Kirchheimer Umland

Christen zeigen „Flagge“

Neujahrsempfang Erstmals begrüßen alle drei christlichen Kirchen aus Dettingen gemeinsam das neue Jahr. Sie setzen damit ein deutliches Zeichen für mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft. Von Günter Kahlert

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Ein Neujahrsempfang ist in der Regel nichts Besonderes. Oft die üblichen Reden, die üblichen Wünsche, der übliche Small Talk. So weit, so gewohnt. Was in Dettingen allerdings stattfindet, ist etwas anderes: eine Premiere. Zum ersten Mal in der Ortsgeschichte haben die drei christlichen Kirchen (evangelisch, katholisch, neuapostolisch) zusammengefunden, um die Veranstaltung in der Dettinger Schlossberghalle gemeinsam zu gestalten.

Seit zwei Jahren gibt es bereits informelle Treffen der Kirchengemeinderäte, „und im Rahmen dieser Begegnungen entstand dann auch die Idee zu einem gemeinsamen Neujahrsempfang“, erzählt Wilfried Veeser, evangelischer Pfarrer des Dettinger Pfarramts. Er hat die Pläne dann auch vorangetrieben, in enger Abstimmung mit Pfarrer Daniel Trostel, dem Gemeindevorsteher der Neuapostolischen Kirche Martin Reinke und dem Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Maria Königin in Kirchheim, Winfried Hierlemann. Der ist auch zuständig für die Dettinger Katholiken. Das Ziel war klar: „Wir wollen Flagge zeigen, dass die Gesellschaft über die gewohnten Grenzen hinaus mehr Zusammenhalt braucht“, bringt es Wilfried Veeser auf den Punkt. „Gemeinsam statt Ellenbogen“, wird er es für die Besucher noch mal als knackiges Motto formulieren.

Start in den Neujahrsempfang ist ein ökumenischer Gottesdienst, in dessen Ablauf oder Liturgie sich alle drei Konfessionen wiederfinden. Gebete, Kurzpredigten, Fürbitten und zum Schluss der Segen für die Besucher. Dazu noch musikalische Beiträge der Posaunen der evangelischen Kirchengemeinde, der Lobpreis-Band und zum Abschluss „Sternsinger“ auf der Bühne. Eine nette Idee von Kerstin Vacha (katholische Kirchengemeinde) und Heidrun Sigel (evangelische Kirchengemeinde). Die beiden Betreuerinnen haben vor dem Gottesdienst die Kinder „eingesammelt“ und mit ihnen - während vorne die Feier lief - in den hinteren Räumen das Lied „Wir kommen daher aus dem Morgenland“ einstudiert. Das könnte man auch „Sternsinger-Crashkurs“ nennen. Jedenfalls haben sich die Kleinen auf der Bühne richtig gut geschlagen.

Nach 30 Minuten ist der erste Teil des Neujahrsempfangs vorbei, und die Besucher können schon mal Gemeinsamkeit beweisen. Wilfried Veeser, quasi Moderator der Veranstaltung, bittet sie mit humorigen Worten, die Bestuhlung nach vorne zur Bühne zu schieben, um Platz für Stehtische und Kommunikation zu machen. „Do kosch besser mitanander schwätza“, meint er zu den Gästen. Stimmt - und klappt auch, alle packen an.

Dann der „offizielle Akt“: Grußworte von Martin Reinke, Viktor Tiederle, Zweiter Vorsitzender des evangelischen Kirchengemeinderats in Dettingen und Dieter Hoff, Zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats von Maria Königin. Alle drei betonen das Miteinander, die Wertschätzung anderer, den Dialog, das Vertrauen in Menschen und den Mut zur Begegnung. Auch Bürgermeister Rainer Haußmann betont den Gemeinsinn, ohne den eine Gemeinde nicht vernünftig funktionieren könne. „Früher hat man dem Nachbarn beim Hausbau geholfen, heute legt man Einspruch ein“, beschreibt er in gewohnt klaren Worten die Tendenzen unserer Zeit.

Pfarrer Wilfried Veeser beschließt den offiziellen Teil mit der überraschenden Aufforderung an die Besucher, sich kennenzulernen. Jeder solle sich jemanden suchen, den er gar nicht oder nur flüchtig kennt und ihm ein gutes neues Jahr wünschen. Hat offensichtlich funktioniert, überall sah man Menschen in angeregten Gesprächen stehen. Jedenfalls ging es bei Getränken, Hefezopf und Butterbrezeln noch lange nach dem offiziellen Teil weiter.

Zweifellos eine gelungene Veranstaltung, um die Dettinger Christen einander näher zu bringen. Ob es eine Fortsetzung 2020 gibt, steht noch nicht fest. Wenn es nach Pfarrer Wilfried Veeser geht, auf jeden Fall. Er hat auch schon ein nächstes Projekt: die Zeltkirche im Mai 2020. Natürlich wünscht er sich, dass die anderen bei der 14-tägigen Aktion der evangelischen Kirchengemeinde mitmachen.

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