Kirchheimer Umland

Die Linde blüht wieder

Freizeit Im Mehrgenerationshaus Linde am Kirchheimer Alleenring ist was los. Nicht nur Kinder finden dort Anschluss. Ob online oder vor Ort – hier gibt es ein Angebot für alle. Von Elise Czaja

Christian Pomplun, Oskar und Leon sind fleißig bei der Arbeit. Jasmin verewigt sich lieber auf ihrem Namensschild.Fotos: Jean-Lu
Christian Pomplun, Oskar und Leon sind fleißig bei der Arbeit. Jasmin verewigt sich lieber auf ihrem Namensschild. Foto: Jean-Luc Jacques

Hinter den Fenstern ist es dunkel, im Haus ist es ruhig. Plakate und Poster von verschiedenen Events bedecken die Eingangstür. Neu hinzugekommen sind nun auch Anweisungen und Hygieneregeln.

Denn auch im Mehrgenerationenhaus Linde nahm das Leben aufgrund der Corona-Pandemie eine unfreiwillige Auszeit. Mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen kehrt das Leben nun endlich wieder zurück ins Haus. Mit einem angepassten Angebot öffnet die Linde wieder ihre Pforten. Leises Gelächter und angeregte Unterhaltungen verraten, dass sich dort etwas regt. Im Garten sind Bänke, Arbeitsmaterial und Graffiti-Wände aufgebaut. Mittendrin sitzen vier Kinder mit ihrem Betreuer. Seit Ende der Zwangspause haben sie sich nun schon drei Mal zum Basteln und Werken getroffen.

Jasmin, acht Jahre alt, rollt gerade ihre Modelliermasse platt, um sich ein Namensschild zu basteln. Während des Kontaktverbots ging ihr irgendwann die Beschäftigung aus. Jetzt kann sie wieder zur Schule gehen und genießt daher den Kontakt mit ihren Freunden umso mehr. „Ich hätte mich sonst so gelangweilt, wenn die Linde nicht offen wäre“, sagt sie strahlend. Betreuer Christian Pomplun, der von den Kindern liebevoll „Chris“ genannt wird, scheut keine Mühe. Aufmerksam sorgt er dafür, dass jeder hat, was er braucht, und steht ihnen außerdem mit Rat und Tat zur Seite.

Die Kreativ-Werkstatt ist ein Angebot für Jungen und Mädchen, die ihre Ideen verwirklichen wollen. „Ich bin hier wie ein Kunst-Assis­tent“, lacht Chris. Die Kinder können sich frei, zwanglos und unbegrenzt ausdrücken: „Die Linde ist ein Ort für alle.“ Der siebenjährige Oskar malt gerade sein neuestes Meisterwerk und verrät, dass er gerne viel öfter in der Linde wäre, denn dort stünden ihm alle Möglichkeiten offen. Auch Leon, neun Jahre alt, kann sich hier grenzenlos vergnügen. „Ich mag, dass es Holz gibt!“, sagt er. Bauen bereitet ihm Freude, und im Garten der Linde gibt es schließlich alles, was sein Herz begehrt.

Der zehnjährige Marek widmet sich stattdessen lieber dem Graffiti. In einem Ordner mit Entwürfen findet er Inspiration. Er und die anderen Kinder sind dankbar, wieder in die Schule gehen zu können. Nun kann die Linde auch wieder ein Ausgleich zum stressigen Schulalltag sein. „Es ist sehr, sehr entspannt hier. Und es tut mir gut, herzukommen“, sagt Marek, während er fasziniert durch die Graffiti-Sammlung blättert.

Natürlich finden alle Angebote unter strengen Auflagen statt. „Wir hangeln uns von Verordnung zu Verordnung“, sagt Linde-Mitarbeiter Tim Rosalewski. Zum Beispiel ist die Modelliermasse abgepackt und darf nicht geteilt werden. Außerdem werden so viele Kurse wie nur möglich in den Garten verlegt, denn die Räume der Linde sind nicht allzu groß. Um Abstand zu wahren, gibt es mehrere Gruppen pro Kurs. „Bei den Yoga-Frauen dürfen es auch zehn Teilnehmer sein. Die sind ruhiger als beispielsweise die Breakdancer“, meint Einrichtungsleiterin Jutta Ziller. Man merkt, wie wichtig es ihr ist, den Leuten die Linde trotz Corona schmackhaft zu machen. Schließlich soll auch in solchen Zeiten das Mehrgenerationenhaus für alle da sein. „Als wir unsere Angebote nach Corona veröffentlicht haben, gab es Alarm am Telefon“, freut sie sich. Der Andrang bereite allen Mitarbeitern große Freude. Vor allem ist das Team glücklich darüber, dass das Interesse nicht wegen, sondern trotz der schwierigen Phase so groß ist.

„Wir möchten, dass Kinder verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen lernen, aber gleichzeitig natürlich auch Spaß haben“, sagt Jutta Ziller und sieht dabei den vier fröhlich werkelnden Nachwuchskünstlern zu. Und tatsächlich: Alle Teilnehmer halten respektvollen Abstand zueinander.

Die Linde hat wieder viel vor

Um den Kindern viel zu bieten, gibt es AGs an der Konrad-Widerholt-Schule in Kooperation mit der Linde. Sogar für ein abwechslungsreiches Sommerferienangebot wird gesorgt. Die Kinder sollen auch weiterhin von den zahlreichen Angeboten der Linde profitieren. In den Ferien soll es nicht langweilig sein.

Angebote für Risikogruppen gibt es selbstverständlich auch. Für Jutta Ziller ist klar, dass auch chronisch Kranke in dieser schwierigen Zeit nicht ausgeschlossen werden dürfen. Online-Aktionen wie das gewohnte Weißwurst-Frühstück und die Hausaufgabenbetreuung per Videochat machen es möglich.

Bald wird die Linde wieder mehr veranstalten. Beispielsweise sind Konzerte im Garten geplant sowie Rennen im Bikepark. Sogar das regelmäßige Spaghetti-Essen nimmt wieder Fahrt auf. Diese Termine werden aber sicher nur wenige von vielen Veranstaltungen im Freien sein, denn die Linde legt langsam wieder los. el

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