Kirchheimer Umland

Der Hauptmann, der Jesus suchte

Freilichtspiele Das Theaterspielteam setzte auf den Stufen der Jesinger Petruskirche das heitere Drama „Der Hauptmann von Kapernaum“, ein Stück aus dem Neuen Testament, in Szene. Von Rainer Stephan

Alles andere als laienhaft: Die Jesinger Schauspieltruppe treibt enormen professionellen Aufwand, auch hinsichtlich der Kostüme,
Alles andere als laienhaft: Die Jesinger Schauspieltruppe treibt enormen professionellen Aufwand, auch hinsichtlich der Kostüme, Requisite und der Bühnentechnik.

Eine 25-köpfige Schar aus Darstellern und Helfern hat es sich unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde Jesingen zur Aufgabe gemacht, biblische Geschichten einzustudieren und diese mit einem Schuss Humor einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

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Pfarrer Roland Conzelmann begrüßte singend und in Reimen das Publikum. Sogleich startete die Aufführung mit einer Szene, bei der Soldaten in einem Römerlager über ihr schweres Los klagten, in dem der Einzelne bei den Überlegungen der Machthaber keine Rolle spiele.

Die biblische Vorlage für die Erzählung vom Hauptmann von Kapernaum findet sich im Matthäusevangelium in der Reihe der Heilungen und Wunder Jesu. Der verständnisvolle Hauptmann weiß um die Nöte seiner Soldaten. Die Sorge um seinen kranken Diener Livius lässt ihn auf den „Heiler“ Jesus aufmerksam werden. Durch Mirjam, deren Mann Simon bereits dem Menschenfischer als Jünger gefolgt ist und seine schwangere Frau zurückgelassen hat, wird das Interesse des Hauptmanns an Gottes Sohn immer stärker. Beide folgen seinen Spuren und lernen Menschen kennen, die Zeugen der Taten und Werke Jesu sind.

Da war vom reichen Fischfang bei hellstem Tageslicht die Rede. Und vom gelähmten Micha, der über Baruchs aufgerissenes Hausdach hinabgelassen und von Jesus geheilt wurde. Das ließ den Hauseigentümer schlussfolgern: „Gott sieht die Armen, die Ausgebrannten.“

In etlichen Szenen waren die Anstrengungen der Pharisäer erkennbar, Jesus am Kittel zu flicken. Mal war es die Heilung eines Kranken am Sabbath, ein andermal, wie er zu den Unreinen sitzt und mit ihnen isst. Beides störte die Religionsgelehrten gewaltig. Zudem sei er distanzlos, da er zu Gott „Vater“ sage.

Eingespielte Melodien wie „One more light“ der Gruppe Linkin Park unterstrichen wirkungsvoll den Handlungsleitfaden, welcher der leidigen Erfahrung „Wen kümmert es, wenn ein weiteres Licht ausgeht?“ die zentrale Botschaft des aufgeführten Dramas entgegenhält: „Gott liebt dich, du bist ihm wichtig.“

Andreas Schulz - einmal mehr Hauptdarsteller - verkörperte authentisch die Figur des Hauptmanns und Regine Pieck gefiel in der Rolle der Mirjam. Und wie in den vergangenen Jahren schlüpften etliche der gut aufgestellten Mimen in verschiedene Rollen.

Erfreulicherweise war die Reflexion aufs aktuelle Zeitgeschehen in die Handlungsabläufe eingebaut. So wurde bei der Erzählung vom Blindgeborenen auf Parolen marschierender Nazis im Reim deftig gekontert: „Bist du blind, du Vollidiot, aller Menschen Blut ist rot.“ Und beim Zöllner Zachäus, dem miesen Abzocker und Frauengrapscher, reagierten die Frauen geschlossen in „Me Too“-Manier, ehe dann dem auf dem Maulbeerbaum sitzenden Sünder Vergebung zuteil wurde.

Gehörigen Aufwand haben die Veranstalter beim Bühnenbild, der Kostümierung und der Tontechnik betrieben. Sprache und Musik waren stets gut hörbar und die Akteure kamen stilvoll gekleidet daher. Der schnelle Bau von Baruchs Haus verlangte gar einiges an handwerklichem Geschick.

Schlussendlich wurde auch Livius geheilt. All das Geschehene zollte vor allem dem gewonnenen Glauben des Hauptmanns Tribut: „Unter all den Sternen, die am Himmel stehn, wird er, der Herr, dich immer sehn.“ Zu Recht können die Jesinger stolz auf ihr Freilichttheater sein, das mit erstaunlichen Leistungen am idealen Platz so viele Besucher anlockte. Diese spendeten reichlich Geld für ein Krankenhaus in Tansania. Darsteller Reinhold Ambacher dankte in seinem Schlusswort allen Anwesenden und hob das besondere Engagement der Pfarrersfamilie hervor.

Alles andere als laienhaft: Die Jesinger Schauspieltruppe treibt enormen professionellen Aufwand, auch hinsichtlich der Kostüme,
Alles andere als laienhaft: Die Jesinger Schauspieltruppe treibt enormen professionellen Aufwand, auch hinsichtlich der Kostüme, Requisite und der Bühnentechnik.
Auf den Stufen der Jesinger Kirche wurde ein heiteres Bibeldrama aufgeführt. Die Laiengruppe begeisterte über 900 Besucher. Foto
Auf den Stufen der Jesinger Kirche wurde ein heiteres Bibeldrama aufgeführt. Die Laiengruppe begeisterte über 900 Besucher. Fotos: Rainer Stephan