Kirchheimer Umland

Dettingen bietet Flächen zum Tausch

Hungerberg Die Gemeinde Dettingen geht in einem nächsten Schritt auf Eigentümer zu, deren Grundstücke auf dem Gebiet des geplanten Gewerbegebiets liegen. Ihr Angebot: Flächen zum Tausch. Von Antje Dörr

Traktor beim Pflügen
Traktor beim Pflügen

Was einmal das Gewerbegebiet Hungerberg werden soll, sieht auf der Visualisierung von Günter Baumann aus wie ein großer Flickenteppich. 132 Grundstücke oder Grundstücksteile würden benötigt, um das Projekt zu realisieren, so der Geoteck-Geschäftsführer in der jüngsten Sitzung des Dettinger Gemeinderats. Nicht selten müssen die Ingenieure Detektivarbeit leisten, denn oft wird erst nach vielen Telefonaten klar, wem welcher Ackerstreifen gehört. „Wir nähern uns dem Zustand an, bald zu wissen, wer die Eigentümer sind“, sagt Günter Baumann. Stand heute sind es 113.

Mehrheit verkaufsbereit

Diese Eigentümer sind in den vergangenen Wochen kontaktiert worden, rückgemeldet haben sich 94 Prozent. In der Sitzung präsentiert der Geoteck-Geschäftsführer „einen schönen Zwischenstand“, wie Bürgermeister Rainer Haußmann es formuliert. Alle Zahlen beziehen sich auf die Zahl der benötigten Grundstücke.

Bei 73 Prozent dieser Grundstücke sind die Eigentümer grundsätzlich bereit, ihre Flächen abzugeben. „Grundsätzlich bereit“ bedeutet im Einzelnen: „Die Eigentümer von 53 Prozent der Flächen sind bereit zu verkaufen. Von zwölf Prozent haben wir eine positive Rückmeldung, aber noch nichts Schriftliches vorliegen. Und acht Prozent wären mit einem Flächentausch einverstanden“, rechnet der Geoteck-Geschäftsführer vor. Bei neun Prozent der Flächen bräuchten die Inhaber noch mehr Bedenkzeit oder hätten sich noch nicht gemeldet. Und bei fünf Prozent sei keine Bereitschaft da, zu verkaufen. „Ich denke, dass es uns gelingt, in nächster Zeit noch das eine oder andere Grundstück grün zu bekommen“, sagte Günter Baumann in Anspielung auf die Visualisierung der Ackerflächen, die je nach Stand der Verhandlungen weiß, hellgrün, dunkelgrün oder rot markiert sind. Am wichtigsten sei nun aber erst einmal das Gespräch mit den Landwirten.

Darauf geht Rainer Haußmann näher ein. Erste Gespräche habe es bereits gegeben. „Wir gehen jetzt aber ganz konkret auf die Dettinger Landwirte zu. Wir werden in der Lage sein, den Dettinger Landwirten für die Flächen, die sie im Eigentum haben, Ersatzflächen anbieten zu können“, sagt der Bürgermeister. Für die Kirchheimer Landwirte bemühe sich die Stadt Kirchheim um Ersatzflächen.

In der Beratung, an der Rainer Löw und Daniel Klein (CDU/FWV) aufgrund von Befangenheit nicht aktiv teilnehmen dürfen, will Maria Häfele (SPD/Grüne) wissen, wo diese Ersatzflächen liegen. „Bekommen die Landwirte Ersatzflächen, die auch von der Bodenqualität entsprechend sind?“, fragt die Gemeinderätin. Günter Baumann nennt keine konkreten Standorte. „Die Gemeinde hat doch noch einiges an Grund und Boden. Da sind wir miteinander durchgegangen“, sagt er. „Inwieweit Bodenklassen eine Rolle spielen, wäre dann im Austausch mit dem Landwirt zu besprechen.“

Erst sind Eigentümer dran

Mit diesen Antworten will sich Peter Beck (SPD/Grüne) nicht zufrieden geben. „Wo hat die Gemeinde Dettingen denn Grundstücke zur Verfügung, auf denen Ackerbau betrieben werden kann?“, fragt der Gemeinderat noch zwei Mal nach. „So viele Flächen hat die Gemeinde Dettingen“, sagt Günter Baumann. Peter Beck kommt nun auf Landwirte zu sprechen, die Flächen auf dem Hungerberg gepachtet haben. „Die Landwirte, die nur Bewirtschafter sind, hätten keinen Anspruch auf Ersatzflächen, sondern müssten auf eine andere Gemarkung ausweichen?“, will er wissen. Rainer Haußmann antwortet: „Der nächste Schritt ist, mit Eigentümern über den Ersatz von Eigentumsflächen zu verhandeln.“ Über Pachtflächen werde zu einem späteren Zeitpunkt gesprochen.

Der Ton der Debatte wird immer gereizter. Als Beck nicht locker lässt, ergänzt Haußmann: „Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft sind wir in Verhandlungen, um freiwerdende Flächen von Betrieben, die keine Nachfolge in der Familie haben und dadurch aufgeben, anderen Betrieben, die bleiben, zuzuführen. Aber das ist heute Abend nicht das Thema“.

Nun schaltet sich auch Stefan Russ (CDU/FWV) in die Debatte ein. Er wirft Beck vor, nach Grashalmen zu suchen. „Ich habe das so verstanden, dass Herr Haußmann, wenn die Ersatzflächen der Gemeinde nicht reichen, nach Wegen sucht, das Problem, wenn es denn eines gibt, zu lösen.“ Der Gemeinderat verteidigt das Projekt. „Das sind Flächen, die wir dringend brauchen, um durch Gewerbesteuer unsere Vorhaben zu finanzieren und um Arbeitsplätze hier zu halten. Wir haben noch genügend Flächen, um Landwirtschaft zu betreiben.“

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