Kirchheimer Umland

Die Maske muss jetzt oben bleiben

Corona Seit heute gilt an Grundschulen Maskenpflicht im Unterricht, um das Ansteckungsrisiko in den vollen Klassenzimmern zu senken. Das sorgt für Zustimmung, es bleiben aber auch Zweifel. Von Antje Dörr

Ab heute müssen Grundschüler eine OP- oder FFP-Maske tragen. Übergangsweise werden auch noch Stoffmasken und sogenannte Loops to
Ab heute müssen Grundschüler eine OP- oder FFP-Maske tragen. Übergangsweise werden auch noch Stoffmasken und sogenannte Loops toleriert. Foto: Markus Brändli

Wie verhalte ich mich, wenn Eltern es ablehnen, dass ihr Kind eine Maske trägt? Muss das Kind dann wieder mitgenommen werden? Dürfen die Masken in der Pause abgenommen werden? Der Rektorin der Owener Grundschule Susanne Niemeyer schwirren viele Fragen durch den Kopf, als sie am vergangenen Freitagmorgen am Schreibtisch sitzt, um die Eltern über die Maskenpflicht zu informieren. Fragen, auf die sie keine Antworten hat, weil das Kultusministerium keinerlei Informationen geschickt hat. Dass die Maskenpflicht für Grundschüler kommt, hat Niemeyer aus der Presse erfahren. Mal wieder. „Das belastet alle Schulleitungen extrem. Wir werden einfach zu spät informiert“, sagt die Rektorin und ergänzt: „Es ist schwierig, eine Situation zu managen, wenn man keinerlei Anweisungen hat.“

Dass Grundschüler von heute an eine medizinische Maske im Unterricht tragen müssen, begeistert Susanne Niemeyer überhaupt nicht. „Was die Sicherheit betrifft, ist es der richtige Weg“, sagt sie. Die Umsetzung sei in den Grundschulen jedoch äußerst schwierig. „Die Schüler verstehen die Lehrer schlechter und umgekehrt auch“, sagt Niemeyer. Beim Lesen und Schreiben lernen, beim Lautieren müsse man eigentlich auf den Mund schauen können. Vom Menschlichen und Sozialen einmal ganz abgesehen. „Die Mimik ist ja so wichtig, auch zur Ermutigung“, sagt die Schulleiterin. Sie hält es für unerlässlich, dass die Kinder die Masken in der Pause abnehmen dürfen, um sich zu erholen.

Die Maske allein wird‘s nicht richten, das weiß Susanne Niemeyer. „Ich halte eine Testpflicht für Lehrkräfte und Schüler an den Schulen für äußerst wichtig. Am besten zwei Mal die Woche. Es ist schlimm, dass die Schule losgegangen ist und wir noch keine Testung für Schüler hatten.“ Lehrkräfte müssten so schnell wie möglich geimpft werden. Und in Owen sollen die Klassenzimmer nach Niemeyers Wunsch mit Luftfiltern ausgestattet werden.

Wer sich am Wochenende mit Grundschuleltern unterhält, hört zustimmende, aber auch viele kritische und ablehnende Töne. Aus dem Vorstand des Gesamtelternbeirats (GEB) der Kirchheimer Schulen hingegen kommt deutliche Zustimmung zur Maskenpflicht. „Wir begrüßen die aus unserer Sicht längst überfällige Entscheidung“, sagen Stefanie Rau und Claudia Gerlach-Reck im Namen des Vorstands, der bereits am 11. März einer Empfehlung der Stadt Kirchheim zugestimmt hatte, an allen Schulen der Stadt Maske zu tragen. Die nun in Kraft getretene Pflicht sieht der GEB-Vorstand als „guten Beitrag zum Schutz unserer Schüler und Lehrer, aber auch vor allem der Familien und Angehörigen“. Die überwiegende Zahl der Eltern sei erleichtert, dass nun an den Schulen Klarheit bei diesem Thema herrsche, und unterstütze die Entscheidung. Vereinzelt hätten Eltern aber auch Bedenken. „Das Ermöglichen von Trage-Pausen kann sicherlich zur Beruhigung der Eltern und zur Entlastung der Schülerinnen und Schüler beitragen“, so Stefanie Rau und Claudia Gerlach-Reck.

Sorgen kennt auch Susanne Luxenhofer, die in Wernau mit Kolleginnen eine Kinderarztpraxis betreibt. „Ich habe keine medizinischen Bedenken wegen der Sauerstoffversorgung“, sagt die Kinderärztin und ergänzt in Anspielung auf die ausgesetzte Präsenzpflicht: „Wenn jemand nicht will, dass sein Kind eine Maske trägt, darf er es ja zuhause lassen.“ Doch was ist mit Kindern, die gesundheitlich beeinträchtigt sind? „Wenn ein Kind aufgrund von Asthma so schwer gesundheitlich beeinträchtigt ist, dass es keine Maske tragen kann, dann wäre es momentan ohnehin sinnvoller, das Kind zuhause zu lassen“, sagt Luxenhofer. Die Kinderärztin hält die Maskenpflicht angesichts steigender Infektionszahlen und der Mutation für „absolut sinnvoll“. Die englische Variante mache mittlerweile drei Viertel der Fälle aus. „Bisher waren die Kinder nicht die Infektionstreiber. Aus England gibt es aber Daten, dass Schüler verstärkt betroffen sind. Das legt die Vermutung nahe, dass es hier auch so ist“, sagt Luxenhofer.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat bei der Bewertung der Maskenpflicht auch den Gesundheitsschutz der Lehrer im Blick. „Aufgrund der aktuellen Situation ist es der richtige und konsequente Schritt“, sagt David Warneck, Kreisvorsitzender der GEW. Ausreichend sei aber auch das nicht. „Es kann weiterhin kein Abstand gehalten werden, es fehlen Luftfilter, Personal und Räumlichkeiten, um Wechsel-unterricht abhalten zu können“, kritisiert Warneck. Es sei wichtig, dass es beim Präsenzunterricht bleibe. „Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

Masken sorgen nicht für Kohlendioxid-Vergiftung

Seit Bekanntgabe der Maskenpflicht kursieren in den sozialen Medien wieder verstärkt Inhalte, in denen behauptet wird, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sei gesundheitsschädlich. Teilweise stammen diese Videos schon aus dem vergangenen Jahr. Damals hatten einige Nutzer Selbstversuche mit Kohlendioxid-Messgeräten gemacht, um zu belegen, dass durch das Bedecken von Mund und Nase angeblich eine deutlich erhöhte Kohlendioxid-Belastung unter der Maske entsteht, die zu Gesundheitsschäden führen könne.

Das ist jedoch nicht der Fall, heißt es beim Umweltbundesamt, das den Versuch nachgestellt hat. Messgeräte für die Raumluft seien für die Art der Messung, wie sie in den Videos durchgeführt wird, nicht geeignet. Eine Ansammlung gesundheitlich bedenklicher Mengen Kohlendioxid unter OP-Masken könne nicht stattfinden, da das Luftvolumen unter der Maske und die Dichtigkeit des Mundschutzes zu gering seien. adö

Anzeige