Kirchheimer Umland

„Das muss man doch einfach tun“

Wolfgang Znaimer erhält für sein vielfältiges kulturelles Engagement die Staufermedaille

Aus den Händen von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker erhielt Wolfgang Znaimer die Staufermedaille. Seine Frau Philomen
Aus den Händen von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker erhielt Wolfgang Znaimer die Staufermedaille. Seine Frau Philomena wurde mit einem Blumenstrauß in den Stadtfarben bedacht.Foto: Markus Brändli

Große Ehrung für Wolfgang Znaimer: Im Beisein zahlreicher Freunde und Weggefährte hat er die Staufermedaille erhalten – eine persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für besondere Verdienste um das Land Baden-Württemberg. Seine Spuren als Maler, Grafiker, Kalligraf, Vergolder oder Dekorateur sind nahezu überall in Kirchheim zu finden.

Anzeige

Andreas Volz

Kirchheim. So vielfältig wie das Wirken Wolfgang Znaimers war auch das Programm zu seinen Ehren. Die musikalische Begleitung durch Ernst Leuze am Cembalo sowie durch die Turmbläser der Stadt Kirchheim war nicht nur feierliche Umrahmung, sondern hatte einen engen Bezug zu seinem ehrenamtlichen Wirken. Schließlich nannte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer Laudatio die Kirchenmusik als eine der vielen Leidenschaften Wolfgang Znaimers. Sein Engagement für den Förderverein Kirchenmusik hat sogar in der Schriftenreihe des Kirchheimer Stadtarchivs Spuren hinterlassen: in Band 36, dem „Orgelbuch. Ernst Leuze hat den Text geschrieben, Wolfgang Znaimer hat die Fotos beigesteuert und sich dabei keinesfalls geschont. Angelika Matt-Heidecker erinnerte daran, dass er auch über eine Kanzel geklettert sei, nur um eine bessere Perspektive zu erhalten.

In vielen weiteren Vereinen und Gremien war und ist Wolfgang Znaimer engagiert: im Verschönerungsverein, im Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsverein (MSSGV), im Südmährerbund, im Ötlinger Ortschaftsrat oder auch im Kirchengemeinderat von Sankt Ulrich. Auch an zahlreichen Ausstellungen hat Wolfgang Znaimer mitgewirkt, was die Präsentation und Gestaltung betrifft. Wo immer es im Kirchheimer Stadtbild etwas zu richten gibt, zu reparieren oder zu polieren, ist Wolfgang Znaimer präsent. „Er hat das Wohl unserer Stadt in den Mittelpunkt seines Handelns gestellt“, lobte die Oberbürgermeisterin den gebürtigen Südmährer. Von Otto Stach habe er nicht nur viel gelernt, sondern letztlich auch die Gestaltung des Goldenen Buchs der Stadt Kirchheim übernommen.

Trotz aller Erfolge habe sich Wolfgang Znaimer seine Bodenhaftung bewahrt: „Wer ihn kennt, schätzt seine Bescheidenheit und seine Herzlichkeit.“ Er mache kein großes Aufhebens von seinem Handeln. Immer wieder sage er: „Das muss man doch einfach tun.“ Und ein weiteres Versprechen laute: „Was ich für Kirchheim tun kann, das werde ich auch tun.“

An eines der jüngsten Beispiele dieses Tuns erinnerte Alt-Oberbürgermeister Werner Hauser: an die gemeinsame Aktion, den Postplatzbrunnen von André Bucher zu sanieren. Nur der Erfahrung Wolfgang Znaimers – und seinem Sprühöl – sei es zu verdanken, dass der Grünspan besiegt werden konnte.

Der MSSGV-Vorsitzende Günther Buck erinnerte ebenfalls an die Energie, mit der Wolfgang Znaimer alle seine Werke angeht, ob er nun bis nachts um drei eine Ostereier-Ausstellung vorbereitet oder mit Pinsel und Farbeimern auf einem Gerüst herumturnt. Selbst von heftigsten Unwettern lasse er sich da nicht beirren.

Franz Longin, der Sprecher der Südmährer, ist stolz darauf, „dass wir jetzt einen Staufermedaillen-Träger in unseren Reihen haben“. Das sei ein Beispiel für mustergültige Integration und zeige, was bereits 1950 in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen geschrieben worden sei, „dass wir helfen werden, Deutschland wieder aufzubauen, und dass wir zu einem Europa des Friedens beitragen“.

Wolfgang Znaimer selbst berichtete davon, wie es ihn – vor der Rückkehr des Vaters aus der Kriegsgefangenschaft – 1948 zunächst mit der Mutter und den beiden Geschwistern über viele Umwege ins Schwabenland verschlagen hat. Von seiner Heimats­stadt Zlabings (oder Slavonice), in der er 1933 zur Welt kam, berichtet er bis heute begeistert und bezeichnet sie als „südmährisches Rothenburg“. Noch während der Ausbildung zum Maler und Grafiker hat er seinen ersten öffentlichen Auftrag in Kirchheim übernommen, „die Gestaltung des Portals der Ötlinger Friedhofskapelle“. Zu seiner Beteiligung an Ausstellungen nannte er nur eine Zahl: In 30 Jahren waren es allein im Kornhaus 65 Ausstellungen.

Natürlich hatte er auch den Sitzungssaal des Rathauses zur Feier des Tages hergerichtet: mit eigenen Bildern und einer von ihm gestalteten Prachtausgabe der Noten zum Sonnengesang des Franz von Assisi.