Kirchheimer Umland

Delegierte flüchten aus dem Saal

Zwischenfall Die Versammlung des DRK-Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim ist durch einen Brandalarm unterbrochen worden. Thema bei der Sitzung war unter anderen das Aus für die Schülerbeförderung. Von Thomas Krytzner

Vor der Halle ging es weiter: Nach dem Feueralarm setzte der DRK-Kreisverband seine versammlung draußen dort.Foto:  Thomas Krytz
Vor der Halle ging es weiter: Nach dem Feueralarm setzte der DRK-Kreisverband seine versammlung draußen dort.Foto: Thomas Krytzner

Draußen über 30 Grad, in der Neckartenzlinger Melchiorfesthalle gefühlte 30 Grad: Die Teilnehmer der Versammlung des Kreisverbandes Nürtingen-Kirchheim fächelten sich kühlende Luft zu, als sie den Berichten der Abteilungen lauschten. Doch gerade als Marion Leuze-Mohr, Erste Landesbeamtin und Dezernentin für das Katastrophenschutz- und Feuerlöschwesen im Landratsamt Esslingen, zur Entlastung der Vorstandsmitglieder und der Geschäftsführung des DRK-Kreisverbandes schreiten wollte, ertönte die Sirene der Brandmeldeanlage: Rauch im hinteren Bereich der Melchiorfesthalle hatte den Feueralarm ausgelöst.

Rasch verließen die 75 Delegierten den Saal. Die Feuerwehr aus Neckartenzlingen rückte mit vier Fahrzeugen an und erkundete das Gebäude. Schuld war - so stellte sich heraus - ein überhitzter Schaltschrank für die Beleuchtung. Die Ursache war schnell behoben, und der Qualm verzog sich wieder. Die DRK-Mitglieder allerdings erlebten aufgrund des Zwischenfalls eine Premiere: Die Entlastung der DRK-Führung wurde kurzerhand im Freien auf dem Parkplatz der Melchiorfesthalle fortgesetzt.

Zu Beginn der Veranstaltung hatten Rolf Sieber, Kreisverbandspräsident und Jürgen Schöllhammer, stellvertretender Bürgermeister von Neckartenzlingen, noch über die „geheizte Halle“ gewitzelt. Marion Leuze-Mohr lobte das herausragende Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer im Dienste des Deutschen Roten Kreuzes. „Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern, ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich“, betonte sie. Respekt zollte die Erste Landesbeamtin den rund 900 Bürgern, die sich im Kreisverband engagieren. Sie ermunterte die Helfer, bei ihren Bemühungen nicht nachzulassen.

Es gab jedoch auch Anlass zu Enttäuschung: Nach 40 Jahren erfolgreicher Arbeit muss der Kreisverband seine Schülerbeförderung beenden. Grund dafür ist der Verlust von Aufträgen. Klaus Rau, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, bedauert die Betriebsschließung: „60 Mitarbeiter verlieren dadurch ihre Jobs, die Kleinbusse werden nicht mehr benötigt und müssen verkauft werden.“ Ein gut funktionierendes System, mit dem Schüler, Eltern, DRK und der Landkreis als Auftraggeber bisher sehr zufrieden waren, könne nicht mehr fortgeführt werden.

„Die Schülerbeförderung im Landkreis wird künftig ohne gemeinnützige Organisationen stattfinden“, ärgert sich Rau. „Sie war immer weit mehr als ein Transport von A nach B und gehört als wichtiger Baustein zur Daseinsfürsorge und ist Kernaufgabe der Rotkreuzarbeit.“

Wie Klaus Rau berichtete, leisteten die 330 hauptamtlichen Mitarbeiter des DRK im vergangenen Jahr 42 301 Notfalleinsätze, davon 13 646 mit Notarzt. Fast 30 000 Mal war der Krankentransportwagen unterwegs. Größtes Sorgenkind bleibt weiterhin der Fachkräftemangel. „Der leergefegte Arbeitsmarkt und die hohe Fluktuation sind deutlich zu spüren und führen zu Stilllegungen von Fahrzeugen“, bedauerte der Verbandschef. Mit der Erhöhung der Ausbildungsstellen von zwölf auf 15 will der Kreisverband möglichst schnell in normales Fahrwasser kommen, wie Klaus Rau betonte.

Er zeigte sich erfreut, dass alle Auszubildenden des Jahrganges 2018 dem Unternehmen treu geblieben sind. Die neue Rettungswache in Nürtingen wurde in Betrieb genommen und dient in Baden-Württemberg als Beispiel für alle neu zu errichtenden Rettungswachen. Der Rettungsdienst im Kreisverband Nürtingen-Kirchheim kann auf acht Notarzteinsatzfahrzeuge und 23 Rettungswagen zugreifen. Weiter stehen den Rettungskräften je ein Schwerlastrettungs- und ein Schwerlastkrankentransportwagen zur Verfügung. Ergänzend können Patienten in 18 Krankentransportwagen verladen werden. Für größere Einsätze stehen zwei Kommandowagen sowie ein Transporter für Logistik und Material bereit.

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