Kirchheimer Umland

„Das Libretto hat mich begeistert!“

Interview Komponist Bertram Schattel erklärt, wie er arbeitet und warum er bei jeder Premiere Bauchschmerzen hat.

Archiv-Foto: Markus Brändli
Archiv-Foto: Markus Brändli

Wie entstand die Idee, die Musik zu „Goldenen Gans“ zu schreiben?

Bertram Schattel: Unsere erste Zusammenarbeit lag schon Jahrzehnte zurück, sodass wir beide große Lust hatten, noch einmal ein Stück gemeinsam zu machen. Dagmar Linckes Libretto war beeindruckend, bunt und reich, und ich habe mich spontan dafür begeistert. Mich reizte einerseits die Interpretation, dem Märchen einen emotionalen Hintergrund zu geben, auf dem die Tänzer tanzen können. Andererseits fasziniert mich Bühnenmusik seit jeher.

Wie wird aus einer Geschichte Musik?

Schattel: Zuerst habe ich mir 60 spezielle Notennotizblätter gebastelt. Dann habe ich angefangen, Skizzen zu machen. Mit dem Lesen der Geschichte konnte ich Figuren und Ereignissen Klangelemente zuordnen. Zum Beispiel war schnell klar, dass der König, der äußerst träge ist, von einer Posaune dargestellt wird. Zur Prinzessin hingegen, die sehr lebhaft ist, passte die Flöte gut. Verschiedene Personen bekommen auch eigene Motive, die dann im Laufe des Stücks immer wiederkehren. Ich liebe es, dann aus den einzelnen Bausteinen ein Spiel zu machen - wie ein Mosaik, das am Ende ein stimmiges Bild werden soll.

Wie funktioniert so eine Komposition in der Praxis?

Die Grundkomposition geht erstaunlich schnell. Das Anstrengendste ist danach die Instrumentierung, das ist reine Fleißarbeit. Dann werden die Noten, das Material für die Musiker, gedruckt, das ist sehr zeitaufwendig. Nach der Komposition am Klavier spiele ich die Noten auf dem Computer ein. Im „Feintuning“ lege ich fest, wie die Musik interpretiert werden soll. Aus der Partitur muss ich dann die einzelnen Stimmen he­rausziehen. Das ist der nicht-kreative Teil, da fluche ich dann immer über mich selbst, dass ich mir so etwas aufbürde.

Gibt’s ein typisches Komponistenbauchweh?

Bauchschmerzen bereitet mir die Tatsache, dass ich noch nichts davon live gehört habe. Ich bin immer unsicher, ob es so funktioniert, wie ich es mir gedacht habe, ob alle miteinander harmonieren. Das muss ich aushalten, bis ich es in der ersten Probe höre. sw

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