Kirchheimer Umland

Die Linde weicht dem Wohnungsbau

Ortsbild Auf dem Grundstück der ehemaligen Gaststätte in der Eichendorffstraße in Hochdorf ist der Abbruchbagger angerückt. Dort sollen zwei Gebäude mit 13 Eigentumswohnungen entstehen. Von Katja Eisenhardt

Bauträger Hans-Peter Birkenmaier zeigt die Pläne für die künftige Bebauung des ehemaligen Linde-Areals. Foto: Katja Eisenhardt
Bauträger Hans-Peter Birkenmaier zeigt die Pläne für die künftige Bebauung des ehemaligen Linde-Areals. Foto: Katja Eisenhardt

Die letzten Stunden des ehemaligen Gasthaus Linde in der Hochdorfer Eichendorffstraße sind gezählt. Kürzlich rückte der Abbruchbagger an, bereits einen Tag später war nur noch die Hälfte des Gebäudes zu sehen. Mitarbeiter des Abbruchunternehmens sorgten mit Wasser dafür, dass es nicht zu sehr staubt. Auf dem Eckgrundstück sollen anstelle des alten Gebäudes zwei zweigeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 13 Eigentumswohnungen entstehen, die sich mit ihren Satteldächern in die Umgebungsbebauung einfügen. Bauträger ist Wohnbau Birkenmaier aus Dettingen. Geschäftsführer Hans-Peter Birkenmaier hatte die aktuellen Baupläne mitgebracht und erklärte, was künftige Wohnungseigentümer erwartet. Baustart ist nach der Sommerpause im September. „Wir rechnen mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2023, da sind die derzeit auftretenden coronabedingten Bauverzögerungen einkalkuliert.“

Im südlichen Teil des Grundstücks wird das etwas größere der beiden Gebäude mit acht Wohnungen entstehen, nördlich an der Eichendorffstraße das zweite mit fünf Wohnungen. „Wir planen Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen mit 55 bis 110 Quadratmetern“, kündigt Birkenmaier an. Sämtliche Wohnungen sind dank eines Aufzugs barrierefrei erreichbar. Verbunden werden die beiden Gebäude durch ein teils transparentes Element, in dem auch der Aufzug und das Treppenhaus untergebracht werden. Alle Wohnungen sind nach Süden und Westen ausgerichtet und haben eine Loggia oder Terrasse. An das südlich gelegene Gebäude schließt ein großer Garten an. „Für jede Wohnung kalkulieren wir mit eineinhalb Stellplätzen, unterm Strich bei 13 Wohnungen also mit 20 Stück“, erklärt Hans-Peter Birkenmaier. Die Tiefgarage wird in das Hanggeschoss so eingepasst, dass die Topografie des Geländes optimal genutzt wird und man fast ebenerdig ohne komplizierte Rampe in die Tiefgarage einfahren kann.

Optimiert wurde die bisherige Planung im Kreuzungsbereich vor der Linde. Dieser soll nun gut fünf Meter schmaler werden und das Grundstück entlang der Eichendorffstraße somit größer. „Wo bisher der Parkplatz der Linde war, werden die vier Außenstellplätze untergebracht, die Restfläche wird begrünt“, so Hans-Peter Birkenmaier.

Die Nachfrage nach Wohneigentum sei ungebrochen hoch, weiß er von zahlreichen anderen Projekten. Vorgemerkte Interessenten gebe es auch schon für die Hochdorfer Neubauten, „wir starten aber erst im September mit den Reservierungen und dem Verkauf. Erst dann können wir auch die Preise genauer kalkulieren. Das hängt in Zeiten der Pandemie von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise steigen derzeit die Baustoffpreise“. Günstig werden die Wohnungen jedenfalls nicht: Mit rund 5000 Euro pro Quadratmeter müssen Interessenten rechnen. „Wir bauen KfW55-Effizienzhäuser, dafür bekommt jeder Wohnungs-Käufer aufgrund eines neuen Bundesförderprogramms von der KfW-Bank 26 250 Euro Zuschuss auf die förderfähigen Kos- ten“, erklärt Hans-Peter Birkenmaier.

Vielseitig genutzt

Paul Zinßer, der in unmittelbarer Nachbarschaft zur Linde wohnt, kann sich noch gut an deren frühere Nutzung erinnern. „1964 wurde das Haus als Gaststätte und Metzgerei von Emilie und Fred Kimmich eingeweiht, im Obergeschoss befanden sich drei Wohnungen. Davor war nur ein Wiesengrundstück. Fred Kimmich war Metzger mit eigener Hausschlachterei. Die selbst hergestellten Fleisch- und Wurstwaren wurden im Laden von seiner Frau verkauft. Das Fleisch stammte von Rindern und Sauen von Landwirten aus dem Ort“, erzählt Zinßer. Jahrelang seien die Hochdorfer Fußballer ins Gasthaus zum Stammtisch gegangen. Zur „Linde“ wurde die Gaststätte erst 1983, als sie von Hildegard und Dieter Pfister übernommen wurde. „Vor der Übernahme der Linde waren die Pfisters ab 1975 zunächst Pächter der Sportgaststätte Aspen in Hochdorf“, erinnert sich Zinßer. 2013 schlossen sich die Gasthaustüren endgültig. Während ihrer „Linde“-Zeit hatten die Pfisters den Wohnbereich zu Fremdenzimmern umgebaut. „Da waren immer wieder Monteure untergebracht, die in Plochingen und Esslingen arbeiteten“, erzählt Paul Zinßer. Von 2015 bis 2017 diente die „Linde“ während der Rathaussanierung dann als Interimsquartier für die Gemeindeverwaltung. „In den vergangenen eineinhalb Jahren wurde das leer stehende Gebäude von der Direktion Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums für Einsatzübungen genutzt“, ergänzt Hans-Peter Birkenmaier die vielseitige Nutzung.

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