Kirchheimer Umland

„Der Euro wird verschwinden“

Europa „Bis 2001 war ich Turbokapitalist“, sagt Marc Friedrich. Heute leistet er mit Matthias Weik wirtschaftliche Aufklärung in Büchern und Vorträgen. Von Peter Dietrich

Matthias Weik (links) und Marc Friedrich klären in der Stadthalle über den Euro auf. Foto: Peter Dietrich
Matthias Weik (links) und Marc Friedrich klären in der Stadthalle über den Euro auf. Foto: Peter Dietrich

Wie werden Staatsschulden getilgt? Für Marc Friedrich und Matthias Weik gibt es dafür vier Methoden. Diese stellten sie bei ihrem Vortrag beim Infotag des WUD in der Kirchheimer Stadthalle vor. Die erste sei rein theoretisch: Noch nie in der Geschichte seien die Staatsschulden tatsächlich zurückgezahlt worden. „Wenn nicht mal Deutschland in Rekordjahren eine Entschuldung schafft, wie soll es dann erst Griechenland schaffen?“ Die zweite Methode werde derzeit versucht, es ist die Inflation. Hoffentlich, sagen sie, funktioniert sie. Denn die dritte Methode ist schon etwas brutaler. Sie heißt Währungsreform. Sie ist aber noch immer besser als die vierte und letzte Methode. Die hört auf den Namen Krieg.

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EZB schwemmt den Markt

Eines der vielen Diagramme, die die beiden Referenten präsentierten, bezog sich auf Italien: Die Schulden seien so hoch wie nie zuvor, zugleich sind die Zinsen niedrig. Mit ihrem Aufkaufprogramm - jeden Monat 60 Milliarden Euro - schwemmt die Europäische Zentralbank den Markt mit billigem Geld. Müsste Italien die früher üblichen Zinsen bezahlen, wäre das Land pleite. Deshalb erwarten die beiden Referenten, dass die Zinsen noch lange im Keller bleiben. Mit den bekannten Folgen: Weil das viele herumirrende Geld irgendwo angelegt sein will, kommt es zu Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten. Ohne Zinsen funktioniert die private Altersvorsorge nicht mehr, inklusive Riester. Solide Banken verlieren die Zinsmarge, von der sie bisher gelebt haben. Deshalb steigen die Gebühren - und die Beiträge der privaten Krankenkassen, denen die Zinsen bei den Rückstellungen fehlen.

„Wer glaubt, dass die Euro- und Bankenkrise vorbei ist?“ Die Hände in der Stadthalle bleiben unten. Die Referenten glauben es auch nicht, sie sei nur mit Experimenten in die Zukunft verschoben. Starke und schwache Volkswirtschaften in einem Zins- und Währungskorsett zusammenzubinden, das könne nicht funktionieren. „Der Euro ist zu stark für Südeuropa und zu schwach für Deutschland.“ Die Vorbereitungen für den nächsten Crash sind nach Beobachtungen von Marc Friedrich und Matthias Weik längst im Gange. Der Umgang mit Bargeld werde eingeschränkt, es gibt eine neue Enteignungsklausel und bei 100 000 Euro setzt die Haftung der Kunden für ihre Banken ein.

Die Industrie 4.0 wird nach Ansicht der Referenten für eine hohe Arbeitslosigkeit sorgen, vor allem bei weniger Qualifizierten. Der Wandel komme schnell und vernichte die Mittelschicht: Einer steige auf, neun stiegen ab. Die Sozialleistungen nehmen ab, die Migration nimmt zu. Das liegt auch an der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa. „Die Ausbildung der jungen Menschen wurde dort bezahlt, die jungen Leute fehlen dort.“ In den USA erwarten die Referenten das Platzen der Studenten- und Automobilkreditblase.

Warum zahlt das große schwedische Möbelhaus in Deutschland nur so viel Steuern wie ein einziger Kirchheimer Schreiner? Weil Juncker in Luxemburg die größte Steueroase Europas gegründet habe. Die Referenten hingegen wollen 31 verschiedene Steuern durch eine einzige Konsumsteuer ersetzen. „Unser jetziges Steuersystem bevorteilt die Großen statt die Kleinen und Maschinen statt Menschen“, sagen sie. Sie fordern außerdem ein strenges Regelwerk für die Finanzmärkte und eine EU als Wirtschaftsunion, dazu ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Marc Friedrich und Matthias Weik nahmen bei ihrem Vortrag kein Blatt vor den Mund: „Die Politiker fahren den Karren gegen die Wand. Der Euro wird verschwinden“, prophezeien sie.

Tipps von den Finanzprofis

Wie soll der Einzelne in der aktuellen Situation handeln? Keine Schulden machen: „Kaufen Sie nur, was Sie sich leisten können“, raten Marc Friedrich und Matthias Weik. Er solle statt in Papier lieber in Sachwerte investieren - und sei es eine Streuobstwiese oder Whisky. Außerdem könne er sein Geld in Bildung und Gesundheit stecken - in seine eigene und die seiner Kinder. pd