Kirchheimer Umland

Der Gemeinderat verjüngt sich

Generationenwechsel Johannes Stulz und Hermann Pölkow verlassen das Dettinger Gremium. Die Verabschiedung im Ratsrund lief nicht kritische Anmerkungen ab. Von Iris Häfner

Hermann Pölkow und Johannes Stulz haben den Gemeinderat verlassen. Für sie rücken Stefan Russ und Julia Leins nach. Bürgermeiste
Hermann Pölkow und Johannes Stulz haben den Gemeinderat verlassen. Für sie rücken Stefan Russ und Julia Leins nach. Bürgermeister Rainer Haußmann hieß sie willkommen (von links).Foto: Jean-Luc Jacques

Einen Doppelwechsel gab es in der Sitzung des Dettinger Gemeinderats vor der Sommerpause. Hermann Pölkow, SPD, nutzte seine Abschiedsrede, um seine ganz persönliche Meinung über seinen Bürgermeister loszuwerden.

Zunächst schlug er moderate Töne an. Er, der Älteste aus der Runde, geht. Seinen Stuhl eingenommen hat die Jüngste, womit das Gremium auch weiblicher geworden ist. „Loben war noch nie meine Stärke, es ist mein Handicap“, gab er sich selbstkritisch. Seine Arbeit im Gemeinderat hat er nie als Ehre empfunden, sondern als Aufgabe. Schon zu Zeiten von Bürgermeister Günter Fischer war Hermann Pölkow im Ratsrund, ehe er aus beruflichen Gründen zum ersten Mal ausschied. „Die Sitzungen waren damals wesentlich harmonischer“, sagte der SPD-Mann in Richtung Rainer Haußmann. In der Folge fielen in seiner Rede unter anderem die Worte wie Respekt, Humor und nicht nachtragend. Wenn jemand so fest im Sattel sitze wie Rainer Haußmann als Bürgermeister, könne er doch viel lockerer werden, findet Hermann Pölkow.

"Dettingen hat sich sehr verändert"

Versöhnliche Töne schlug Johannes Stulz an, der ebenfalls das Gremium verlässt. „Dettingen hat sich sehr verändert, es ist ein schöner Ort“, sagte er im Blick auf das Geleistete der vergangen Jahre, an dem er als Gemeinderat beteiligt war. Das Überqueren des Rathausplatzes mit seinem Brunnen erfüllt ihn jedes Mal mit Freude und auch das barrierefrei umgebaute Rathaus weiß er zu schätzen. „Eine Vision, die nie umgesetzt wurde, kann ich aber bis heute nicht so richtig verschmerzen: den Steg über die Bundesstraße. Die Idee finde ich immer noch toll - vielleicht wird sie ja mal wiederbelebt“, erklärte Johannes Stulz. Er sprach vom guten Miteinander in seiner CDU/FWV-Fraktion, auch wenn man nicht immer einer Meinung war. Die Lacher auf seiner Seite hatte er, als er von den guten „Bombola“ sprach, die großzügig auf Tellern auf dem Ratstisch verteilt stehen. Am Ende der Sitzungen hat er regelmäßig zugegriffen und sein „Hemd-Däschle“ gefüllt - für seine Frau.

Zuvor schon hatte Bürgermeister Rainer Haußmann das Wort, als er den ersten Tagesordnungspunkt aufrief. „56 Jahre kommunalpolitische Erfahrung vereinen die zwei Schwergewichte. Beide gehörten rund 28 Jahre dem Gemeinderat an, Johannes Stulz am Stück, Hermann Pölkow mit zehn Jahren Pause. 2009 feierte er sein Comeback“, nannte er die Eckpunkte. In rund 630 Sitzungen haben die scheidenden Räte über 60 Millionen Euro entschieden. Beide hätten unterschiedliche Interpretationen ihrer Aufgabe: polarisierend oder um Ausgleich bemüht. „In Summe ist es die ganze Bandbreite, die zu ausgewogenen Diskussionen führte“, so Rainer Haußmann. Sozialen und ökologischen Themen widmete sich Johannes Stulz, Bauen und Technik waren das Metier von Hermann Pölkow, der auch eine große Stütze im Arbeitskreis Asyl ist.

Ein Dinosaurier geht von Bord

„Ich stehe nur ungern hier. Wir sind traurig, dass du uns nach 28  Jahren verlässt. Ein Dinosaurier geht von Bord - das tut weh“, sagte Andreas Hummel zum Abschied seines Fraktionskollegen Johannes Stulz, den er als Freund und guten Menschen beschrieb. Teamfähig und ausgleichend, immer im Hintergrund zugunsten anderer, so beschrieb er ihn weiter. „Er lässt anderen den Vortritt, behandelt die Menschen respektvoll und ist überschwänglich bei Dank und Lob, die von Herzen kommen“, so Andreas Hummel.

Timo Hertl bedauert den Weggang von Fraktionskollege Hermann Pölkow. „Mit ihm hatten Peter Beck und ich Erfahrung und kompetentes Wissen mit an Bord“, erklärte er. In den vergangenen drei Jahren sei er ihnen ein guter Berater gewesen. Die ehrenamtliche Arbeit habe er mit Überzeugung und Kraft geleistet und viel Zeit investiert. „Hermann Pölkow hat deutlich seine Meinung gesagt und für sie gekämpft“, charakterisierte Timo Hertl den Gemeinderats-Ruheständler.

Info Die Nachrücker sind vereidigt: Stefan Russ hat den Platz für Johannes Stulz bei der CDU/FWV-Fraktion übernommen, Julia Leins sitzt anstelle von Hermann Pölkow für die SPD im Dettinger Gemeinderat.

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