Kirchheimer Umland

Das Buch im Stadtbild

25 Jahre gläserne Stadtbücherei ermöglichen nicht nur einen Blick in die Zukunft

Seit die Stadtbücherei zentral am Kirchheimer Krautmarkt steht, ist sie zu einem wichtigen Ort der Begegnung in der Stadt geworden. Trotz der Möglichkeit, seine Bücher bequem von zu Hause aus zu leihen – rund um die Uhr.

Alle Hände voll zu tun: Neue Trends erfordern neue Maßnahmen. Doch Ingrid Gaus fühlt sich für die Zukunft bestens gewappnet.Foto
Alle Hände voll zu tun: Neue Trends erfordern neue Maßnahmen. Doch Ingrid Gaus fühlt sich für die Zukunft bestens gewappnet.Fotos: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „Wer als Kind die Bücherei entdeckt, erinnert sich später daran“, sagt Ingrid Gaus. Und so setzt die Chefin der Stadtbücherei alles darauf, Kinder und Jugendliche in die Lesewelt miteinzubeziehen: Auch die neue Generation der „Digital Natives“ soll den Genuss eines guten Buches nicht vermissen. Bücher müssen aber nicht immer aus Papier bestehen. In 25 Jahren neue Stadtbibliothek hat Ingrid Gaus so einiges erlebt – und auch die Zukunft verspricht Veränderung.

Zu den größten Neuerungen der letzten Zeit in dem gläsernen Gebäude am Krautmarkt gehört die Online-Bibliothek. Dort können Nutzer zu jeder Tages- und Nachtzeit neue Bücher und Zeitschriften ausleihen. Per Tablet, Smartphone oder E-Book-Reader erscheinen die Dateien dann auf dem Display, statt wie gewohnt in schwarzer Tinte auf Papier. Für manchen mag das neuartiger, unpraktischer Humbug sein; für den anderen ist es eine nützliche Ergänzung oder längst langweilige Realität. Ingrid Gaus ist nur eines wichtig: „Am Ende kommt es auf den Inhalt an, nicht auf das Medium.“ Ein guter Roman sei immer gut – egal, ob digital oder gedruckt.

Auch in Zeiten der Digitalisierung sorgt sich die Kirchheimer Bücherei nicht um ihr Bestehen. Möglich machen das konstante Nutzerzahlen, seit der Neubau vor 25 Jahren entstand. Die Zahl der ausgeliehenen Medien steigt sogar stetig – von 231 553 im ersten Jahr auf stolze 295 901 im vergangenen Jahr – letzteres inklusive der florierenden Online-Ausleihen. Diese Entwicklung stimmt die Chefin der Bücherei optimistisch. Sie glaubt nicht an einen „Untergang des Buches“, zumindest nicht in näherer Zukunft. „Das werde ich nicht mehr miterleben“, prognostiziert die 58-Jährige. Dafür sei das Lesen zu wichtig: „Durch Bücher erlebe ich meine eigene Vorstellungskraft“, findet sie. Außerdem fördere es die gesunde Allgemeinbildung, denn die sei nicht nur für Bibliothekare wichtig.

Was sich von Woche zu Woche ändert, sind die Lesetrends. „Im Moment sind Krimis der Renner“, erzählt sie – besonders Regionalkrimis, zum Beispiel vom Geislinger Autor Manfred Bomm. Bei den Sachbüchern greifen vor allem Bastler und Näh-Fans zu. Um auf solche Hypes gefasst zu sein, kauft die Bücherei ständig neue Medien dazu und sondert alte aus. Im Gegensatz zu Landesbibiliotheken hat sie nämlich nicht den Auftrag, Werke zu sammeln. Sie soll die Leser mit aktuellem Stoff versorgen.

Auch die Einrichtung des Hauses wandelt sich. „Die Entwicklung geht immer weiter, wir müssen darauf reagieren“, erklärt Ingrid Gaus. Ein neuer Zeitgeist stellt neue Anforderungen. Die Bücherei werde mehr und mehr zu einem Ort, an dem man arbeitet oder entspannt. „Manche kommen jeden Tag und bleiben zwei Stunden hier“, erzählt sie. Auch Schüler aus den umliegenden Gymnasien kommen öfter zum Lernen ins Haus. Um dem gerecht zu werden, braucht es Arbeitsbereiche, die von den Regalen getrennt sind. Eine dieser Ruhezonen wurde schon geschaffen. Auch ein Lesecafé ist eine Überlegung für die Zukunft. Ab Herbst wird außerdem ein freier WLAN-Zugang eingerichtet, um ein zeitgemäßes Arbeiten zu ermöglichen.

Als die Bücherei 1990 vom Max-Eyth-Haus in den Neubau umzog, wurde auf so etwas noch nicht geachtet. Aber schon damals war allen klar, dass sich was tun muss: Im Max-Eyth-Haus stapelten sich die Bücher auf engstem Raum – von Arbeitsbereichen war keine Rede. Den Neubau auf dem Krautmarkt bezeichnet die Chefin der Stadtbücherei als „Glücksfall“.

Die zentrale Lage macht die Bücherei zu einem Ort, an dem jeder vorbeikommt, die gläserne Front die Bücher zu einem Teil des Stadtbilds – eine Leseoase mitten im Zentrum. „Das macht auch die Qualität einer Stadt aus“, findet Ingrid Gaus. „Man kommt mal raus, hat keinen Zwang zu konsumieren. Und man trifft eine Menge unterschiedliche Leute.“

25 Jahre Stadtbücherei
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