Kirchheimer Umland

Bunter Nachmittag mit Tiefgang

Treffen Die Landfrauen sind zum Kreisverbandstag nach Nabern gekommen. In der vollen Gießnauhalle freuten sie sich über die Darbietung des Sängernachwuchses und lauschten der Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer. Von Iris Häfner

Die Landfrauen aus dem Altkreis Nürtingen waren erstmals in Nabern zu Gast. Fotos: Jean-Luc Jacques
Die Landfrauen aus dem Altkreis Nürtingen waren erstmals in Nabern zu Gast. Fotos: Jean-Luc Jacques

Gute Laune herrschte beim Kreisverbandstag des Landfrauenverbands Nürtingen in der Naberner Gießnauhalle. Das hatte gleich mehrere Ursachen: Pünktlich zur Veranstaltung strahlte die Sonne, und die große Fensterfront gab den Blick auf die vorfrühlingshafte Wiese frei. Der Bildungschor Nabern unter der Leitung von Beate Kühn begrüßte die Gäste musikalisch und sorgte mit seiner Liedauswahl für gute Stimmung. Der Nachwuchs - vom Kindergartenalter bis in die Mittelstufe - sang unter anderem vom Frühling und dem verschlafenen Papi, der endlich aufwachen soll. Vor allem aber freuten sich die Frauen über das Wiedersehen mit alten Bekannten.

„Wir haben heute einen besonderen Tag - wir haben wieder eine Regierung“, begrüßte Monika Dey­le, Kreisvorsitzende der Landfrauen, die zahlreichen Gäste. Zum ersten Mal waren sie in Nabern zu Gast und sprengten prompt den Rahmen. Zusätzliche Tische und Stühle mussten herangeschafft sowie Tassen und Teller von zu Hause organisiert werden, damit die rund 350 Landfrauen sich die leckeren Kuchen schmecken lassen konnten.

Rainer Kneile, kommissarischer Ortsvorsteher von Nabern, ging in seinem Grußwort dann auch auf diesen vorübergehenden Engpass ein, freute sich jedoch, vor so vielen Frauen den Kirchheimer Teilort vorstellen zu dürfen. „Wir haben einen einzigartigen Ortsvorsteher-Verschleiß. Etwa alle drei Jahre müssen wir einen Neuen wählen, Nabern wird deshalb gerne die Bürgermeister-Schmiede genannt“, erklärte er.

Die Verbandsarbeit stellte Doris Hoinkis, Präsidiumsmitglied des Landfrauenverbands Württemberg-Baden und Vorsitzende der Kreislandfrauenverbands Esslingen, vor. Weiterbildung steht ganz oben auf der Agenda. Um dem Populismus etwas entgegenzusetzen, haben die Landfrauen flugs ihr Leitthema „Weichen stellen für morgen“ erweitert und ergänzt. Für 2018 und 2019 heißt der Untertitel „Farbe bekennen - für eine offene Gesellschaft“.

Vor der Kaffeepause und dem Vortrag der Gastrednerin, Rundfunkpfarrerin Dr. Lucie Panzer, stand noch eine Ehrung auf dem Programm. Petra Lippkau ist seit zehn Jahren Vorsitzende des Landfrauenvereins Notzingen-Wellingen. „Sie hat tolle neue Ideen eingebracht, etwa den Malkurs über mehrere Tage und eine Gymnastikgruppe“, sagte Monika Deyle.

Das letzte Wort hatte Gastgeberin Renate Gölz, Vorsitzende des Landfrauenvereins Nabern-Bissingen. Sie lobte ihre Frauen für ihr Improvisationstalent und die geleistete Arbeit. Die fing schon bei der Deko an: Narzissen in liegenden „Oma-Tassen“ und „Rombala“, die jeder im Zellophan-Tütchen mit nach Hause nehmen konnte. Mit den „Rombala“ hatte Renate Gölz die Lacher auf ihrer Seite, jede verstand, was gemeint war: Es ist der schwäbische Begriff für die kleinen Steckzwiebeln, die demnächst eingepflanzt werden können. „Zwiebeln sind nicht nur zum Heilen da, sie sind auch das zweitwichtigste Gemüse weltweit“, wusste die Ortsvorsitzende.

Die Rundfunkpfarrerin Lucie Panzer brachte die Landfrauen zum Nachdenken

Kreisverbandstag Landfrauen in Nabern in der Gießnauhalle, Dr. Lucie Panzer, Rundfunkpfarrerin, hält Impulsreferat über Gelingen
Kreisverbandstag Landfrauen in Nabern in der Gießnauhalle, Dr. Lucie Panzer, Rundfunkpfarrerin, hält Impulsreferat über Gelingendes Leben - was braucht man dazu?

Gespannt verfolgten die Landfrauen den Vortrag von Rundfunkpfarrerin Dr. Lucie Panzer. Alle kannten sie aus dem Radio und waren gespannt auf das Gesicht. „Ich nehme solche Einladungen gerne wahr. Es ist schön, Menschen zu sehen. Im Studio sehe ich höchstens den Techniker“, begrüßte die Referentin die Gäste.

„Gelingendes Leben - was braucht man dazu?“ lautete ihr Thema. „Dass das Leben gelingt - das wollen wir alle. Dazu gibt es Ratgeber zuhauf“, sagte sie. Die Selbstliebe sei in Mode gekommen, doch so richtig glücklich mache die auch nicht. „Wir Deutschen sind Weltmeister im Jammern - aber wir jammern auf hohem Niveau.“ Jede im Raum solle doch mal dran denken, wie die Eltern und Großeltern gelebt haben und dann Vergleiche ziehen. „Unser Land steht nicht vor dem Abgrund, es hat Potenzial. Wir leben in geradezu goldenen Zeiten“, sagte sie, gab aber gleichzeitig zu bedenken: „Die Welt ist nun mal kein Paradies.“ Es gibt Fehlentscheidungen, Krankheit, Unglück. Wer nur die dunklen Seiten sieht, solle sich selbst anschubsen und aufzählen, was alles gut geworden ist. „Erinnern Sie sich an das Gute, dann sieht die Welt anders aus.“

Wer in sich selbst verkrümmt ist - wie Luther es nannte - sehe nur noch die Füße, sehe keine Hilfe und habe dann kaum noch Kraft zum Leben. Schwierige Zeiten könne man oft nicht verstehen, aber vielleicht sei man stärker geworden. „Es braucht Helles und Dunkles, damit das Material wachsen kann. Und dieses Material muss man annehmen.“

Wie gelingt das Leben? Laut Lucie Panzer braucht es dazu zuallererst Menschen. Ebenso solle jeder an Gutes denken und sich sagen: Ich habe keine Angst und vertraue auf das vielfach zitierte Bibelwort „Fürchte dich nicht“. ih