Kirchheimer Umland

Das richtige Maß scheint gefunden

Feuerwehr Die Quadratur des Kreises ist in Dettingen gelungen. Das Löschfahrzeug hat wunschgemäß einen Allradantrieb und passt dank Tieferlegung ins Magazin. Von Iris Häfner

Das neue Fahrzeug passt nach Probeparken ins alte Magazin. Foto: Jean-Luc Jacques
Das neue Fahrzeug passt nach Probeparken ins alte Magazin. Foto: Jean-Luc Jacques

Wenn die öffentliche Sitzung des Dettinger Gemeinderats nicht im Rathaus, sondern in der Schlossberghalle stattfindet, muss es dafür einen triftigen Grund geben. Während in der Halle der Judonachwuchs Purzelbäume schlägt, füllen sich ein Stockwerk höher die Stuhlreihen im Silchersaal. Zwar ist keine einzige Uniform zu sehen, doch die Freiwillige Feuerwehr ist mit ordentlicher Mannschaftsstärke vertreten. „Feuerwehrkonzeption, Beschaffung eines Löschfahrzeugs LF  20, Förderantrag und Finanzplanung“, lautet der erste Tagesordnungspunkt der Sitzung.

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Seit rund drei Jahren befasst sich der Gemeinderat regelmäßig mit den Belangen der Feuerwehr, denn es stehen Investitionen an. Das alte Löschfahrzeug verdient dieses Attribut - es ist Baujahr 1984 und muss deshalb unstrittig in naher Zukunft durch ein neues ersetzt werden. Die Feuerwehr hat diesbezüglich konkrete Vorstellungen. Ein LF  20 mit Allrad soll es sein. Die Crux: Die Standardausführung dieses Typs passt nicht ins Magazin. Und damit ist die nächste Baustelle thematisiert, denn in Bahnhofsnähe soll mittelfristig ein Neubau entstehen. Je nach Finanzlage der Gemeinde soll nach jetzigem Stand das Gebäude zwischen 2020 und 2025 realisiert werden. Ob das 33-jährige LF 16 TS so lange durchhält, ist jedoch fraglich, weshalb das LF  20 möglichst rasch beschafft werden soll. Aber für nur wenige Jahre einen Anbau ans Magazin finanzieren, das im Rathaus integriert ist?

„Es ging leidenschaftlich zur Sache bis zuletzt. Aber jetzt ist die Quadratur des Kreises doch noch gelungen“, erklärte Bürgermeister Rainer Haußmann. Die Feuerwehr in Baltmannsweiler brachte den Stein ins Rollen, denn sie hat ein tiefergelegtes Modell des Dettinger Wunschfahrzeugs in seinem Fuhrpark. Mit dem traten die Floriansjünger die Reise vom Schurwald in Richtung Teck an - und siehe da, das Spezialgefährt konnte im Dettinger Magazin eingeparkt werden. „Der passende Blutdrucksenker zur rechten Zeit“, urteilte der Schultes und übergab das Wort an Jürgen Holder, Kommandant der Dettinger Wehr. „Am Samstag haben wir viel erreicht. Wie haben ein Fahrzeug gesehen, das ins Magazin reinpasst und ausreichend für unsere Belange ist“, sagte er und fügte hinzu: „Wir haben eine Lösung gefunden, die allen gut tut.“

Nicht von der Stange

Noch nie habe sich der Gemeinderat so häufig mit den Belangen der Feuerwehr auseinandergesetzt, erklärte Andreas Hummel. „So viele Emotionen gab es bislang nicht“, sagte er - und lobte die Wehr für ihre ehrenamtliche Arbeit. Doch dann wurde er deutlich: „Zu sagen: Wenn wir kein Allrad bekommen, treten der Kommandant und der Vizekommandant zurück - das geht gar nicht. Das sehe ich ein Stück weit schon als Erpressung an. Ich habe mich unter Druck gesetzt gefühlt - und das hat ja auch gewirkt.“ Umso mehr ist er froh über den Kompromiss, mit dem „alle leben können“.

Alle Seiten und Positionen beleuchtet sieht Ulrike Schweizer. Ihr fiel ein Stein vom Herzen, als die Einigung erzielt werden konnte und „diese tolle Lösung gefunden wurde“. Einen Anbau an das alte Magazin hätte sie für Nonsens gehalten. Wie Andreas Hummel empfiehlt sie, dass sich sämtliche Beteiligte zusammensetzen und „die Dinge bereinigen“. Schließlich hätten sich alle viele Gedanken gemacht - Verwaltung, Feuerwehr und Gemeinderat. Einen klaren Standpunkt äußerte Timo Hertl: „Das Auto muss her, egal, ob es ins Magazin reingeht oder nicht. Ein Anbau wäre die Konsequenz.“

„Mit seinem niedrigen Aufbau ist es kein Fahrzeug von der Stange, deshalb passt es rein. Wichtig ist mir aber auch, dass es förderfähig ist“, stellte Rainer Haußmann klar. Für das Feuerwehrauto sind 450 000 Euro für das Jahr 2019 eingeplant. Dafür gibt es einen Landeszuschuss von 74 000 Euro.

Nach einigem Hin und Her fiel der Beschluss des Gemeinderats einhellig aus. Das Gremium stimmte der Beschaffung eines LF  20 mit Allrad zu. Es beauftragte die Verwaltung, die Feuerwehrkonzeption fertigzustellen und sie dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorzulegen. Zudem wurde die Verwaltung beauftragt, einen Förderantrag für das Fahrzeug zu stellen.