Kirchheimer Umland

Bummeln und schwitzen

Kirchheimer Monatsmarkt bei 30 Grad im Schatten: Händler verraten, was gut läuft und was nicht

Fenster putzen trotz strahlendem Sonnenschein: Jens Binder zeigt, wie's geht.Fotos: Jean-Luc Jacques
Fenster putzen trotz strahlendem Sonnenschein: Jens Binder zeigt, wie's geht.Fotos: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. An Rudolf Bienerts Stand ist heute tote Hose. Es ist erst 10.30 Uhr, aber die Sonne brennt schon so erbarmungslos vom Himmel, als befände man sich nicht auf

dem Kirchheimer Monatsmarkt, sondern auf einem Basar irgendwo im Orient. Beim Anblick der Ware, die an Bienerts Stand baumelt, bricht dem Käufer vollends der Schweiß aus: Wollwesten, Strickpullis und dicht gewebte Röcke, so weit das Auge reicht. Absolute Ladenhüter bei 30  Grad im Schatten. Bienert setzt sich auf seinen Hocker. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als auf kühlere Tage zu warten.

Ein paar Stände weiter handelt Anneliese Fruck mit luftigem Chiffon statt mit grober Wolle. Bei ihr gibt‘s Plissés, Raffrollos und Vorhänge – jede Menge Stoff, um die Wohnung kühl zu halten. Auch Moskitonetze gegen lästige Schnaken hat die Gmünderin im Angebot. Wer einen der Schattenspender erwerben will, muss sich allerdings ein wenig gedulden: Bei Fruck wird alles maßgeschneidert. Seit 1956 ist das Unternehmen auf dem Kirchheimer Markt vertreten, in zweiter Generation.

Auch Textil Störrle ist ein Urgestein unter den Krämern. Seit 50 Jahren steht der Stand der Firma aus Jettingen-Scheppach an der Marktstraße Ecke Max Eyth Straße, immer an derselben Stelle. Das ist gut für den Wiedererkennungswert. Edmund Störrle verkauft Unterwäsche. Die braucht man sommers wie winters. Je nach Temperatur empfiehlt der Händler seinen Kunden unterschiedliche Materialien. „Baumwolle saugt den Schweiß zwar auf, trocknet aber nicht am Körper“, sagt Störrle. Geeigneter seien Viskose oder Micromodal, bestehend aus Garn, das aus Buchenholz gewonnen wird. „Das trocknet auf der Haut und kühlt“, sagt Störrle.

Jens Binder putzt und putzt und putzt. Der Vertreter bringt „Easy Light“ an den Mann, einen Fensterwischer, der streifenfreien Glanz verspricht. Auf einem Testfenster können sich die Kunden selbst überzeugen. Eigentlich putzt man keine Fenster, wenn es derart sonnig ist wie heute. Mit seinem Fensterwischer aber schon, sagt Jens Binder. „Normalerweise würden sich Flecken bilden, wenn man gegen die Sonne schafft. Weil wir mit einer Silikonlippe arbeiten, bleibt aber keine Feuchtigkeit auf der Scheibe“. Der Vertreter hat eine weitere gute Nachricht für alle, die sich bei 30 Grad im Schatten für diese schweißtreibende Tätigkeit entscheiden. „Mit unserem Gerät kann man ohne Druck arbeiten“.

Einen Sonnenstich bekommt man mit den Hüten und Mützen von Franz und Gerlinde Großkinski garantiert nicht. Dort gibt es Hüte mit breiter Krempe und selbst genähte Mützen aus Leinen oder Baumwolle. „Made in Jebenhausen“, sagt Gerlinde Großkinski. Die Hüte sind aus Papier, Gras und Wolle. „Die brechen nicht. Man kann sie zerknautschen oder in den Koffer stopfen“, sagt Franz Groß­kinski. Richtige Strohhüte kaufe heute kaum einer mehr, weil sie irgendwann kaputt gingen.

Gegen heiße Füße hat Manfred Schultes aus Fichtenau Sneaker-Socken aus Bambus-Zellstoff im Angebot. „Wenn man an den Füßen viel schwitzt, ist das besser als Baumwolle“, sagt der Händler aus Fichtenau. Seine Wollsocken hingegen lassen die Kunden heute links liegen.

Laut Jürgen Kölle war der Markt etwas kleiner als sonst, wie immer in der Ferienzeit. „Vielleicht hatten einige Angst vor den heißen Temperaturen“, vermutet der Kirchheimer Marktmeister. Er glaubt, dass sich der Krämermarkt im Herbst wieder in gewohntem Umfang präsentieren wird.

Rudolf Bienert
Rudolf Bienert
Anneliese Fruck
Anneliese Fruck
Edmund Störrle
Edmund Störrle
Franz Großkinski
Franz Großkinski
Manfred Schultes
Manfred Schultes
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