Kirchheimer Umland

Der Schall „wabert“ durch die Halle

Nachbesserung Die Raumakustik in der Schlierbacher Dorfwiesenhalle entspricht nicht den Erwartungen.

Schlierbach. Spielt der Schlierbacher Musikverein in der Dorfwiesenhalle, ist es zwar laut, aber in Ordnung. Spielt eine Theatergruppe, ist jedes Wort gut verständlich. Stehen aber viele Menschen in der Halle und unterhalten sich, schaukelt sich die Lautstärke in die Höhe, und schnell ist der Nebenmann nicht mehr zu verstehen. „Das Problem ist, dass wir im Bereich um die 1 200 Hertz wesentlich längere Nachhallzeiten haben, als darunter“, erklärt der Bauphysiker Jürgen Paech, der die Halle akustisch vermessen hat. Von Nachhallzeiten von über drei Sekunden im für die Verständlichkeit der gesprochenen Sprache wichtigen Frequenzbereich berichtet der Fachmann. Der Schall wabert quasi durch die Halle.

Um die Akustik nun zu verbessern, müssten die Nachhallzeiten der tiefen und höheren Frequenzen angeglichen werden. Dazu schlägt Paech vor, auf der westlichen Hallenwand oberhalb der Wandvertäfelung Akustikplatten auf einer speziellen Unterkonstruktion anzubringen. Die Nachhallzeiten würden sich dann auf etwa 1,2 Sekunden verringern. „Das hat dann aber zu Folge, dass ungeübte Sprecher schneller zum Mikrofon greifen müssen“, beschreibt Paech die Nebenwirkungen der Therapie - es würde dann einfach mehr Schall als bisher absorbiert. Kostenpunkt der Akustikverbesserung: rund 25 000 Euro.

Angesichts der Vorgeschichte der Hallensanierung, bei der durch das Anbringen einer gelochten Wandvertäfelung die jetzigen Probleme eigentlich verhindert werden sollten, zeigte sich der Schlierbacher Gemeinderat zunächst kritisch. „Was uns umtreibt, ist halt die Frage, ob man einer Geschichte, die nicht funktioniert, nochmals 25 000 Euro hinterherwerfen sollte“, brachte Jörn Feldsieper (Freie Wähler) seine Bedenken auf den Punkt. Dass die Räte „gebrannte Kinder in Sachen Akustik“ seien, stellte auch Kurt Moll (CDU) fest, der daran erinnerte, dass bereits die Wandvertäfelung aus gelochten Platten nicht gerade wenig gekostet hätte, aber nichts bringe. „Wenn wir Pech haben, wird es nicht besser.“

„Eine Garantie wie bei einem Auto kann ich Ihnen leider nicht geben“, musste auch Paech einräumen. Wohler wäre ihm auch, wenn wenigstens feststellbar wäre, wa­rum die bisher verbaute Wandvertäfelung nicht ausreicht. „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum die verwendeten Platten nicht so funktionieren wie geplant.“ Andere Alternativen zur Schalldämmung wollte er auf Nachfrage aus dem Ratsrund nicht empfehlen. Ein spezieller Wandverputz sei extrem empfindlich, auch von Vorhängen rät er ab: „Vorhänge sind immer das allerletzte Mittel, wenn gar nichts anderes mehr funktioniert.“

Dennoch ist sich Paech sicher, dass mit den zusätzlichen Schallschutzplatten eine deutliche Verbesserung eintreten wird. Verhalten positiv beurteilte Bürgermeister Paul Schmid die Vorschläge. Eine Garantie für das Gelingen gäbe es nicht, aber: „Ich gehe davon aus, dass es hinterher besser ist.“ Klar sei aber auch: „Wir werden es nicht schaffen, für alle Veranstaltungstypen eine perfekte Akustik hinzubekommen.“ Letztendlich setzte auch der Gemeinderat auf die möglichen Verbesserungen und stimmte geschlossen für die vorgeschlagenen Schritte.Volkmar Schreier

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