, erklärt Franziska die Spielregeln. Das blonde Mädchen kennt sich aus, hat den „atemberaubenden Bauspaß“ zu Hause schon öfter gespielt, „und manchmal auch gewonnen“, schiebt sie nach.

Es ist die erste Ferienwoche, und trotz des guten Wetters vergnügen sich 30 Mädchen und Jungen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren nicht im Freibad oder auf dem Spielplatz, sondern bei den Dettinger Landfrauen. Diese bereichern zum wiederholten Male das Schülerferienprogramm in Dettingen und bieten in ihrem Vereinsraum im Bahnhof „Wir backen im Tontopf“ an.

Ja, wie jetzt? Backen? An den Nebentischen wird doch gespielt und gebastelt. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es nicht nur zwei Gruppen, jeweils eine am Vor- und Nachmittag, sondern überdies spannende Alternativprogramme. „Während einige Kinder den Teig kneten, müssen sich die anderen ja auch irgendwie beschäftigen. Spielen oder Basteln verkürzen prima die Wartezeit bis zum Brotbacken, dem eigentlichen Renner“, sagt Renate Sommer lachend. Sie ist eine von den insgesamt etwa 30 Landfrauen, die den ganzen Tag über für die Kinderbespaßung im ehrenamtlichen Einsatz sind. Und es ist richtig was los, in dem gemütlichen hellen Raum, den sie vor Jahren in Eigenleistung renoviert und für Vorträge, Zusammenkünfte oder Feiern hergerichtet haben.

Hanna mag alle Angebote, ihr ist alles gleich recht, aber besonders freut sie sich auf ihre Oma. „Die wohnt in Finnland auf einer eigenen Insel“, erzählt sie Emma und Leah, Letztere ist zum ersten Mal hier und wusste gar nichts von den anderen Aktivitäten. David und Heiko staunen, was zu Hause bei Philip so abgeht: „Wir machen immer unsere Maultaschen selber, aber nur die Männer“, berichtet er und Oskar, der vierte Junge im Bunde, schiebt nach: „Bei uns gibt es dafür oft Ravioli“. Doch auch die Mädels mischen bei den Fachgesprächen unter „Hobbyköchen“ mit: so verrät Amelie, dass ihr Papa die besten Pfannkuchen macht. Die Kinder verstehen sich prima untereinander und sind allesamt sehr diszipliniert. „Das hatten wir auch schon anders, doch richtige Störenfriede sind zum Glück eher selten“, sind sich die Landfrauen unisono einig.

Alle zwei Jahre wechseln sich Brotbacken und Seifenherstellung ab. Letzteres wird allerdings im Freien angeboten. Mittlerweile befindet sich der Teig der ersten Backgruppe in den „Blumentöpfen“ aus Ton. „Die wurden zuvor gut gewässert, damit sie im Ofen nicht platzen“, erklären die 18-jährige Katrin Sommer und ihre jüngere Freundin Nina Bauer, beides Landfrauen-töchter und diesbezüglich potenzieller Nachwuchs. „Schade, schon vorbei“, bedauert Jan, der backen „cool“ findet und seiner Mutter sehr gerne in der Küche hilft. Zwei verschiedene Teigsorten, mit und ohne Körner, durfte die Gruppe mischen, rühren, kneten und einfüllen. Ausgebacken wurden die selbst gemachten Brote in der Bäckerei Goll, gleich um die Ecke.

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