Kirchheimer Umland

Das Brückle als romantischer Pfad für Liebespaare

Baudenkmäler Was es mit der Geschichte der beiden Dettinger Brücken über den Lauterkanal auf sich hat

Dettingen. Der ehemalige Dettinger Lauterkanal zwischen Oberer und Unterer Mühle ist mindestens so alt wie seine beiden Mühlen, deren Erstnennungen aus dem 14. Jahrhundert stammen. Der Grund ist simpel: Ohne fließendes Wasser ist ein Mühlenbetrieb in der hiesigen Gegend nicht möglich. Drei kleinere Brücken führten über diesen Abschnitt des Dettinger Lauterkanals. Als dieses Kanalstück im Jahr 1968 zugeschüttet wurde, verschwanden auch die drei Brückle.

Die wohl älteste der drei Lauterkanal-Brücken befand sich neben der Oberen Mühle. Es war eine einfache mit Holzbohlen versehene Brücke in Verlängerung der Haldenstraße, die früher Haldengasse hieß. Diese Brücke stand in unmittelbarer Nähe des alten Badhauses. Möglicherweise hat der Bader auf der Brücke stehend frisches Wasser für seine Bäder aus dem Kanal geschöpft.

In einer weiteren Urkunde aus dem Jahr 1871 ist auch eine Karte mit dem Brückle zu sehen. Ferner ist darin zu lesen, dass zu dieser Zeit die Obere Mühle drei Wasserräder hatte, eines davon trieb drei Mahlgänge und einen Gerbgang an. Außerdem betrieb die Mühle eine Gipsmühle und eine Hanfreibe. Sie wurde Ende der 1950er-Jahre mit einer Betondecke versehen. Als im Jahre 1968 der Dettinger Lauterkanal zwischen Oberer und Unterer Mühle zugeschüttet wurde, hatte diese alte Brücke keine Daseinsberechtigung mehr und wurde abgerissen. Noch im Jahr 1966 wurde von dieser Brücke aus ein Foto vom Kanalausgang an der Oberen Mühle gemacht, das drei Dettinger Bürger nach dem Reinigen des Lauterkanals zeigt.

Die zweite Brücke ist jüngeren Datums und stammt aus der Zeit um 1818. Damals bekam der Dettinger Schmied Jakob Friedrich Fausel vom Württemberger König die Genehmigung zum Bau der Spinnmühle am Lauterkanal, wobei er sich auch um den Fußweg an der Spinnmühle zu kümmern hatte, was offensichtlich mit einer Brücke über den Lauterkanal verbunden war. Diese Brücke existierte bis Ende der 1960er-Jahre, als der Kanal zugeschüttet wurde. Viele Dettinger Kinder stiegen an dieser Brücke in den Kanal, um zu baden.

Die dritte Brücke stammt aus der Zeit um 1880. Sie überquerte in Verlängerung der Friedrichstraße den Lauterkanal und bestand aus zwei freitragenden stählernen Doppel-T-Trägern mit Brettern. An beiden Enden der Brücke sind jeweils steinerne Stufen angebracht. Hatte man die Brücke von der Friedrichstraße kommend überquert, so konnte man den westlichen Kanalweg nach links zur Oberen Mühle gehen oder nach rechts über den sogenannten Frühlingsweg. Dort gingen Dettinger Liebespaare gern am Marienbrünnle vorbei zur Unteren Mühle. Alfred Stroppel