Kirchheimer Umland

Der ganze Ort zieht an einem Strang

Advent Der Notzinger Weihnachtsmarkt ist seit 38 Jahren ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt. Die Idee kommt von Reinhold Steigk und der Concordia. Von Katja Eisenhardt

Archiv-Foto: privat

Auf dem Tisch in Reinhold Steigks Wohnzimmer liegen dicke Ordner mit fein säuberlich sortierten Unterlagen zum Notzinger Weihnachtsmarkt. Immer wieder zieht der mittlerweile 83-jährige Ideengeber und Gründer der Traditionsveranstaltung Fotografien aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten heraus – vom Markt, den zahlreichen Besuchern und Mitwirkenden an ihren Ständen und beim bunten Rahmenprogramm oder auch vom seit 39 Jahren bestehenden gemeinsamen Adventssingen am Markttag.

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Der Weihnachtsmarkt, das ist eine Herzensangelegenheit für Reinhold Steigk und seine Leitungsteamkollegen Adelheid Jost und Wolfgang Kalmbach. Das merkt man während des Gesprächs sehr schnell.

Wolfgang Kalmbach ist seit 1980 mit von der Partie, darunter über 30 Jahre als Knecht Ruprecht, der gemeinsam mit dem Nikolaus alljährlich für leuchtende Kinderaugen sorgt: Bei der Bescherung bekommen alle Kinder eine Tafel Schokolade und einen Apfel – jeweils gut 250 Stück werden benötigt. Heute organisiert und moderiert er die Großveranstaltung. Als Knecht Ruprecht sei er mittlerweile „in Rente gegangen“. Adelheid Jost engagiert sich seit zehn Jahren für den Weihnachtsmarkt. Gemeinsam mit Wolfgang Kalmbach unterstützt sie seit 2012 Gründer Reinhold Steigk bei der Organisation und hat dort die Federführung in der jährlichen Spendenprojektauswahl und -betreuung übernommen. Alleine schaffe er das alles mittlerweile dann doch nicht mehr, sagt Reinhold Steigk. Nach wie vor kümmert sich der 83-Jährige tatkräftig und routiniert um die Verwaltung der Finanzen, begibt sich auf Sponsorensuche oder ordert die Garnituren für die Stände: „Alles, was vom Telefon aus machbar ist.“

Foto: Katja Eisenhardt

Den Gesamtüberblick hat Reinhold Steigk nach wie vor. Reduziert habe er seine Aufgabenbereiche zwar, komplett aufhören, das gehe dann aber doch nicht: „Da würde mir einfach was fehlen.“

Angefangen habe alles mit einer Kinderweihnachtsfeier in der Gemeindehalle, die ebenfalls vom Gesangverein Concordia ausgerichtet wurde, dessen Vorstand Reinhold Steigk 27 Jahre lang war. „Die Grundidee war 1979, eine Weihnachtsfeier in den öffentlichen Raum zu verlagern. Da gab es die Kinderweihnachtsfeier schon gut zehn Jahre“, erinnert sich Steigk. 1979 gab es dann das erste gemeinsame Adventssingen vor dem Rathaus, ein Jahr später kam der Weihnachtsmarkt dazu, dann vor der Schule und als Nachfolge für die Kinderweihnachtsfeier.

Die fünf gemeinsam gesungenen Lieder seien bis heute dieselben, darunter Klassiker wie „Alle Jahre wieder“ oder „O Tannenbaum“. Für die musikalische Begleitung sorgt beim Adventssingen die Jugendkapelle des Musikvereins.

Von Anfang an sei es kein kommerzieller Markt gewesen, sondern ausschließlich von Notzinger und Wellinger Vereinen, Organisationen und Institutionen ausgerichtet, die allesamt ihren Erlös für einen karitativen Zweck spendeten. Aus den anfangs 16 Marktständen sind seit zehn bis 15 Jahren gut 25 geworden. Seit dem ersten Weihnachtsmarkt konnten rund 165 000 Euro gespendet werden. In den geraden Jahren werden dabei stets lokale und regionale, in den ungeraden Jahren internationale Projekte bedacht.

In diesem Jahr fiel die Wahl gemeinschaftlich mit allen Beteiligten auf drei Afrika-Projekte. „Ich fahre das ganze Jahr über meine Antennen aus und lese sehr viel. So kommt es zu den Vorschlägen oder sie werden an mich herangetragen“, erklärt Adelheid Jost. Wichtig: Es muss einen Ansprechpartner geben, der dann auch auf dem Weihnachtsmarkt über sein Projekt informieren kann „und es muss um eine konkrete Sache gehen“. In diesem Jahr stehen die Stärkung der Infrastruktur Afrikas und die Bekämpfung von Fluchtursachen im Fokus.

Weitere Infos: www.notzinger-weihnachtsmarkt.de

Alle Daten zum Notzinger Weihnachtsmarkt

Der 38. Notzinger Weihnachtsmarkt findet am zweiten Advent statt. Das ist der 10. Dezember. Um 14 Uhr öffnet der Markt auf dem Kelterplatz seine Pforten.

Der Zeitplan sieht folgendermaßen aus: 15 Uhr: Chöre der Concordia; 15.15 Uhr: Ansprachen von Bürgermeister Sven Haumacher, Pastoralreferent Reinhold Jochim und den Sprechern der Projekte; 15.30 Uhr: Kindergarten Alemannenweg, Bescherung durch den Nikolaus; 15.50 Uhr: Grundschule Kinderchor Nokicho, Bescherung durch den Nikolaus; 16.20 Uhr: Chor der Neuapostolischen Kirche; 16.40 Uhr: Jugendkapelle des Musikvereins, gemeinsames Weihnachtsliedersingen.

Die Spenden gehen in diesem Jahr an internationale Projekte. Unter dem Motto „Afrika unterstützen - Hilfe für Vergessene“ werden die Einnahmen aus dem Weihnachtsmarkt unter dem Kinderwaisenheim und Kinderschulzentrum „Peace Matunda“ in Tansania, Kleinbauern in Burkina Faso sowie den namibischen Projekten „Chain – Children with Handicaps“ und „Mayana Mpora – Unterstützung für arme Kinder auf dem Land“ aufgeteilt.