Kirchheimer Umland

Bürgermeister besuchen Baustelle

ICE-Trasse Immer mehr nimmt die Bohrmaschine für den Albvorlandtunnel Gestalt an. Verwaltungschefs informierten sich über den Fortschritt. Von Iris Häfner

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Verwaltungschefs auf der Baustelle. Foto: Jean-Luc Jacques

Unermüdlich dreht die Kehrmaschine ihre Runden - bevorzugt an diesem Nachmittag im neu geschaffenen Kreisel direkt neben der Autobahn. „Wenn die Tunnelbohrmaschine erst mal in Betrieb ist, wird das nicht mehr so häufig der Fall sein. Dann ist alles an Ort und Stelle und nicht mehr so viel Querverkehr nötig“, sagt Frank Brodbeck, in leitender Funktion an der Kirchheimer ICE-Baustelle tätig. Immer wieder darf der Kirchheimer seine planerische und organisatorische Tätigkeit unterbrechen und Besucher durch die Baustelle führen. In diesem Fall ist es der Kirchheimer Bürgermeistersprengel, der grob den Grenzen des alten Kirchheimer Oberamts entspricht.

Mit dem Bus kommen die aktuellen und ehemaligen Bürgermeister aus Wendlingen angefahren. Dort ist das zentrale Planungsbüro für den 11,1 Kilometer langen Abschnitt der neuen Bahntrasse zwischen Kirchheim und Wendlingen, zu dem der knapp 8,2 Kilometer lange Albvorlandtunnel gehört. Mit gelben Sicherheits-Gummistiefeln, Bauhelm und Warnweste bestens ausgestattet, geht es zu den Einzelteilen der zwei Tunnelbohrmaschinen, von denen 90 Prozent mittlerweile per Schwerlasttransporter eingetroffen sind. Große, mobile Kranwagen zeugen davon, welche Massen dabei bewegt werden.

Seit Dienstag steht - auch von der B 465 zwischen den Kranmasten gut sichtbar - ein Zelt auf der Baustellen-Anhöhe. Dort werden in einem sauberen Raum die entsprechenden Maschinenteile, vor Baustellen-Staub geschützt, zusammengeschweißt. Die Truppe für Montage ist dafür zuständig und schweißt Tag und Nacht. „Wir sind hier auf der Bereitstellungsfläche“, sagt Frank Brodbeck und zeigt auf die vielen großdimensionierten Einzelteile: stählerne Halbschalen, wirre Rohrteile oder einfach wie Stahlträger aussehende, weiß lackierte Eisenteile. „In mühseliger Kleinarbeit wird das alles zusammengesetzt“, erklärt der Tunnelbauer.

Das Herzstück, die Antriebsmaschine, fehlt allerdings noch. Per Schiff kommt das gute Stück aus dem südbadischen Schwanau, dem Sitz des Tunnelvortriebsmaschinen-Herstellers Herrenknecht, nach Plochingen. Von dort geht es dann via Schwertransport nach Kirchheim. Die Antriebsmaschine ist mit 220 Tonnen das schwerste Teil der Bohrmaschine. Um es auf Höhe der Firma Leicht in die richtige Position bringen zu können, ist ein 1 200 Tonnen schwerer Kran nötig - für ihn werden gerade mit großen Tiefenbohrern die Fundamente hergestellt.

Langsam lässt sich erahnen, wie die zwei Tunnelmaschinen aussehen werden. Die Arbeiter waren in den vergangenen Monaten recht fleißig. Auf Nachfrage erfahren die Bürgermeister, dass zurzeit zwischen 50 und 60 Menschen auf der Baustelle tätig sind. Unter anderem vertiefen sie den Tunneltrog oder sorgen für die Infrastruktur. „Wo die roten Flatterbänder zu sehen sind, werden demnächst die Tübbinge zum Trocknen zwischengelagert“, sagt Frank Brodbeck. Die werden in einem extra erstellten Werk in direkter Nachbarschaft der Firmen Leicht und Chr. Schmid Recycling produziert - und zwar in einer beachtlichen Stückzahl: 55 000. Bei den Tübbingen handelt es sich um die gewölbten Betonteile, die zusammengesetzt die Tunnelröhre ergeben.

Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer fand lobende Worte für den neuen „Umleitungs-Radweg“ zwischen der Kernstadt und Nabern, von dem aus sich bestens der Fortschritt der Baustelle und das Zusammensetzen der Bohrmaschinen beobachten lässt. „Zunächst war eine Ampelregelung vorgesehen, doch die Firma Implenia hat eine kreuzungsfreie Lösung realisiert. Der Radweg ist damit komplett aus dem Baustellenverkehr raus - eine passable Geschichte“, informierte er seine Kollegen. Der neue Radweg verläuft ein Stück weiter westlich der alten Trasse. Von Kirchheim aus geht es zunächst über die Autobahn und dann kurz darauf in einem Wellblechtunnel unter der Baustellenzufahrt durch. Direkt am Bauzaun entlang, mit der ein oder anderen eleganten Kurve versehen, kommen Radler und Spaziergänger wieder auf die alte Verbindung nach Nabern.

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