Kirchheimer Umland

Da wächst kein Gras mehr

Landwirte und Gärtner spüren die Auswirkungen der wochenlangen Hitze und Trockenheit

Die lang ersehnte Abkühlung ist da. Doch die Folgen von Hitze und Trockenheit werden Landwirte und Gärtner noch einige Zeit beschäftigen.

Fast überall rund um die Teck ist die Getreideernte eingefahren. Die Hitze wirkt sich auf den Ertrag aus.Foto: Dieter Ruoff
Fast überall rund um die Teck ist die Getreideernte eingefahren. Die Hitze wirkt sich auf den Ertrag aus.Foto: Dieter Ruoff

Kirchheim. Jammern ist nicht Sigfried Nägeles Sache. Übertreiben auch nicht. Superlative wie „heißester Sommer seit Jahrzehnten“ kommen ihm nicht über die Lippen. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands ist eher der trockene Typ. „Es ist kein gutes Jahr, aber es ist auch keine vernichtende Katastrophe“, sagt Nägele. Natürlich hätten die Bauern erheblichen Mehraufwand und Belastungen. Der Hagel 2013 sei für die Ernte jedoch schlimmer gewesen als die Hitze 2015.

Nägele holt zu einem kleinen Exkurs aus, der zeigen soll, wie Hitze und Trockenheit die Arbeit der Bauern in diesem Jahr beeinflusst. Generell kann man sagen: Totalausfälle gibt es wenige. Eine Ausnahme ist das Gras. „Da wächst momentan gar nichts mehr“, sagt Nägele. Das betreffe alle Bauern, die grasfressende Tiere halten. „Manche gehen jetzt schon an die Wintervorräte ran oder kaufen Heu zu.“

Die Getreideernte ist laut Nägele weitgehend gelaufen. Wie der Ertrag war, hängt von der Qualität der Böden ab. Und davon, ob der jeweilige Acker das Glück hatte, zwischendurch einen Schauer abzubekommen. „Dort, wo es mal ein Gewitter gab, konnte das Getreide besser ausreifen“, sagt Siegfried Nägele. Insgesamt seien die Körner jedoch kleiner. Die Ernte bezeichnet er als „durchschnittlich bis unterdurchschnittlich“. Ein Vorteil gegenüber regnerischeren Sommern: „Man konnte die Ernte gut einfahren.“ Dafür sei die Bodenbearbeitung momentan wegen des harten Bodens schwierig.

Als Nächstes steht die Mais- und Kartoffelernte an. Vor allem den Maispflanzen sieht man die Hitze an: Die Stängel sind dünner und kürzer als sonst, die Kolben haben weniger Durchmesser und teilweise schlecht ausgebildete Körner. „Je länger der Mais jetzt noch draußen ist, desto mehr leidet die Qualität“, sagt Nägele. Auch bei der Kartoffelernte müssen die Bauern den perfekten Zeitpunkt abpassen. „Wenn es jetzt wieder anfängt zu regnen, dann wachsen die Knollen aus.“ Das wirke sich negativ auf die Kocheigenschaften der Knollen aus. Wie die Apfelernte ausfallen wird, darauf ist der Vorsitzende des Kreisbauernverbands gespannt. Momentan ließen die Bäume die Äpfel fallen, obwohl sie noch nicht ganz reif seien. „Das ist eine Schutzreaktion der Bäume, weil sie nicht genügend Wasser bekommen“, sagt Nägele. Auch der Sonnenbrand, der an vielen Früchten zu beobachten ist, ist Resultat der Hitze und Trockenheit.

Siegfried Nägele hofft auf einen Wetterwechsel ohne Hagel. „Es müsste schon ein paar Tage mäßig regnen, damit der Boden aufholen kann“, sagt er. Saftig grüne Wiesen wird es allerdings nicht so schnell geben. „Bis das Gras nachwächst, das einen hohen Futterwert hat, dauert es eine Weile.“

Bernd Czauderna wird sich noch im nächsten Januar an den heißen Sommer erinnern. Dann nämlich, wenn ihm die Wasserrechnung ins Haus flattert. „Wir haben natürlich einen deutlich höheren Verbrauch als in den vergangenen Jahren“, sagt der

Früher haben solche heißen Sommer Hungersnot bedeutet

Chef der Landgärtnerei in Ötlingen. Bestimmte Pflanzen, bei denen Aufwand und Ertrag nicht stimmen, muss er deshalb vertrocknen lassen. Buschbohnen zum Beispiel. Auch Salate werden aus seiner Sicht irgendwann knapp.

„Früher haben solche heißen Sommer Hungersnot bedeutet“, sagt Bernd Czauderna. Davon sei man heute weit entfernt. „Irgendwo gibt‘s immer einen Eissalat zu kaufen. Der kommt dann halt aus Australien.“ Insofern würden die Verbraucher – anders als Landwirte und Gärtner – die Auswirkungen der Hitze nicht auf ihrem Speiseplan zu spüren bekommen. Im Geldbeutel merken sie sie aber wohl. Czauderna muss wie seine Kollegen höhere Preise für seine knapper werdenden Produkte verlangen. „Die Kunden haben es in der Hand“, sagt der Gärtner. „Wenn sie bereit sind, für eine Gurke den Preis zu zahlen, den ich verlangen muss – gut. Wenn nicht, muss ich die Pflanze vertrocknen lassen.“

Mähdrescher, Bissingen-Teck, 29.07.15, Ruoff-albpluto
Mähdrescher, Bissingen-Teck, 29.07.15, Ruoff-albpluto
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