Kirchheimer Umland

Der coole Foodtruck wird heiß erwartet

Gastronomie Mauro Revelant, Chef des Kirchheimer Eiscafés Italia, klappert mit seinem „Eistaxi“ Gewerbebetriebe in der Bohnau und im Kruichling sowie Ortschaften im Kirchheimer Umland ab. Von Anke Kirsammer

Mmh, ist das lecker! Kinder und Erwachsene freuen sich gleichermaßen, wenn Mauro Revelant mit seiner mobilen Eisdiele kommt.Foto
Mmh, ist das lecker! Kinder und Erwachsene freuen sich gleichermaßen, wenn Mauro Revelant mit seiner mobilen Eisdiele kommt.Foto: Anke Kirsammer

Erwartungsvoll winkend steht eine Traube von Frauen am Straßenrand. Mauro Revelant nimmt den Fuß vom Gas. „Hier wartet normalerweise niemand“, sagt er. Doch so viel Zeit muss sein. Er zieht die Handbremse seines mit bunten Früchten und Eistüten beklebten Kleinbusses und klettert zwischen den Vordersitzen nach hinten in das Herzstück der fahrenden Eisdiele. Rasch den Deckel der Truhe aufgeklappt, und der Verkauf von Mango-, Vanille-, Melonen- eis und all den anderen fruchtigen oder cremigen Sorten beginnt. Die meisten Kunden gönnen sich zwei Kugeln an diesem brüllend-heißen Werktag, manche holen sich sogar einen Nachschlag. Geschickt kratzt der 59-Jährige mit dem Portionierer zart-weißes Joghurt- und Zitroneneis aus den Behältern, steckt ein Löffelchen in den Eisberg und reicht den Becher über die Theke. „Ciao und danke“, ruft er dem Arbeiter durchs offene Fenster hinterher, der sich mit seinen Kollegen auf den Weg zur Betriebsversammlung macht. Gut gelaunt lässt sich der Kunde das Eis auf der Zunge zergehen. Es herrscht Urlaubsfeeling. „Ja, alle Leute sind glücklich, wenn ich komme“, sagt Mauro Revelant, der sich mit dem Wagen einen lang gehegten Wunsch erfüllt hat. Obwohl er mit seinem „Eistaxi“ erst wenige Wochen unterwegs ist, hat der rollende Italiener bereits jede Menge Stammkunden, die ihn heiß erwarten. Das Eis zum Schmelzen bringt meist bereits beim ersten Auftauchen der Schriftzug „Eisdiele an der Maff“ auf dem Fahrzeug, denn Mauro Revelant ist in Kirchheim kein Unbekannter: Der Italia-Chef betreibt seit 1997 Eiscafés in der Teckstadt.

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Die Route beginnt in der Bohnau. „Es macht uns happy, dass er jeden Tag dasteht“, sagt der Angestellte eines größeren Kirchheimer Unternehmens. Am Ende der Mittagspause holt er sich mit seinen Kollegen regelmäßig ein Eis als Nachtisch. Wieder klingelt das Handy. „Das ist heute ein richtiger Stress. Alle wollen Eis“, meint Mauro Revelant lachend. Ein Firmenchef hat ihn bestellt, um seinen Mitarbeitern ein Eis auszugeben, die Angestellte eines anderen Betriebs spendiert eine Runde anlässlich ihres Geburtstags.

Erfrischende Zitrone wandert bei Temperaturen von über 30  Grad besonders häufig in die knusprigen Eistüten. Auch Himbeere ist der Renner. „Heute habe ich Cassis gemacht“, sagt Mauro Revelant und findet dafür zahlreiche Abnehmer. „Die Leute probieren. Das ist anders als früher.“ Ob Schokolade mit Chili oder Joghurt mit Honig und Nüssen - der Italiener lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen. Ideen holt er sich in Seminaren, aus Büchern, oder er tauscht sich mit Kollegen aus. Jeden Morgen steht er fünf bis sechs Stunden im Eislabor und rührt die erfrischenden Köstlichkeiten an. Hineinkommen nur beste Zutaten: Fruchteis stellt er mit frischem Obst oder aus pürierten Früchten her. Aroma- , Farb- oder Konservierungsstoffe sucht man in der zart schmelzenden Masse vergeblich. Frisch schmeckt Eis am allerbesten“, betont der Experte.

Mit einem freundlichen Klingeln kündigt sich Mauro Revelant bei der nächsten Station an und fährt rechts ran. Meist dauert es nur wenige Augenblicke, bis die Türen aufgehen und die Leute strömen. „Wir hatten schon Angst, dass wir Sie nicht hören“, sagt eine Frau, die es mit ihren Kollegen kaum erwarten kann, dass der Eismann die Arbeit am Nachmittag versüßt. „Ja, heute bin ich spät dran“, räumt der 59-Jährige ein. Evrim Varan, dessen Arbeitgeber sich Mitte Mai im Kirchheimer Kruichling angesiedelt hat, schleckt genüsslich an der Kombi aus Mango und Erdbeere. „Das ist das beste Eis in ganz Kirchheim. Das können Sie ruhig schreiben. - Es ist weltklasse.“

Die gute Stimmung lässt Mauro Revelant vergessen, wie viele Stunden er tagtäglich außer dienstags in diesem Sommer arbeitet. „Es macht Spaß, sonst würde ich es nicht machen.“ Bis in den September hinein will er die Kunden vor der Haustür beliefern. Im Herbst zieht er sich für eine längere Siesta in seinen Heimatort Belluno in den Dolomiten zurück. „Im Winter muss man eine Pause machen, damit die Leute im Frühjahr wieder Lust haben, Eis zu essen“, so lautet das Patentrezept des Italieners, der bereits seit über 20 Jahren Eiscafés in Kirchheim betreibt.

Am Wochenende wird der coole Foodtruck häufig für Feste geordert, und Mauro Revelant baut in den umliegenden Dörfern ein paar Extraschleifen ein. Auch unter der Woche klappert er die Ortschaften im Lenninger Tal, Wohngebiete in Nabern und den meist gut frequentierten Bissinger See ab. Dort verkaufen sich auch die aufwendigeren Kreationen. Das Angebot ist zwar nicht ganz so vielfältig wie in der Innenstadt, doch Klassiker wie Spaghettieis, Schoko-, Erdbeer- und Bananenbecher sowie die Smartiestüte bietet er auch in seiner mobilen Eisdiele an.

„Schpitazie!“ Ich möchte „Schpitazie!“, ruft ein Kind im Dettinger Wohngebiet Goldmorgen, als der Wagen dort einen Stopp einlegt. Und nicht nur der Kleine ist glücklich, als er die ersehnte Waffel mit Pistazieneis in der Hand hält. Auch die Mutter gönnt sich ein Eis und schwärmt: „Herrlich. Das ist wie früher.“

Eisdiele im Kleinformat: Auf engem Raum hat Mauro Revelant in seinem Wagen alles zur Hand, was er benötigt.Foto: Carsten Riedl
Eisdiele im Kleinformat: Auf engem Raum hat Mauro Revelant in seinem Wagen alles zur Hand, was er benötigt.Foto: Carsten Riedl