Kirchheimer Umland

Den Respekt vor der Vergangenheit lernen

Geschichte Uli Burkhardt hat die Spuren seiner Vorfahren auf einer Erinnerungstafel verewigt.

Uli Burkhardt hat die Eckdaten der eigenen Familiengeschichte auf einer Tafel skizziert. Foto: Volkmar Schreier
Uli Burkhardt hat die Eckdaten der eigenen Familiengeschichte auf einer Tafel skizziert. Foto: Volkmar Schreier

Schlierbach. Inmitten der Schlierbacher Streuobstwiesen lädt seit Kurzem eine Tafel am Feldweg zwischen den Schlierbacher Tennisplätzen und dem Wald nach Kirchheim Radfahrer und Spaziergänger ein zu einem Rendezvous mit einem kleinen Stückchen Schlierbacher Dorfgeschichte. Doch was steckt hinter dieser »Installation zur Erinnerung an vergessene alte Zeiten«?

Wenn Uli Burkhardt ins Erzählen kommt, wird Geschichte lebendig. Burkhardt, gebürtiger Stuttgarter, geht zurück zu seinen familiären Wurzeln, die eng mit Schlierbach verknüpft sind. Zentraler Dreh- und Angelpunkt seiner Kindheitserinnerungen ist das Haus seiner Großeltern mütterlicherseits, das früher in der Schlierbacher Seestraße 21 stand - und nun auf der Erinnerungstafel verewigt ist.

„Meine Mutter war mit uns Kindern in den 50er-Jahren monatelang in Schlierbach, um sich auf dem Bauernhof ihrer Mutter nützlich zu machen“, erzählt Burkhardt. Aus dieser Zeit sind viele Erinnerungen geblieben, etwa an den selbst gebauten Trecker seines Opas, der aus alten Omnibusteilen entstanden war. „Ich als kleiner Junge war immer und überall mit dabei.“

Burkhardts Mutter ist im vergangenen Sommer verstorben, und mit ihrem Tod begann Uli Burkhardt, sich mit der Geschichte seiner Vorfahren zu beschäftigen. „In jungen Jahren interessiert man sich nicht für seine eigene Familiengeschichte, man hat ja auch gar keine Zeit dafür“, erklärt der jung gebliebene End-60er. Das große Stichwort ist für ihn die Erinnerungskultur, „den Respekt vor der Vergangenheit zu lernen“, wie er sagt.

Die eigene Familiengeschichte, soweit Burkhardt sie zusammengetragen hat, weist weit über Schlierbach oder Stuttgart hinaus. Denn sein Großvater väterlicherseits war Missionar in Surinam, ebenso wie schon sein Urgroßvater. Auch der Bruder seiner Schlierbacher Oma war Missionar, allerdings in Borneo. Burkhardt möchte diese Geschichte in Buchform bringen: „Es soll ein Buch sein, das vermeintliche alte und bekannte Themen, die man in Europa lange hinter sich gelassen glaubte, mit neu in Erscheinung getretenem Material und Bildern auffrischt.“ Den Rahmen hierfür soll die Burkhardtsche Familiengeschichte bilden.

Die letzte physische Verbindung nach Schlierbach ist nun gekappt: Das Wiesengrundstück, auf dem nun die Erinnerungstafel steht, war das letzte Stück Schlierbacher Besitzes von Burkhardt. Die Gemeinde hat die Wiese gekauft, und in Schlierbachs Bürgermeister Paul Schmid hat Burkhardt einen Mitstreiter in Sachen Erinnerungskultur gefunden. Schmid fand die Idee, an dieser Stelle eine Tafel aufzustellen, von Beginn an unterstützenswert, passt sie doch zum Schlierbacher historischen Ortsrundgang. Und auch Paul Schmid erzählt, dass er sich in jüngster Zeit wieder mehr mit seiner eigenen Familiengeschichte beschäftigt.

Für beide ist der Verkauf der Wiese übrigens eine Win-win-Situation: Die Gemeinde Schlierbach braucht die Wiese als Ausgleichsfläche in Sachen Naturschutz. Und Uli Burkhard kann mit dem Erlös sein Buchprojekt in Angriff nehmen: „Ich möchte etwas weitergeben.“Volkmar Schreier

Anzeige