Kirchheimer Umland

Der Brückenbauer

Hamza Saidi übersetzt in seiner Freizeit für Flüchtlinge, die in Kirchheimer Unterkünften leben

Hamza Saidi ist einer von vielen ehrenamtlichen Dolmetschern, die den Flüchtlingen in Kirchheim eine Brücke in ihr neues Leben bauen wollen. Ohne ihn und seine meist arabischstämmigen Kollegen geht in den Flüchtlingsunterkünften längst nichts mehr.

Hat ein offenes Ohr für die Nöte der Flüchtlinge: Hamza Saidi (Zweiter von links).Foto: Markus Brändli
Hat ein offenes Ohr für die Nöte der Flüchtlinge: Hamza Saidi (Zweiter von links).Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Vor der Kreissporthalle in der Boschstraße flattert Wäsche im Wind. Aus dem großen Zelt weht Essensgeruch. Drinnen liegen Männer auf Stockbetten, aufgehängte Leintücher sollen für ein wenig Privatsphäre sorgen. Die Kreissporthalle ist ein trostloser Ort, ein Ort, der wenig Abwechslung bietet. Kein Wunder, dass Hamza Saidi von den Männern begrüßt wird wie ein alter Freund. Hamza war selbst Flüchtling. Heute hilft der 22-Jährige, wo er kann.

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In der Kreissporthalle ist Hamza heute als Dolmetscher unterwegs. Spontan, ohne feste Termine. Er beantwortet Fragen, übersetzt Dokumente, hat ein offenes Ohr für die Probleme der Männer. Die meisten beschäftigen dieselben Fragen: Wann kommen wir aus der Sporthalle he­raus? Warum dürfen wir unsere Familien noch nicht nachholen? Wo bekommen wir Arbeit? Ali und Mohammed, die mit Hamza an einem Tisch im Essenszelt sitzen und Tee aus Plastikbechern trinken, kommen aus Syrien. Sie sind in großer Sorge um ihre Frauen und Kinder. Andere Prob­leme wie die Enge in der Sporthalle und das etwas ungewohnte Essen sind für sie zweitrangig.

Hamza Saidi ist schon seit vielen Jahren ehrenamtlich aktiv. Er war ein Kind, als er nach Deutschland kam, gerade mal acht Jahre alt. Aufgewachsen ist er in Kirchheim. Dass er heute anderen Flüchtlingen hilft, ist für den Mechatronik-Student eine Selbstverständlichkeit. „Ehrenamtliche haben früher viel für mich getan. Ich finde, das ist das Mindeste, was ich zurückgeben kann“, sagt er. Vom Dolmetschen profitiere auch er, indem er sein Hocharabisch verbessere, sagt er lächelnd.

Hamzas Engagement beschränkt sich jedoch nicht nur aufs Übersetzen. Er zeigt den Flüchtlingen die Stadt, leitet gemeinsam mit einem Theaterpädagogen eine Theatergruppe. Der talentierte Breakdancer nimmt Tanzbegeisterte auch zum Training ins Mehrgenerationenhaus Linde mit. Zudem begleitet er seine Freundin, die hauptamtlich in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist, um Sprachpatenschaften zwischen Flüchtlingen und Kirchheimern zu vermitteln. Die sind sehr populär, weil es immer wieder an Sprachkursen fehlt.

Mittlerweile ist der Tisch, an dem Hamza, Ali und Mohammed sitzen, umringt von Männern. Jeder hat etwas auf dem Herzen. Alle eint ihre Dankbarkeit für Menschen wie Hamza, die sich für sie Zeit nehmen und ihnen zuhören. Gerne würden die Männer etwas zurückgeben, übersetzt Hamza. „Sie wollen nicht, dass man ihnen in Deutschland alles gibt. Sie wollen arbeiten, sich revanchieren“.

Ehrenamtlicher Dolmetscher f?r Fl?chtlinge in Kreissporthalle,   Asyl, Asylbewerber, Ehrenamt,
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