Kirchheimer Umland

Den Sprung ins kalte Wasser gewagt

Präsentation Beim ersten Sommerfest „Links am Bach“ des Unternehmerinnen-Stammtisches stellen Frauen aus Kirchheim und Umgebung ihr „Herzensbusiness“ vor. Von Sabrina Kreuzer

Beim Sommerfest „Links am Bach“ konnten sich die Gäste nicht nur über die Arbeit der Unternehmerinnen informieren, sondern in ei
Beim Sommerfest „Links am Bach“ konnten sich die Gäste nicht nur über die Arbeit der Unternehmerinnen informieren, sondern in einem der Workshops Mala-Ketten knüpfen.Fotos: Sabrina Kreuzer

Unter dem Motto „23 Frauen stellen ihr Herzensbusiness vor“ haben sich Unternehmerinnen in Ötlingen beim Sommerfest „Links am Bach“ teilweise das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Web-Designerin Ellen Hermsdorff aus Wernau hat sich gerade selbstständig gemacht: „Ich habe noch keine Flyer oder Visitenkarten, aber heute wollte ich trotzdem kommen, um einfach zu schauen, wie so etwas abläuft.“

Denn genau das ist das Ziel des Unternehmerinnen-Stammtischs. „Wir möchten uns gegenseitig unterstützen und motivieren“, erklärt Ivanka Roxeno. Die Fotografin und Visagistin ist im Organisationsteam für das Sommerfest und erzählt, wie die Frauen sich gefunden haben: „Der Großteil hat sich über Facebook kennengelernt. Dort ist man in verschiedenen Gruppen übereinandergestolpert.“ Seit Herbst 2017 treffen sich die Unternehmerinnen einmal im Monat im Bistro von Rita Hess: „Wir sind mittlerweile 35 Frauen. Interessierte sind immer willkommen.“ Dabei ist es egal ob alter Hase oder Frischling - es geht um den Austausch und die Vernetzung. Die gegenseitige Hilfe bei Themen wie Steuer, Genossenschaften oder Werbung ist für sie selbstverständlich.

Jeden Monat stellt sich mindestens eine der Unternehmerinnen vor. So können sie die Selbstpräsentation üben und den anderen zeigen, wofür ihr Herz schlägt. Es geht dem Stammtisch darum, dass sich jede mit dem beschäftigt, was sie liebt. Für Daniela Uzelac ist ihr Beruf nicht nur Arbeit, sondern Berufung. Die Kosmetikerin und dermazeutische Hautpflegespezialistin betreibt seit 2016 ein Studio in Plochingen. Sie hat sich auf Problemhaut spezialisiert, wichtig ist ihr die kontinuierliche Behandlung: „Nehmen meine Kunden meine Ratschläge an und nutzen die Produkte, können wir gemeinsam das Hautbild verbessern.“ Bevor sie sich selbstständig gemacht hat, arbeitete sie zehn Jahre als Kosmetikerin. Die Entscheidung zur Selbstständigkeit war für sie wie ein Sprung ins kalte Wasser: „Ich wollte das machen, was ich bin, und mich ausleben. Das ging mit einem Chef nicht. Also bin ich wie eine kleine Katze ins Wasser gesprungen und habe schwimmen gelernt.“

Für die Kirchheimer Heilpraktikerin und Physiotherapeutin Silke Kollender war die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Herausforderung. „Meine Kinder sind jetzt Jugendliche, aber vor fünf Jahren hätte ich mich wahrscheinlich nicht lösen können.“ In ihrer Praxis kümmert sie sich mit sanften und achtsamen Techniken überwiegend um Schmerzen am Bewegungsapparat. „Meine Hände sind mein Werkzeug“, meint sie schmunzelnd. „Um meine Patienten von ihren Schmerzen zu befreien, zeige ich ihnen bewusste und schmerzfreie Übungen.“ Das ist das A und O ihrer Arbeit: Die Patienten sollen das Schöne betonen und sich selbst spüren.

Um ein ganz anderes emotionales Umfeld geht es bei der freien Trauerrednerin Katharina Schenk: „Wenn jemand aus der Kirche ausgetreten ist, kommt zur Bestattung kein Pfarrer“, erklärt sie. An dieser Stelle kommt sie ins Spiel. „Ich spreche mit den Angehörigen und frage viel über den Verstorbenen. Was waren seine Spleens? Wie hat er für Lacher gesorgt?“ Sie wird oft gefragt, ob sie den Verstorbenen gekannt habe, denn ihre Reden berühren die Trauergäste und bringen sie sogar zum Schmunzeln. Das ist ihr wichtig, die Angehörigen sollen ihre Lieben in guter Erinnerung behalten. „Dafür verteile ich nach der Rede Heilsteine. Jeder Gast darf sich einen aussuchen, ihn fest in der Hand halten und dann an die geliebte Person denken“, sagt Katharina Schenk. „Außerdem möchte ich den Familien näherbringen, dass es durchaus erlaubt ist, die Urne selbst zum Grab zu tragen.“ Das wissen viele Angehörige nicht, aber der gemeinsame letzte Gang helfe vielen, sich zu verabschieden. Die Unternehmerinnen haben alle den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, ob als zweites Standbein oder hauptberuflich. Sie leben für ihre Arbeit und machen das, was sie lieben: „Herzensbusiness“ eben.

Leckeres Essen gab es für die Besucherinnen des Sommerfests von Rita Hess aus Wernau. Die Initiatorin des Stammtischs betreibt e
Leckeres Essen gab es für die Besucherinnen des Sommerfests von Rita Hess aus Wernau. Die Initiatorin des Stammtischs betreibt ein Bistro in Wernau.
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