Kirchheimer Umland

Die Frage nach Maximum und Optimum

Aktion Kandidaten äußern sich in einer BUND-Umfrage zum Flächenverbrauch.

Kirchheim. Die ungebremst fortschreitende Asphaltierung und Betonierung von Böden ist ein wichtiges Umwelt- und Nachhaltigkeitsthema, über das in den Kommunen entschieden wird. Das Thema Flächenverbrauch ist gerade auch im aktuellen Kommunalwahlkampf völlig zu Unrecht dem globalen Klimaschutz nachgeordnet.

In enger Abstimmung mit der landesweit agierenden Allianz für Flächenschutz hat der BUND Kirchheim den Kandidaten zur Kommunalwahl seine „Wahlprüfsteine Flächenverbrauch“ vorgelegt. Die Kandidaten sind darin gefordert, Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit Bodenschutz und Flächenverbrauch zu geben. Die Fragen spannen den Bogen von der allgemeinen Motivation bis zum Abstimmungsverhalten bei konkret anstehenden Planungen.

Kandidaten von allen Wahllisten haben dem BUND ihre Rückmeldungen zukommen lassen. Dabei hat für die Kandidaten die Erhaltung von Erholungs- und Naturschutzflächen eine hohe bis sehr hohe Bedeutung. Wohnraum und Gewerbeflächen auf der einen Seite und der Erhaltung von Freiflächen räumt die Mehrheit der Befragten eine gleich hohe Priorität ein. Dennoch fällt es den Kandidaten schwer, sich zu konkreten Obergrenzen für die weitere Überbauung der Kirchheimer Gemarkung zu bekennen. Bevölkerungswachstum wird von der Mehrheit dabei als wichtigste Bestimmungsgröße für die Nachfrage nach Siedlungs- und Gewerbeflächen benannt.

Unterschiede zwischen den befragten Fraktionen ergeben sich insbesondere bei den wahrgenommenen Möglichkeiten für die Schaffung von Wohnraum und Gewerbeflächen im bereits überbauten Bereich. Grüne und Linke sehen hier deutlich mehr Möglichkeiten als Freie Wähler, CDU und FDP. Aus den Reihen der Freien Wähler wird die Forderung nach besseren Möglichkeiten auch für Enteignung zur Aktivierung innerstädtischer Bauflächenpotenziale vorgetragen. Insgesamt stehen Grüne und Linke der Schaffung einer Stelle für die Aktivierung von Flächenpotenzialen besonders aufgeschlossen gegenüber. Bei der Frage nach dem konkreten Abstimmungsverhalten bei vorliegenden Planungen überwiegt für alle Wohngebiete und eine Ortsumfahrung Ötlingen die Zustimmung. Beim angedachten Gewerbegebiet Berg/Hägele sind die Meinungen geteilt.

Für den Vorsitzenden des BUND Kirchheim, Professor Martin Dieterich, bestätigen die Ergebnisse seine langjährigen Erfahrungen. Das betrifft nicht nur die anerkannt hohe Bedeutung von Bevölkerungswachstum für die Nachfrage nach Siedlungsraum vor dem Hintergrund begrenzter Potenziale zur Innenentwicklung. Das betrifft das ehrlich gemeinte Bekenntnis zu Natur und Umwelt bei allen Kandidaten, das bei konkreten Entscheidungen dann aber immer wieder in den Hintergrund tritt. Die Entscheidungsträger müssen sich vor diesem Hintergrund die Frage nach Maximum und Optimum gefallen lassen. Eine Überbauung der Gesamtgemarkung als Maxium ist für die Bürger der Stadt Kirchheim ganz sicher kein Optimum. Freiräume sind unverzichtbarer Teil von Lebensqualität.

Und das ist beileibe nicht nur ein ökologisches Thema. Zwar erhöhen Gewerbe und Einwohnerzuwachs zumindest kurzfristig die Einnahmen der Kommunen. Dem stehen neben dauerhaften und nicht kompensierbaren Verlusten für die Lebensqualität inner- und außerorts aber auch entsprechende und zum Teil erhebliche finanzielle Mehraufwendungen gegenüber, die bereits mittelfristig die Mehreinnahmen übersteigen können. Daraus ergibt sich zwangsläufig die seit 1992 vorgetragene und bisher nicht gehörte Forderung des Kirchheimer Umweltverbandes, die reale Obergrenze der Überbaubarkeit zu akzeptieren und sich intelligent, offensiv und innovativ damit auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse der „Wahlprüfsteine“ stellt der BUND Kirchheim auf www.bund-es.de zur Verfügung. pm

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